Dreiecksbeziehungen, Gewalt und Kriminalität

3. April 2008, 10:55
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Wettbewerb bietet interessante Stoffe - Umbrüche und Aufbrüche in den Arbeitswelten

Linz - Menschen am Rande der Gesellschaft, Beziehungen mit einer Dreierkonstellation und schließlich Liebesbeziehungen im Umfeld des Gefängnisses - alles Themen, die sich am Donnerstag in den Wettbewerbsfilmen des Linzer Filmfestivals Crossing Europe fanden. Anderen Umbrüchen und Aufbrüchen widmen sich die Arbeitswelten, eine weitere Schiene des Festivals. Bei vielen der Vorstellungen waren die Filmemacher anwesend.

"Die Inspiration zu diesem Film kam mir, als ich einen Freund im Gefängnis besuchte. Er hatte eine Frau, und ich fragte mich, wie können sie ihre Beziehung aufrechterhalten, wie gehen sie mit dem Begehren, der Liebe um", erklärte der französische Regisseur Jean-Pascal Hattu über seinen ersten abendfüllenden Spielfilm und Wettbewerbsbeitrag "7 Ans/ 7 Years" (F 2006). Vincent (Bruno Todeschini) muss für sieben Jahre ins Gefängnis, seine Frau Maite (Valerie Donzelli) darf er bei Besuchen nur die Hand geben. Für Maite wird Vincents Haft zunehmend zur Qual. Um ihr näher zu sein, inszeniert Vincent seinen Gefängniswärter als Liebhaber seiner Frau, ohne dass sie zunächst ahnt, in welches Beziehungsgeschehen sie geraten ist. " 7 Ans/ 7 Years", der eine genaue und sensible Studie über enttäuschte Liebe und Hoffnungen ist, wird der Verleih Polyfilm regulär in die Kinos bringen. Der genaue Starttermin steht noch nicht fest.

Die Haft bereits hinter sich gelassen hat der Vater der 14-jährigen Stevie (Ceci Schmitz-Chuh), die Hauptfigur in Pia Marais' Streifen "Die Unerzogenen/The Unpolished" (D 2007), der ebenfalls im Wettbewerb läuft. Ihre Eltern sind Stevie zu verrückt. Als die Familie mit anderen Hippies aufs Land zieht, hofft sie auf ein geregeltes und harmonisches Leben. Doch der Vater kann die Drogengeschäfte nicht lassen, für die anderen Kinder im Ort ist sie ein Außenseiter. Sie sucht nach Möglichkeiten, um von ihren Eltern loszukommen. Stevies erste große Liebe ist der ca. 40-jährige Freund der Familie, gespielt von Georg Friedrich. Der Wettbewerbsbeitrag überzeugt mit einer genauen Studie über eine Hippiefamilie, die alles andere als harmonisch ist.

Besonders glücklich ist auch die Hauptfigur in Marina Spadas Film "Come l'ombra/As the shadow" nicht. Mailand in der Sommerhitze ist der Schauplatz, an dem sich die Wege der Reisebüroarbeiterin Claudia und des Russischlehrers Boris kreuzen. Endlich scheint etwas Leben in Claudias tristen Alltag zu kommen. Doch plötzlich soll sie Boris' Cousine Olga aus Kiew bei sich beherbergen. Kurz danach verschwindet Boris und schließlich auch Olga. Marina Spada löst das Rätsel um Boris nie ganz auf, bringt aber die Thematik der möglichen Schlepperbanden aus dem Osten nur peripher ins Spiel.

"Z odzysku/Retrieval" (PL 2006) von Slawomir Fabicki beschreibt sehr anschaulich, wie ein junger Mann in den Sog der polnischen Mafia gerät. Der 19-jährige Wojtek lebt in einer kleinen Stadt in Südpolen. Beruflich gibt es dort wenig Arbeitschancen, er muss sich entscheiden: Wird er weiter in einer kleinen Zementfabrik arbeiten oder mit dubiosen Methoden ein besseres Leben führen ? Um seiner Freundin und ihrem Sohn, die fremd in Polen sind, etwas zu bieten, wird er die rechte Hand des hiesigen Mafiabosses. Regisseur Fabicki beschreibt das Dilemma eines ursprünglich sensiblen Mannes.

Abseits des Wettbewerbes widmet sich Crossing Europe etwa der Mobilisierung und Flexibilisierung wie in der Rubrik Arbeitswelten. "Losers and Winners" (D 2006) von Ulrike Franken und Michael Loeken zeigt zum Beispiel einen Demontageprozess, bei dem auch noch zwei Arbeitskulturen aufeinander prallen. (APA)

  • "7 Ans/ 7 Years" (F 2006), Regie: Jean-Pascal Hattu
    foto: festival

    "7 Ans/ 7 Years" (F 2006), Regie: Jean-Pascal Hattu

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