Gedenksymbol für den Servitenplatz: Engagement stieß nicht immer auf Wohlwollen

8. April 2008, 23:43
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Kunststudenten entwickelten Schlüssel der Erinnerung - Seit 2003 Schicksalsforschung über 450 vertriebene Bewohner aller 24 Häuser

Wien – "Es gab keine Synagoge in der Servitengasse, keine Berühmtheit wurde dort geboren – es war einfach ein typisches jüdisches Wohngebiet, in dem das Zusammenleben sehr gut funktionierte. Bis Nachbarn zu Feinden wurden", schildert Peter Koppe, Obmann des Vereins "Servitengasse 1938" die Vergangenheit seiner Wohnadresse.

Seit 2003 erforschen Koppe und seine Nachbarn – ausgehend von einem Haus – die Lebensgeschichten und Schicksale der rund 450 vertriebenen und ermordeten jüdischen Bewohner aller 24 Häuser der Servitengasse. Wobei ihr Engagement nicht immer auf Wohlwollen gestoßen ist: Die Installierung einer Gedenktafel an der Hausmauer wurde vom Besitzer abgelehnt, die Tafel musste davor aufgestellt werden.

Für jede Person ein Schlüssel

Ab Oktober wird ein Gedenksymbol am Servitenplatz an alle jüdischen Opfer der Gasse erinnern. Dazu wurde in Zusammenarbeit mit der Universität für angewandte Kunst ein zweistufiger Wettbewerb durchgeführt, dessen Ergebnis am Mittwoch präsentiert wurde.

Realisiert wird das Siegerprojekt der 27-jährigen Julia Schulz: Eine wenige Zentimeter in den Boden eingelassene Glasvitrine, in der alte Schlüssel, versehen mit emaillierten Namensschildern, liegen. Für jede aus der Servitengasse vertriebene Person wird ein solcher "Schlüssel gegen das Vergessen" in der nächtlich beleuchteten Vitrine platziert, die durch Panzerglas auch vor Vandalen geschützt sein soll. "Wir haben von Anfang an Kontakt zu den Überlebenden gesucht, um die Daten und Fakten lebendig zu machen", erklärt Koppe die Motivation hinter dem aus einer Privatinitiative hervorgegangenen Projekt. "Viele der ehemaligen Bewohner sagen: ,Ich bin froh, dass es nun auch etwas Positives gibt, wenn ich an Wien denke.‘ Das ist unsere Belohnung." (Karin Krichmayr, DER STANDARD Printausgabe 26.4.2007)

  • Die Installierung einer Gedenktafel an der Hausmauer wurde vom Besitzer abgelehnt, die Tafel musste davor aufgestellt werden
    foto: servitengasse1938.at

    Die Installierung einer Gedenktafel an der Hausmauer wurde vom Besitzer abgelehnt, die Tafel musste davor aufgestellt werden

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