Cup der guten Hoffnung

5. Juli 2007, 18:15
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Tim Kröger ist einer der besten Segler Deutschlands und Boat-Captain auf der "Shosholoza". Michael Hausenblas traf ihn an Bord der Yacht in Valencia

der Standard: Wie erklären Sie dem Alpenmenschen den America’s Cup?

Tim Kröger: Es handelt sich um die älteste Trophäe der Welt, die seit 1851 vergeben wird. Der Bewerb hat den höchsten Stellenwert im Segelsport, und was Technologie und Sportler betrifft, kommt hier das Beste zusammen, was es gibt. Man könnte auch sagen, es ist die Formel 1 des Wassers.

der Standard: Und wie würden Sie einer Landratte den Ritt über die Wellen mit einer America’s-Cup-Yacht beschreiben?

Tim Kröger: Das kann man nicht in Worte fassen. Wahrscheinlich würde ein Nichtsegler irren Schiss bekommen, allein schon wegen der Geräusche, abgesehen vom Speed und der Kraft, die da spürbar werden.

der Standard: Könnten Sie sich ein österreichisches Team im America’s Cup vorstellen?

Tim Kröger: Klar, warum nicht. Es gibt ja gute Segler, ich denke da an den Roman Hagara zum Beispiel. Im Fall von Südafrika dachte auch niemand, dass die einmal ein Team beim Cup haben werden. Und die Schweizer haben ihn überhaupt gewonnen und wieder nach Europa gebracht. Man muss sich also nicht hinter den Alpen verstecken.

der Standard: Wie weit wird die „Shosholoza“ kommen?

Tim Kröger: Es wird ein sehr harter Kampf um Platz vier werden. Ich denke, dass Alinghi, Luna Rossa und die Neuseeländer vorn sein werden. Also jede Platzierung zwischen Rang fünf und sieben wäre ein großer Erfolg für das Team.

der Standard: Wie sehen Sie dem Ende des Cups entgegen? Fällt man nicht, nachdem sich alles jahrelang auf einen Zeitpunkt konzentriert und dann plötzlich alles vorbei ist, in ein Loch?

Tim Kröger: Das Rad soll sich weiterdrehen. Es gibt ja auch neue Herausforderungen, und Abstand muss sein. Wir arbeiten hier drei Jahre lang sehr intensiv. Man muss dann auch wieder einmal den Rasen daheim mähen.

der Standard: Wie sieht die Zukunft des Cups aus? Der Sieger bestimmt ja den Modus. Viele sagen, man sollte ihn anstatt alle vier mindestens alle zwei Jahre austragen.

Tim Kröger: Ja, wir sind da in einer sehr alten Regel gefangen. Idealerweise sollte er sich zu einer Art Grand-Prix-Event entwickeln. Da würde auch viel mehr Geld durch mehr Planbarkeit zu lukrieren sein.

der Standard: Stimmt es, dass die Mitglieder des Teams morgens Eisbäder nehmen?

Tim Kröger: Ja, wir haben da einen tollen Physiotherapeuten aus Südafrika, der uns sagt, wir sollen während der ganz anstrengenden Wettkampfphasen unsere Oberkörper oder noch mehr im eisigen Wasser baden. Das hilft super gegen Muskelkater.

der Standard: Wie erklären Sie sich den unglaublichen Sympathiewert Ihres Teams? Was den betrifft, dürften Sie eindeutig die Cup-Sieger sein.

Tim Kröger: Ach, das ist eine Mischung aus Unbefangenheit, dem Flair, das unser Team verbreitet, garniert mit einem Schuss Naivität. Aber die Jungs haben auch Biss entwickelt und wollen alle den Erfolg.

der Standard: Patriotismus spielt im America’s Cup wie in vielen Sportarten eine große Rolle, und doch sind die Crews oft ein wilder Mix aus Nationalitäten. Warum segeln Sie zum Beispiel nicht beim ebenfalls erstmals startenden deutschen Syndikat?

Tim Kröger: Bei uns sind schon fast 80 Prozent Südafrikaner an Bord. Ich würde sagen, jedes Team hat seinen eigenen Stallgeruch, und ich steh’ zu der bunten Fahne. Für Deutschland segle ich vielleicht bei einem anderen Cup. Als ich bei der „Shosholoza“ unterschrieb, war die deutsche Kampagne noch eine Powerpoint-Präsentation.

der Standard: Sie sind bei anderen Regatten rund um die Welt gesegelt. Eine Wettfahrt beim America’s Cup kann in 90 Minuten vorbei sein. Was ist außer der zeitlichen Differenz der Unterschied?

Tim Kröger: So ein „Race around the world“ hat natürlich hohen Abenteuercharakter, da muss man unter anderem den Sturm aushalten, das ist schon alles sehr faszinierend. Hier segeln wir sehr schnelle, intensive Regatten, das ist wie eine Art Schlagabtausch. Man könnte auch sagen, es ist eine Art Fabriksarbeit im Segelsport. Jeder Tag bringt knallharte Arbeit. Da ist auch ein gewisser Stoizismus nötig.
(Michael Hausenblas/Der Standard/Rondo/27.4.2007)

Tim Kröger (41) ist so genannter Boat Captain der „Shosholoza“, siegte unter anderem 1983 beim Admiral’s Cup auf Sabina, war Weltmeister der Mumm-36-Klasse (1995) und absolvierte zweimal das „Whitbread Round the World Race“ (zweiter und dritter Platz). Von 2001 bis 2003 war Kröger als Boat Captain und Mitglied des Segelteams für die französische America’s-Cup-Kampagne „Le Defí“ im Einsatz, erreichte mit der französischen Equipe das Viertelfinale im Louis-Vuitton-Cup, der Herausforderer-Runde zum 31. Cup-Duell. Anschließend nahm er als Wachführer und Stratege auf der damals größten deutschen Regattayacht „Uca“ an der „DaimlerChrysler North Atlantic Challenge“ teil. „Uca“ überquerte den Atlantik als schnellste Yacht. Im Delius Klasing Verlag erschien sein Buch „Abgerechnet wird im Ziel“. (maik/Der Standard/Rondo/27.4.2007)
  • Tim Kröger ist der Boat-Captain auf der "Shosholoza".
    foto: teamshosholoza.com

    Tim Kröger ist der Boat-Captain auf der "Shosholoza".

  • Tim Kröger
    foto: jacaranda marketing, sven böcking

    Tim Kröger

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