Gottfried Helnwein: Ein Wiener zum Loben

22. Juni 2007, 14:36
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Das "art.genossen"-Porträt präsentiert den in Favoriten aufge- wachsenen Künstler als interessanten, radikalen Menschen ...

In der Kunstnachtschicht des Österreich-Fernsehens am Montag war wieder Näheres über einen Österreicher zu erfahren, der vor Langem auszog, um gefeierter Fixstern im internationalen Kunstbetrieb zu werden. Gottfried Helnwein, der meint, von Walt Disney mehr gelernt zu haben als von Leonardo da Vinci, spielt mit der konventionellen Unterscheidung in ernste und unterhaltende Kunst. Er vergöttert Donald Duck und malt verstörende, drastische, intensive Bilder von deformierten Körpern.

Das "art.genossen"-Porträt präsentiert den in Wien-Favoriten aufgewachsenen Helnwein als interessanten, radikalen Menschen. Und nachdem für hiesige Verhältnisse ein ausführliches Kennenlernen künstlerischer Schaffenswelten nichts ist, womit der regelmäßige TV-Konsument übersättigt wäre, sind die Montagsporträts generell freudvolle Termine.

Leider aber ist die ORF-Kulturschiene - sowohl in der Wahl der Themen als auch in deren inhaltlicher Bewertung - nach wie vor in Gefahr, erweitertes Feld der Österreich Werbung zu sein. So auch hier: Die lobpreisende Würdigung Helnweins als Hollywood-Intimus und Besitzer eines Landsitzes in Irland hätte auch kritischere Einordnungen vertragen. Die Qualität der Präsentation wird letzten Endes dem Inhalt nicht gerecht.

Außerdem könnte man - wie schon zuvor in den Beiträgen des Kulturmagazins "lebens.art" - auf ein paar Floskeln verzichten: Wer will oder kann noch hören, dass Künstler "Verborgenes sichtbar machen"? (pum/DER STANDARD; Printausgabe, 2.5.2007)

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    foto: orf
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