Blackouts und ihre Wurzeln

6. September 2007, 16:28
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Udo Leuschner zieht kritisch Bilanz über die deutsche Strommarkt- Liberalisierung und erörtert, "wie unsere Stromversorgung teurer und schlechter wurde" - Buchtipp

Der deutsche Journalist und Autor Udo Leuschner arbeitet seit 16 Jahren als PR-Referent in der Energiebranche und konnte sich so umfassendes Wissen über die technischen und organisatorischen Vorgänge und Umbrüche in der Stromwirtschaft aneignen. Er betreibt auf seiner Website eine "Energie-Chronik", in die er seine Beobachtungen einfließen lässt, und hat diese in recht ausführlicher Form nun auch in Buchform herausgebracht: In "Kurzschluss. Wie unsere Stromversorgung teurer und schlechter wurde" zieht er sehr kritisch Bilanz über die deutsche Energiewirtschaft acht Jahre nach Beginn der Liberalisierung.

Leuschner argumentiert darin, warum die früheren Gebietsmonopole der Stromversorger "im Nachhinein fast als das kleinere Übel" erscheinen, warum der Wettbewerb nicht richtig funktioniert und erörtert auch ausführlich die historischen Wurzeln der deutschen Stromwirtschaft.

Aus dem Gleichgewicht

In einem Kapitel beschäftigt sich der Autor auch mit der "technischen Seite" der Stromversorgung. Leuschner macht dabei etwa auf das Problem aufmerksam, dass durch die Zunahme der Windkraftwerke die Versorgungssicherheit leidet, weil sie nach der Stärke des Winds unvorhersehbar und ganz unterschiedlich Strom ins Netz einspeisen. Neben der ohnehin manchmal sehr schwer einschätzbaren Verbraucherseite wird damit "das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch zusätzlich noch von der Erzeugerseite gestört".

Leuschner befasst sich darüber hinaus mit den massiven Problemen des amerikanischen Strommarkts, wo sich die "negativen Auswirkungen der Deregulierung früher und deutlicher" als in Europa gezeigt hätten. Er beschreibt recht detailliert, wie es zu den großen Blackouts der vergangenen Jahre (im August 2003 etwa in New York und dem ganzen Nordosten der USA) kommen konnte, und wie das Unternehmen "First Energy" ursächlich daran beteiligt war, weil es anstatt in die Behebung von Mängeln lieber Geld in Lobby-Arbeit steckte.

Ein Buch für vor allem für an der technischen Seite der Stromversorgung interessierte Menschen, naturgemäß mit Fokus auf den deutschen Markt. Als generelle Kritik an der Strommarkt-Liberalisierung sind Leuschners Beobachtungen aber zweifellos auch für österreichische Leser interessant. (red)

  • Udo Leuschner: Kurzschluss. Wie unsere Stromversorgung teurer und schlechter wurde, ca. 330 S., Edition Octopus 2007

    Udo Leuschner: Kurzschluss. Wie unsere Stromversorgung teurer und schlechter wurde, ca. 330 S., Edition Octopus 2007

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