Privatanleger machen Bank Austria Zoff

31. Juli 2000, 17:42

Kleinaktionäre ziehen gegen 1:1-Umtausch in HypoVereinsbank-Aktien vor Gericht


Karin Bauer

Wien - Bank-Austria-General Gerhard Randa steht bei der kommenden Hauptversammlung am 27. September zur Fusion mit der HypoVereinsbank Widerstand der Kleinaktionäre bevor. Sie wollen mehr Geld.

Auch wenn die Fusion vermutlich mit den notwendigen 75 Prozent Zustimmung durchgehen wird, eine Minderheit der Kleinanleger beschreitet den Gerichtsweg.

"Es geht nicht, dass dieser Deal still und heimlich in der Urlaubszeit über die Bühne geht", sagt Wilhelm Rasinger, Präsident des Anlegerverbandes IVA, und will für die Kleinaktionäre in jedem Fall mehr herausholen. Die dafür laut Aktienrecht notwendigen Aktien im Ausmaß von 10.000 Stück in Bank Austria hat er bereits gesammelt. Gleichzeitig trommelt der IVA derzeit alle erreichbaren Kleinaktionäre zum Erscheinen bei der Hauptversammlung herbei.

Bis jetzt ist vorgesehen, dass die BA-Kleinaktionäre im ersten Quartal 2001 ihre Papiere im Verhältnis 1:1 in HypoVereinsbank-Aktien tauschen können. Der Wert dieses Angebots hängt vom Kurs der HVB-Aktie zu diesem Zeitpunkt ab.

Seit der Bekanntgabe des Deals ist die HVB um fast acht Prozent gefallen und notiert nur noch um drei Euro über dem BA-Kurs von etwa 60 Euro. Damit sind die beiden Banken aber an der Börse noch immer sehr unterschiedlich bewertet: Das Kurs-Gewinn- Verhältnis (KGV, vergleicht den Gewinn eines Unternehmens mit dessen Kursbewertung an der Börse) der HVB liegt bei fast 18, das der BA bei rund 13. Die Österreicher liegen damit sehr deutlich unter der durchschnittlichen europäischen Bankenbewertung.

Rasinger wird mit seinem Nominale-Paket den Rechtsweg einer gerichtlichen Überprüfung der Unternehmensbewertung nach dem Aktiengesetz beschreiten und hat das Ziel: "mindestens das 1,2- bis 1,5-fache des Bank-Austria- Kurses als Barabfindung zu erreichen". Gerechnet zum gegenwärtigen Kurs wären das zwischen 70 und 90 Euro je BA-Aktie. "Das angebotene Tauschverhältnis ist einfach nicht fair." Die Kleinanlegervertreter argumentieren dabei mit dem höheren Eigenkapitalanteil bei den Bank-Austria-Aktien und den viel höheren stillen Reserven (in den Unternehmensbeteiligungen Wienerberger, Lenzing, Semperit), was auch deutsche Analysten in der Vorwoche veranlasst hat, der HVB zum Deal zu applaudieren.

Schon bei Steyr und bei Leykam hatten sich diese Aktionärsgruppen (erfolgreich) für mehr Geld engagiert. Ob im Fall der BA die Variante Leykam, also Einigung mit den Kleinaktionären ohne langen Gerichtsweg, oder das Modell Steyr mit dem Instanzenweg bevorsteht, wird die Hauptversammlung zeigen.

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