Schmied: Kein flächendeckendes Modell in Wien ab 2009

19. Juni 2007, 10:53
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Bildungsministerin bremst Gesamtschul- Anhänger in der SPÖ - Wien hält an gemeinsamer Mittelstufe fest - Haider will über Landeshauptleute Druck machen

Wien - In Wien werde aus heutiger Sicht ab dem Schuljahr 2009/10 kein flächendeckendes Gesamtschul-Modell erprobt. Dies sagte Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) am Sonntag Abend in der ORF-Sendung "Im Zentrum". Als Begründung nannte sie "Umsetzungsgründe" auf Grund der Bedenken des Koalitionspartners ÖVP.

Das machte auch VP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek deutlich: Für ein flächendeckendes Gesamtschul-Modell werde es keine Zustimmung der ÖVP geben. Gleichzeitig meinte sie, dass im Moment noch keine fertigen Modelle auf dem Tisch lägen - erst dann könne man darüber auch diskutieren. Ähnliche Kritik kam von der Vorsitzenden der AHS-Lehrergewerkschaft, Eva Scholik: Sie warf Schmied vor, nur "Worthülsen" zu verwenden.

Gemeinsame Mittelstufe Die Wiener Bildungsverantwortlichen wollen weiterhin ab dem Schuljahr 2009/2010 wienweit eine gemeinsame Mittelstufe in der Bundeshauptstadt einführen. Diese Position habe sich nach der gestrigen Einschätzung der Bildungsministerin nicht geändert, die im ORF von einem "schrittweisen Weg" gesprochen hatte, hieß es am Montag aus dem Büro von Stadtschulratspräsidenten Susanne Brandsteidl gegenüber der APA.

Man verhandle weiter mit dem Bund mit dem Ziel, die "gemeinsame Mittelstufe der Vielfalt" in den Schulen einzuführen. Damit habe man das "Wording gesäubert" und vermeide ideologische Grabenkämpfe durch belastete Begriffe, so ein Brandsteidl-Sprecher. Diese Position sei auch durch einen gemeinsamen Antrag von SPÖ und ÖVP im Gemeinderat am vergangenen Freitag gestützt.

Etwas vorsichtiger zeigte man sich im Büro von Bildungsstadträtin Grete Laska. Auf Anfrage hieß es: "Das Wunschziel bleibt die gemeinsame Mittelstufe der Vielfalt." Ob man dieses in den Verhandlungen mit dem Bund erreiche, bleibe abzuwarten.

Gesamtschule testen

Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ), der ab dem kommendem Schuljahr in seinem Bundesland an mindestens zwei Standorten einen Schulversuch zur Gesamtschule starten will, forderte ÖVP und Gewerkschaft auf, den Mut zu haben, die gemeinsame Schule anhand von Modellen zu testen. Man müsse probieren, die soziale Selektion mit neun bzw. zehn Jahren wegzubringen. Den AHS-Lehrern warf er vor, den Kampf gegen eine Gesamtschule "auf dem Rücken der Kinder" auszutragen, um eine Gleichstellung mit den Hauptschullehrern abzuwehren. Druck auf die ÖVP will er mit einer Sonder-Landeshauptleutekonferenz zum Thema Gesamtschule machen. Die Überzeugung der VP-Landeschefs wäre ein "starkes Backing".

Einigkeit bei Vorschuljahr

Der Erziehungswissenschafter Karl-Heinz Gruber verwies auf die internationale Entwicklung: In den vergangenen Jahrzehnten hätten zahlreiche Staaten auf die Gesamtschule umgestellt, kein einziges sei davon abgegangen. Das in Kärnten geplante Modell, einen Gesamtschule genannten Schultyp neben AHS-Unterstufe und Hauptschule anzubieten, macht für ihn "nur sehr begrenzt Sinn".

Einigkeit auf politischer Seite bestand nur bei der Forderung nach einem verpflichtenden Kindergarten- bzw. Vorschuljahr. Sowohl Brinek und Scholik als auch Haider befürworteten dies. (APA)

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    foto: standard.at/zielina
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