EU hebt britisches Verbot von Gruppen-Sex unter Männern auf

31. Juli 2000, 20:08

Großbritannien verstoße damit gegen das Recht auf Privatsphäre

Straßburg - Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat in einem Urteil am Montag das britische Verbot von Gruppen-Sex unter Männern als illegal bezeichnet. Großbritannien verstoße damit gegen das Recht auf Privatsphäre, urteilte das Gericht in Straßburg.

Das Gericht entsprach damit der Klage eines 52-jährigen britischen Homosexuellen, der vor vier Jahren in Großbritannien wegen grob unsittlichen Verhaltens verurteilt worden war. Die Polizei hatte zuvor in seinem Haus Videos gefunden, die ihn beim Gruppen-Sex mit bis zu fünf anderen Männern zeigten. Der nicht namentlich genannte Kläger verwies darauf, dass das britische Urteil ein Eingriff in seine Privatsphäre sei, weil die sexuellen Handlungen zwischen erwachsenen Männern in seinem Haus stattgefunden hätten.

Da die Videoaufnahmen nicht veröffentlicht werden sollten, seien die Handlungen ihrem Wesen nach privater Natur gewesen, hieß es in dem schriftlichen Urteil des Gerichts. Das britische Verbot verstoße gegen Artikel acht der Menschenrechtskonventionen, der das Recht auf Respekt vor Privat- und Familienleben festlege. Dem Kläger wurde ein Schadenersatz von 20.929 britischen Pfund (rund 460.000 Schilling) zugesprochen. (Reuters)

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