"Die Troerinnen"

28. April 2007, 10:00
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Euripides' Tragödie um Trojas Frauen, die auf den Trümmern der Stadt warten, als Kriegsbeute unter den siegreichen Griechen aufgeteilt zu werden, ist eines der großen europäischen Dramen zum Thema Krieg.
Schon zur Zeit des Euripides hatte das Stück eine unmissverständliche politische Botschaft: es verurteilt den Krieg als solchen und die imperiale Geste der Sieger im Besonderen. Die Regisseurin Aida Karic nimmt diese Spur auf und verknüpft die antike Tragödie mit uns weniger bekannten Ereignissen der jüngeren Geschichte: sie verlegt den Ort der Handlung nach Asien zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und erzählt das Schicksal junger koreanischer Frauen, sogenannter "Trostfrauen", die im von Japan besetzten Korea zwangsweise als Prostituierte für die japanischen Bordelle "rekrutiert" wurden.

Mit fünf koreanischen Schauspielerinnen, einer Pansori-Sängerin und drei MusikernInnen erarbeitet sie eine neue Fassung der antiken Tragödie. Die Szenen werden während der Proben nach den Motiven der griechischen Tragödie und unter Verwendung traditioneller koreanischer Tanz- und Musikelemente erarbeitet. Die Formensprache der traditionellen Pansori-Oper, verknüpft mit Zeugenberichten, Lebensgeschichten der ehemaligen Trostfrauen und Passagen des Originaltextes, werden in eine zeitgenössische, klare, musikalische Theatersprache übertragen, die jenseits von Kitsch und Pathos die Leidensgeschichte vergessener, stigmatisierter Frauen erzählt. (red)
Die Troerinnen - eine Geschichte aus Asien
Nach Euripides
Schauspielhaus
Vorstellungen 5.-16. Mai täglich außer Montag jeweils 20:00 Uhr

Sprache: Koreanisch mit deutschen Übertiteln
Konzept & Regie: Aida Karic
Dramaturgie & Übersetzung: Heejoon Lee
Komposition: Seung-Ah Oh
Choreografie: Samjin Kim
Bühne & Licht: Kurt Hentschläger
Kostüme: Aleksandra Kica
Dramaturgie-Mitarbeit: Wolfgang Stahl
Pansori-Sängerin: Sunsook Kang
Ensemble: Eungyung Baek, Yoojeong Byun, Gwangdeok Kim, Hyunsoon Lee, Kyunghee Mun
MusikerInnen: Yun Park, Jungmin Song, Hong Yoo
  • Artikelbild
    foto: schauspielhaus
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