Im Prater blüht der "Wickel"

27. Juni 2007, 15:18
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Im Mai werden die Bauten am Eingang zum Wurstelprater abgerissen - doch die Pläne für die Neugestaltung sorgen für heftige Aufregung

Wien - Eine Portion Belvedere, gemischt mit Schönbrunner Flair und einem Spritzer Disneyland - so präsentierten sich die neuesten Entwürfe für die Neugestaltung des Riesenradplatzes im Wiener Prater. Der Planungsbeirat, dem diese Pläne vorgelegt wurden, hatte sie umgehend kritisiert.

"Wie in Florida"

Schlicht "skandalös" findet Sabine Gretner, Planungssprecherin der Wiener Grünen, die Entwürfe einer Firma für Entertainment-Vermarktung. "Jeder, der dorthin kommt, wird enttäuscht sein, weil es aussieht wie in Florida." Der Grundriss für den neuen Riesenradplatz zeige eine Gebäudefront, die den Wurstelprater eher abschotte, anstatt eine einladende Eingangszone darzustellen, kritisiert Gretner. "Das hat mit den Plänen von Praterplaner Mongon, der für 16.000 Euro ein Modell für den Riesenradplatz entwickelt hat, wenig zu tun."

Dass entlang der Ausstellungsstraße ein großes Casino sowie eine Diskothek eingezeichnet waren, "widerspricht allen Grundsätzen, den Prater familienfreundlicher zu machen, die Casinos in die hinteren Randzonen zu versetzen und an der Ausstellungsstraße aus Rücksicht auf die Anrainer ein ruhigeres Angebot einzurichten." Sie habe den Eindruck, dass die zuständige Stadträtin Grete Laska (SP) mit den Planungen "nicht mehr zu Rande kommt" und fordert, dass die weiteren Vorbereitungen von den Planungsabteilungen der Stadt erledigt werden sollen.

"Das, was hier an die Öffentlichkeit getragen wurde, ist Work in Progress", reagiert Vizebürgermeisterin Grete Laska im Standard-Gespräch.

Großer Zeitdruck

"Wir sind in großem Zeitdruck, da der Vorplatz noch im Mai 2008 fertig werden soll - also vor der Fußball-EM." Der Planungsbeirat sei lediglich über einen Zwischenstand der Planungen informiert worden, "die zum heutigen Tag bereits wieder ganz anders aussehen. Sowohl die Inhalte, wie auch die äußere Erscheinung werden sich noch ändern."

So sei etwa das Casino bereits nicht mehr an diesem Standort vorgesehen und auch der Zugangsbereich sei inzwischen breiter geworden "und nicht mehr so abgeschlossen, wie auf dem Plan". Auch werde man "sicher die eine oder andere gute Anregung vom Planungsbeirat noch aufnehmen", versichert Laska. Die endgültigen Pläne für das neue Entree zum Wurstelprater sollen dann erst vor dem Sommer präsentiert werden.

Inhalte "sind drinnen"

Gretners Kritik, dass die nun bekannt gewordenen Pläne nichts mehr mit Mongons Konzept zu tun hätten, weist Laska zurück. Mongon habe sehr wohl vorgeschlagen, Casinos an Randbereichen zu platzieren und am Vorplatz Service-Einrichtungen, Informationsstellen und Schließfächer zu platzieren - und genau das sei auch vorgesehen. "Das Mongon-Modell ist aus dem Jahr 2004 und ein exemplarischer Vorschlag, wie es aussehen könnte. Ob die Gebäude dann tatsächlich 1:1 so aussehen werden, ist nicht die Frage. Es geht um Inhalte - und die sind drinnen." (Roman David-Freihsl, Karin Krichmayr, DER STANDARD Printausgabe, 27.4.2007)

  • Die Entwürfe für den Pratervorplatz, die dem Planungsbeirat vorgelegt wurden - und heftig kritisiert wurden. Laut Stadträtin Grete Laska sind diese Pläne bereits nicht mehr Stand der Dinge. Im Frühjahr soll daran noch gefeilt werden

    Die Entwürfe für den Pratervorplatz, die dem Planungsbeirat vorgelegt wurden - und heftig kritisiert wurden. Laut Stadträtin Grete Laska sind diese Pläne bereits nicht mehr Stand der Dinge. Im Frühjahr soll daran noch gefeilt werden

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