ORF neu sucht einen Schuldigen

27. Juli 2007, 17:49
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Reform kostet 3,4 Prozentpunkte - 3,6 in der Werbezielgruppe - 4,3 bei Jungen - Tiefstwert seit Anfang der Neunziger erreicht

Wien - Zum ersten Mal seit seiner Programmreform muss sich ORF-General Alexander Wrabetz am Mittwoch einem Aufsichtsgremium stellen. Auf ihn wartet "erhebliche Kritik", sagt Andreas Kratschmar dem STANDARD. Der Bürgerliche steht dem Programmausschuss des Publikumsrates vor, der am Mittwoch tagt.

"Mitten im Achten" gehört für Kratschmar nicht in die "ZiB"-Zeitzone. "Willkommen Österreich" sei zu Unrecht gekippt. Zumindest den Irrtum in ORF 2 bestätigt die ORF-Direktorin Sissy Mayerhoffer: "Julia" "zieht nicht", sagte sie der APA: "Das Publikum ist auf diesem Sendeplatz an ein Servicemagazin gewöhnt, daran wird seit zehn Tagen gearbeitet." "Mitten im Achten" bleibe vorerst: "Wir versuchen zu eruieren, weshalb ,MiA nicht ankommt."

Von 41,3 auf 37,9

Vor zwei Wochen forderten Chefs großer Media-Agenturen im STANDARD, der ORF möge die Werbepreise senken. Mayerhoffer sieht dafür derzeit keine Notwendigkeit.

Ebenfalls am Mittwoch wird der April-Marktanteil in Kabel- und Sathaushalten fällig. Berechnung des STANDARD: 37,9 Prozent (Tagesmarktanteile 1. bis 30. April) nach 41,3 im April 2006. Das bestätigt die STANDARD-Prognose der Vorwoche: Tiefstwert seit Anfang der Neunziger.

In der Werbezielgruppe von zwölf bis 49 Jahren fiel der Monatsschnitt von 34,2 auf 30,6 Prozent. Bei den jungen Zuschauern bis 29 Jahren, die der ORF zurückgewinnen wollte: 26,6 Prozent nach 30,9.

"Notwendige Reform der Reform"

Franz Medwenitsch, Sprecher der Bürgerlichen im Stiftungsrat, kündigt in der APA "Klartext" für die Klausur am 12. Mai an - und über die "notwendige Reform der Reform". Der erste Anlauf sei "misslungen", die Stärkung des Vorabends "klar verfehlt".

Schießen sich Schwarze nun auf Wrabetz ein, so zielen andere Fraktionen bereits auf den bürgerlichen Programmdirektor Wolfgang Lorenz.

Publikumsräte können über den Stiftungsrat granteln: Dessen Mitglieder taten in einer Klausur den Wunsch der Publikumsräte ab, "Mitten im Achten" vorzubegutachten. Auch die Resolution des Publikumsrats für mehr Öffentlich-Rechtliches in der Reform ließen sie links liegen. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 2.5.2007)

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  • Am Ende war die Handbewegung? So raue Sitten herrschen auch nach gefloppter Reform noch nicht im ORF: General Wrabetz (re.) und Programmdirektor Lorenz.
    foto: standard/hendrich

    Am Ende war die Handbewegung? So raue Sitten herrschen auch nach gefloppter Reform noch nicht im ORF: General Wrabetz (re.) und Programmdirektor Lorenz.

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