Der Luxushüter

5. Juli 2007, 18:15
posten

Er war der Skipper des legendären Baron Bich und gilt als Miterfinder des Louis Vuitton Cups: Bruno Troublé, der Doye der America's-Cup-Szene

der Standard: Wann standen Sie zuletzt am Steuer einer America's Cup Yacht?

Bruno Troublé: Das war 2003, nachdem die Alinghi die Ziellinie als Sieger des Cups vor Auckland hinter sich ließ. Champion Russel Coutts fragte mich, ob ich das Boot steuern würde, damit man ein Foto von der Crew am Mast machen konnte. Ich hatte zehn ziemlich große Champagnerflaschen dabei. Es war ein Heidenspaß und ein großer Moment.

der Standard: Worin besteht der große Unterschied der Kampagne von 2007 und der Zeit, als Sie noch Skipper beim Cup waren, also vor mehr als 20 Jahren?

Bruno Troublé: Nun, wir betrieben das damals noch als eine Art Hobby, wir waren ja keine Profis. In Valencia haben wir 1000 Profis, die ihre Arbeit als Vollzeitjob machen.

der Standard: Wer wird den Cup gewinnen?

Bruno Troublé: Bei dieser Frage liege ich immer falsch.

der Standard: Anders gefragt: Wer soll ihn gewinnen?

Bruno Troublé: Es gibt natürlich verschiedene Möglichkeiten. Der Sportsmann wird sich wünschen, dass ihn die Kiwis zurückholen, um die Schmach von 2003 wieder gutzumachen. Für den Cup selbst wäre es ein Traum, wenn ihn die Italiener gewinnen würden, denn ein Austragungsort in Italien wäre einfach wunderbar. Nachdem, was der Titelverteidiger Alinghi so drauf hat, ist natürlich das Team aus der Schweiz der große Favorit.

der Standard: Wie viel Zeit verbringen Sie in Valencia?

Bruno Troublé: Während der vergangenen beiden Jahre war ich jeweils einen Tag pro Woche in Valencia, und jetzt bin ich natürlich dauernd hier.

der Standard: Und was ist Ihr Job?

Bruno Troublé: Louis Vuitton ist der Hauptpartner des America's Cup. Wir sind in verschiedenen Komitees betreffend Marketing, TV etc. sehr aktiv und haben eine Menge zu tun. Es steckt ja auch seitens Louis Vuitton sehr viel Geld drin.

der Standard: Von wie viel Geld sprechen wir?

Bruno Troublé: Wir nennen keine Zahlen, aber das Budget entspricht ungefähr jenem eines mittleren America's Cup Teams. (Anm. d. Red.: Das Budget vom Team BMW Oracle wird auf 150 Millionen, jenes des chinesischen Teams auf 20 Millionen Euro geschätzt, siehe Überblick von Ingo Petz)

der Standard: Wie kam es eigentlich zur Erfindung des Louis Vuitton Cups, also der Ausscheidung, die den Herausforderer des America's-Cup- Verteidigers ermittelt?

Bruno Troublé: Bis 1983, nach mehr als 130 Jahren Cup-Geschichte, als die Idee zum Louis Vuitton Cup geboren wurde, gab es keine Sponsoren im America's Cup. Durch das Sponsorship wurde das ganze Event natürlich zugänglicher und sportlich interessanter.

der Standard: Und dennoch versteht sich Louis Vuitton nicht als klassischer Sponsor.

Bruno Troublé: Louis Vuitton engagiert sich weniger für den Sport an sich. Die Motivation liegt vor allem darin begründet, dass der Cup ein Riesenevent in vielerlei Hinsicht ist. Da ist die enorme technische Entwicklung, dann sind eine Menge interessanter Leute dabei, und auch der geopolitische Aspekt des Cups ist sehr interessant. Und diese Dinge existierten schon lange, bevor sich Ähnliches bei Tennis oder Golf etablierte. Außerdem ist Louis Vuitton ungefähr gleich alt wie der Cup. Es gibt einfach eine Menge "Links" zwischen dem Event und dem Unternehmen Louis Vuitton.

der Standard: In welche Richtung entwickelt sich der Cup wirtschaftlich?

Bruno Troublé: Ich denke, in Sachen Kommerzialisierung kann es gar nicht mehr viel weiter vorangehen. Der America's Cup ist ein einzigartiges Event. Es gibt keine vergleichbare Veranstaltung, unter deren Dach sich so viele gute Luxusmarken versammeln, die auf ein derartiges mediales Echo verweisen kann. Klar kann man als Luxusmarke in Polo investieren, aber man wird nichts darüber in der Presse finden. Riskant wird es, wenn sich ein Team mit einem Sponsor aus dem, sagen wir, Katzenfutterbereich zusammentut. So etwas könnte die Luxusmarken vertreiben und aus dem America's Cup eines von vielen Sport- Events machen.

der Standard: Es gibt Personen in der Szene, die den Cup statt alle vier Jahre, alle zwei Jahre veranstalten wollen, was vielleicht auch für Sponsoren und Medien interessanter wäre.

Bruno Troublé: Daran glaub ich nicht. Es gab dieselbe Diskussion rund um die Olympischen Spiele. Ich glaube, wenn sie diese jedes Jahr veranstalten, so sind das nicht mehr die Olympischen Spiele.

der Standard: Wie würden Sie dem nicht so segelbegeisterten Österreicher die Anziehungskraft des America's Cup beschreiben?

Bruno Troublé: Ach, ihr habt doch sehr gute Segler, vor allem, wenn die Windverhältnisse eher schwach sind. Zur Faszination des Cups möcht ich noch einmal sagen, dass es ganz einfach nicht nur um ein Sportevent geht. Mit diesem Ereignis sind so viele Geschichten aus 150 Jahren verbunden. Der America's Cup hat auch immer wieder eine Menge interessante Persönlichkeiten angelockt. Denken Sie nur an Ted Turner, Peter Blake oder Sir Thomas Lipton (siehe Porträt).
(Michael Hausenblas/Der Standard/Rondo/27.4.2007)

  • Bruno Troublé stand 1977, 1980 und 1983 am Steuer der französischen
America’s Cup Yacht.
    foto: carlo borlenghi/acm

    Bruno Troublé stand 1977, 1980 und 1983 am Steuer der französischen America’s Cup Yacht.

Share if you care.