Neue Rollen für Personaler

27. April 2007, 17:00
16 Postings

Beim Jahresforum für die Personalwirtschaft wurde eine Studie über neue Wege in der Personalarbeit vorgestellt

Eine sich verändernde Arbeitswelt bringt zwangsläufig eine Veränderung der Personalarbeit in Unternehmen mit sich. Eigentlich. Während etwa in den USA schon laut über die Existenzberechtigung von Personalabteilungen nachgedacht wird, begreift man diesen Prozess – zumindest in Österreichs Unternehmen – als Chance für neue Ansätze und Positionierungen im Sinne einer höheren Wertschöpfung für das Unternehmen. Das lässt den Druck auf die HR-Abteilungen steigen, gleichzeitig aber steigt auch das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Veränderung in den Strukturen und Aufgaben. Wie aber ist es um die Personalarbeit bestellt, und wohin sollte der Weg führen, um zukunftsfähig zu bleiben?

Mögliche Gedankenanstöße brachte die Studie des Institutes für Managementkompetenz (imk) der Universität des Saarlandes "Kompetenz4HR: Befähigung, Befugnis und Rollenverständnis für die Personalabteilung in Österreich", die anlässlich des 4. Jahresforums für die Personalwirtschaft Power of People (PoP) diesen Donnerstag in Rust vorgestellt wurde. Sie zeichnet ein mehrschichtiges Meinungsbild über die Personalarbeit in Österreichs Unternehmen, so wie es intern wie extern reflektiert wird, und leitet daraus mögliche Handlungsstränge ab. Befragt wurden Geschäftsführer, Personalisten, Mitarbeiter/Führungskräfte und "Externe" wie Berater sowie Mitglieder von Verbänden und Seminarleiter. In der Folge ein kleiner Ausschnitt: Ausgehend von der Doppeldeutigkeit des Begriffes "Kompetenz" – zum einen im Sinne von Befähigung ("können") und zum anderen im Sinne von Befugnis ("dürfen") – leiten die Studienautoren sowohl Ist-Zustand als auch Soll-Zustand der HR-Abteilungen grundsätzlich und in weiterer Folge auch Rollen für Personalisten ab, die zu beherrschen in Zukunft immanent sein werde. "Rollenklarheit" sei wichtiger Bestandteil der Personalarbeit.

Selbst- und Fremdbild, Aufgaben

Wobei hier das Selbstbild der Personaler und das Fremdbild auseinanderdriften: Grundsätzlich, so die Studie, sehe die Mehrheit aller Befragten die Personalabteilung als "Dienstleister" (67 Prozent), gefolgt von der Rolle als "Ansprechpartner für Tarif- und Sozialpartner" (51 Prozent), "Spezialist für Unternehmenskultur" (40 Prozent) und "Business Partner" (36 Prozent). Gruppenspezifisch aufgedröselt ergibt sich eine anderes Bild: Hier sehen sich 84 Prozent der Personalisten als "Dienstleister" – nur 36 Prozent der Mitarbeiter, 66 Prozent der Geschäftsführer und 50 Prozent der "Externen" sehen die Personalabteilung in dieser Rolle. Ganz ähnlich die Ergebnisse für die Rolle als "Business Partner": 18 Prozent der Mitarbeiter, 32 Prozent der Geschäftsführer und neun Prozent der "Externen" sehen die Personalisten in dieser Rolle, während sie selbst sich zu 53 Prozent so positioniert sehen (siehe dazu auch die Grafiken).

Die Wahrnehmung, aber auch die Erwartungshaltungen der einzelnen Gruppen und Veränderungswünsche an die Personalabteilung sind unterschiedlich. Der Blick in eine mögliche Zukunft ergebe laut Studie aus der Sicht

  • der Mitarbeiter eine Bewegung zum Unternehmenskultur-Spezialisten,
  • der Personaler eine notwendige Bewegung zum Wertschöpfungscenter,
  • der Geschäftsführer eine Bewegung zum strategischen Denker und Lenker und
  • der Berater und Mitglieder von Verbänden eine Bewegung zum Business-Partner.

Der Personalist müsse diese Rollen gleichermaßen einnehmen, zielgruppenspezifisch agieren können. Das bedeute den bewussten Umgang mit Kompetenzen im Sinne von Befähigung und Befugnis, die in entsprechende Rollen münden. Fazit: Alle Beteiligten wollen eine aktivere, strategischer Rolle der Perso_naler – mit mehr Entscheidungsgewalt und Methodenkompetenz. (Heidi Aichinger, Der Standard, Printausgabe 28./29.4.2007) 

  • Die Ist-Kompetenzen und die Soll-Kompetenzen.
    grafik: der standard

    Die Ist-Kompetenzen und die Soll-Kompetenzen.

Share if you care.