"Die Frauen wären interessant"

26. April 2007, 19:24
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Schweißer(innen), Dreher(innen) und Fräser(innen) rar - Man hofft auf neue Lehrlingszielgruppen, nur weiblichen Nachwuchs gibt es nicht

Von der ab 1. Mai geltenden Facharbeiterverordnung erwartet sich der Verband der Maschinen- und Metallwarenindustrie keine Mangelbehebung, denn auch in den neuen EU-Ländern sind Schweißer, Dreher und Fräser rar. Man hofft auf neue Lehrlingszielgruppen.


Wien - "Leider müssen wir Ihnen mitteilen", schreibt der österreichische Handelsdelegierte in Bukarest, Walter Friedl, am 12. April in einem Brief an ein heimisches Metallwarenunternehmen, "dass in Rumänien aufgrund des starken Wirtschaftswachstums fast Vollbeschäftigung herrscht. Auch hier werden dringend Schweißer gesucht. Rumänische Schweißer, die im Ausland tätig sind (z. B. Spanien, Italien) werden mit Rückholaktionen der Regierung bereits angeworben. Uns sind also keine Vermittler von rumänischen Fachkräften bekannt. Freundliche Grüße ..."

Die Verordnung von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, die ab 1. Mai für 800 SchweißerInnen, DreherInnen und FräserInnen aus den neuen EU-Ländern die befristete Anstellung in Österreich per Ausnahme von den Übergangsbestimmungen ermöglicht, sei "zu spät" gekommen, sagt Berndt-Thomas Krafft, Geschäftsführer des Fachverbandes der Maschinen- und Metallwarenindustrie. Skandinavien habe etwa in der Anwerbung der Fachleute "sehr rasch reagiert", Menschen gingen unter anderem dorthin arbeiten, "wo ihre Freunde schon sind".

Die angekündigten zusätzlichen Qualifizierungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice (AMS) seien laut Krafft allenfalls "ein Tropfen auf dem heißen Stein".

Keine körperbetonte Arbeit mehr

Die Branche müsste sich "anderen Personenkreisen" bei der Lehrlingsrekrutierung widmen, "vor allem die Frauen wären für uns interessant". Nur fände man keine, obwohl "es in unseren Mitgliedsfirmen keine körperbetonte Arbeit mehr gibt". Man müsste heutzutage - etwa als MechatronikerInnen oder als ZerspanungstechnikerInnen (Fräser, Dreher) vor allem Hightech-Maschinen bedienen können.

Ein weiteres Problem der Branche sei, dass die Ausbildungsbetriebe sich vor allem in der Peripherie befinden und dass Jugendliche aus Ballungsräumen den Weg dorthin nicht auf sich nehmen wollten.

Den Vorwurf der Gewerkschaft, dass die Industrie zu wenig ausgebildet und den aktuellen Mangel mit verursacht hätte, weist Verbands-Obmann Clemens Malina-Altzinger (Reformwerke Bauer) zurück: "Die Maschinen- und Metallwarenindustrie bildet 40 Prozent aller Industrielehrlinge aus, bei 25 Prozent der Industriebeschäftigten - die Tendenz ist weiter steigend." (Leo Szemeliker/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.4. 2007)

  • Um sein Image bei jungen Leuten zu verbessern, verteilte der Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie unlängst einen "Foto-Roman" mit "Nina" und "Max".
    foto: standard/wko/l. beck
    Um sein Image bei jungen Leuten zu verbessern, verteilte der Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie unlängst einen "Foto-Roman" mit "Nina" und "Max".
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