91 Prozent der Hinrichtungen in sechs Staaten vollstreckt - Irak seit Wiedereinführung 2004 auf Platz vier vorgerückt
Rom/Wien - Die Zahl der Hinrichtungen auf der ganzen Welt
ist von 2148 im Jahr 2005 auf 1591 im Jahr 2006 zurückgegangen. Dies
geht aus der jährlichen Todesstrafen-Statistik hervor, die
amnesty
international (ai) am Freitag, bei einer Pressekonferenz in Rom
vorgestellt hat. "Eine Welt ohne Todesstrafe ist möglich, wenn
diejenigen Regierungen, die eine Vorreiterrolle spielen, den Weg
weisen", so Heinz Patzelt, Generalsekretär von ai-Österreich, laut
einer ai-Aussendung.
"Nur 6 Staaten waren für 91 Prozent aller im Jahr 2006
durchgeführten Hinrichtungen verantwortlich: China, Iran, Pakistan,
Irak, Sudan und die USA. Dieser harte Kern der Hinrichtungs-Staaten
ist isoliert und handelt völlig gegen den globalen Trend", so
Patzelt. Laut ai-Aussendung hatten 1977 erst 16 Staaten die
Todesstrafe für alle Verbrechen abgeschafft.
30 Jahre später nimmt
die Zahl derjenigen Staaten, die die Todesstrafe abgeschafft haben,
immer noch stetig zu. Das habe zu einer weltweiten Dynamik für deren
endgültigen Abschaffung geführt: "Als bisher letzter von 99 Staaten
haben 2006 die Philippinen die Todesstrafe für gewöhnliche
Verbrechen abgeschafft. Zahlreiche weitere Länder, wie Südkorea,
stehen kurz vor diesem Schritt."
Irak auf Platz vier
Der Irak stieg 2006 in den Kreis derjenigen Staaten auf, die die
meisten Hinrichtungen durchführen, schreibt amnesty weiter: "Die
Anwendung der Todesstrafe hat nach ihrer Wiedereinführung Mitte 2004
stark zugenommen. Seither wurden mehr als 270 Menschen zum Tode
verurteilt, mindestens 100 Hinrichtungen wurden vollstreckt.
2006
richtete sich die weltweite Aufmerksamkeit auf die per Handy gefilmte
Hinrichtung von Saddam Hussein im Dezember. Dabei ging völlig unter,
dass die Zahl der Exekutionen im Irak im Laufe des Jahres dramatisch
zugenommen hat: Mehr als 65 Personen wurden gehängt, darunter
mindestens 2 Frauen".
Iran richtete 177 Personen hin
Im Iran habe sich die Zahl der Exekutionen im Vergleich zu 2005
nahezu verdoppelt: Mindestens 177 Personen wurden 2006
hingerichtet. Mit mindestens 82 Hinrichtungen im Jahr 2006 sei auch
Pakistan in den Kreis der Staaten mit den meisten Exekutionen
zurückgekehrt. Im Sudan wurden mindestens 65 Personen hingerichtet,
wobei die wirkliche Zahl weit höher liegen dürfte. In 12
Bundesstaaten der USA wurde das Todesurteil an 53 Personen
vollstreckt. Iran und Pakistan seien die beiden einzigen Staaten, in
denen 2006 " unter Verletzung internationalen Rechts - jugendliche
Straftäter hingerichtet wurden. Der Iran hat 4, Pakistan einen
Jugendlichen exekutiert.
China sei nach wie vor das Land, in dem die meisten Hinrichtungen
vollstreckt werden. amnesty international hat für 2006 über 1000
Exekutionen registriert. Die Zahlen über die Vollstreckung der
Todesstrafe sind in China ein Staatsgeheimnis. Es sei davon
auszugehen, dass in Wirklichkeit in China gegen 8000 Hinrichtungen
durchgeführt worden sind. (APA)