Ein Schmalztiegel für Genießer

3. Juli 2007, 12:38
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Eine deftige Wellness-Interpretation kommt aus der Dolomitenresidenz in Sillian

Dreierlei Knödel mit geschmolzenen Tomaten haben wir genossen, von den gratinierten Kalbsnüsschen im Nudelnetz an Madeiraessenz reden wir noch heute. Und gar nicht genug bekommen konnten wir von den Köstlichkeiten aus der Osttiroler Räucherkammer. In einem Sporthotel übrigens. Und dank der Erweiterung im Jahr 2002 ist die Dolomitenresidenz im Osttiroler Sillian auch noch ein waschechtes Wellnesshotel.

Kann das überhaupt zusammenpassen, Wellness und Grammelschmalz? All die köstlichen "Schweinereien" aus den Räucherkammern der Bauern des nahe gelegenen Villgratentales? Und ob. Denn diese Dolomitenresidenz wird geprägt von jener Philosophie, die der Direktor des Hauses, Uli Walder, vertritt, wonach echte Wellness, also echtes Wohlbefinden auf fünf Säulen ruht, von denen jede gleich wichtig ist - nämlich das Verwöhnen und Entspannen, das Pflegen, Ernähren und Erleben. Selbst nach einer Woche Aufenthalt und Auskosten aller "Wellness-Rezepte" weiß der Gast nicht, welche dieser Säulen nun die angenehmste ist.

Nachsalzen?

Genießen können gehört zu diesem Wohlbefinden. Das betrifft die wohltuenden Bäder oder Inhalationen in der Salzgrotte ebenso wie die kulinarische Versorgung. Was am Abend in der alten, holzgetäfelten Stube, den ineinander übergehenden kleinen Restaurants, die unbemerkt einen großen Speisesaal bilden, oder vielleicht draußen auf der Terrasse mit Blick auf die jenseits des Tales der jungen Drau aufragenden Berge der Karnischen Alpen serviert wird, hat ungeachtet seiner Bezeichnung als Wellness-Dinner nichts mit Diätkost oder Entbehrung von Lebensfreuden zu tun. Die gerösteten Zanderstreifen mit Wurzelgemüse in Traminerschaum oder die im Ganzen gebratenen Frischlammkeule an Thymianglace decken bereits mindestens vier dieser Fünf-Säulen-Philosophie des Wohlbefindens ab. Lebensfreude wecken, pflegen und bewahren ist das Motto, unter das Uli Walder das Bemühen seiner 58 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stellt.

Über eine Fläche von 3000 Quadratmetern erstreckt sich der traditionelle Wellnessbereich dieses Hauses, geht aus den Wellnessoasen im Haus in ein weites Freigelände nach draußen über. Acht Damen sorgen sich sechs Tage in der Woche täglich zwölf Stunden um die Wünsche, Sorgen und Bedürfnisse der Gäste. Sie praktizieren mit Kenntnis und Engagement jenes Pflegen und Entspannen, das zu den Wellnessäulen gehört.

Lymphdrainagen und die verschiedensten Massagen, Aromatherapie und Körperpeeling, Bodystyle-Treatment, Cellulite-Einzelbehandlung und verschiedene Bäder bis hin zum Baden in Milch und Honig oder Ölbäder mit Heublumen werden hier "verschrieben". Was im Wellnessbereich des Hauses allerdings nicht angeboten wird, sind all jene fernöstlichen Anwendungen und Methoden, die heute weit verbreitet sind. "Diese Behandlungen aus Fernost haben unbedingt ihre Daseinsberechtigung", versichert Uli Walder. "Aber wir, die wir untrennbar eingebunden sind in die Bergbauernlandschaft des Hochpustertales, verzichten gerne darauf."

In diesem Haus setzen die Programmgestalter der Gesundheits- und auch der Beautyanwendungen im Wellnessbereich auf all das, womit sich die Bergbauern seit Jahrhunderten ihre Kraft und Vitalität erhalten haben. Behandlungen mit dem "Breitbandwundermittel" Latschenkiefernöl, das im Villgratental seit Urzeiten gewonnen wird, sind dabei besonders wichtig. Ebenso die bewährten Heubäder in einem recht rustikalen Wasserbett.

Nachwuchs im Auge

Besonders stolz ist Uli Walder auch auf die eigene Kinder-"Wellnessabteilung" für Gäste zwischen fünf und fünfzehn Jahren. So steht den jüngsten Gästen, die ausgesprochen willkommen sind in diesem sich als Familienhotel verstehenden Haus, ein eigenes Kinderhallenbad mit Rutsche und Babyschwimmbecken zur Verfügung, durch eine Glaswand vom Hallenbad der Erwachsenen getrennt. Und wenn sich im Sommer der Wellness-Nachwuchs im Badeteich tummelt, kann er von den Eltern oder Großeltern auf der weitläufigen Sonnenterrasse stets im Auge behalten werden.

Entspannen und Erleben gehen in diesem Haus und seiner Umgebung über Vitallandschaften oder kulinarische Schlemmereien hinaus. Immerhin gehören die Thurntaler Seilbahnen, die im Winter das gleichnamige Skigebiet gegenüber dem Hotel erschließen zum Sporthotel, sichern im Sommer bequemen Zugang zu erholsamen Almenwanderungen. Und der Drautalradweg, der im nahen Südtiroler Toblach beginnt und bis ins slowenische Maribor geht, führt unmittelbar hinter dem Hotel durch Wiesen und Wälder an der jungen Drau entlang. Kostenlose Fahrräder gehören wohl bereits zur sechsten Säule, die das Wohlfühlen in der Natur nachhaltig stützt. (Christoph Wendt/Der Standard/Printausgabe/28./29.4.2007)

  • Das Villgratental: "Abbaugebiet" für Latschenkieferöl und Kalorien.
    foto: osttirol w./gaggl-meirer

    Das Villgratental: "Abbaugebiet" für Latschenkieferöl und Kalorien.

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