Sitzstreik vor Mühlviertler Amtsstube nach 41 Wochen beendet

30. April 2007, 09:23
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Jeden Morgen zog der 79-Jährige ins Gemeindeamt und blieb bis zum Ende der Amtszeit - um seinen großen Traum zu erfüllen

Franz Kornbichler hat einen Traum. Nach 41 Wochen Sitzstreik am Tragweiner Gemeindeamt ist er diesem jetzt einen Schritt näher gekommen und räumt seinen Protest-Sessel.

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Linz – "Ich bleib noch lange sitzen, von mir aus, bis ich tot vom Sessel kippe", hat Franz Kornbichler noch im September angekündigt. Seit Montag sitzt der 79-Jährige nicht mehr im Wartebereich des Gemeindeamtes von Tragwein. Tot vom Sessel gekippt ist der "Kornbüchi" aber nicht, seinen Sitzstreik vor der Mühlviertler Amtsstube hat er bei bester Gesundheit beendet.

Traum vom Museum

Unglaubliche 41 Wochen zog der 79-Jährige jeden Morgen gegen sieben Uhr früh mit seinen Protestschildern ins Gemeindeamt, okkupierte einen Sessel im Wartebereich und blieb bis zum Ende der Amtszeit. Alles nur um sich seinen großen Traum zu erfüllen: Ein eigenes "Museum der Antriebskräfte".

Motorensammler

Der alte Mann sammelt leidenschaftlich Motoren von Landmaschinen und will diese mittels einer rund 1000 Quadratmeter großen Ausstellungshalle im Ortszentrum ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Die Gemeinde selbst hätte nichts gegen ein Museum, stößt sich aber an den architektonischen Vorstellungen von Herrn Kornbichler. Man verweigerte ihm daher eine Umwidmung des geplanten Museumsgrundstückes. Seit gut zehn Jahren schwelt der Streit und trotz zahlreicher Vermittlungsversuche zeigte sich der 79-Jährige nicht kompromissbereit, sondern belagerte lieber das Gemeindeamt.

Sponsorensuche

Jetzt griff Bürgermeister Josef Naderer (ÖVP) tief in Justitias Trickkiste. Man klagte den Sitzstreikenden auf Unterlassung. "Den Streitwert haben wir bewusst mit 5000 Euro sehr hoch angesetzt, damit Herr Kornbichler einen Rechtsvertreter braucht", so Naderer. In einem Gespräch zwischen Bürgermeister, Kornbichler und zwei Anwälten konnte am Montag ein Kompromiss erreicht werden.

Franz Kornbichler zieht aus dem Gemeindeamt ab und hat jetzt drei Monate Zeit für seinen Museums-Bau ortsbildtaugliche Baupläne, Finanzierungskonzepte sowie Sponsoren aufzustellen. Umgekehrt habe die Gemeinde Tragwein das Gerichtsverfahren ruhend gestellt und dem "Kornbüchi" die "Einleitung einer Widmung" versprochen, sagt Bürgermeister Josef Naderer. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 26.4.2007)

  • Franz Kornbichler hat seine Protest-Taferl eingepackt und zeigt sich wieder gesprächig
    foto: standard rohrhofer

    Franz Kornbichler hat seine Protest-Taferl eingepackt und zeigt sich wieder gesprächig

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