Oberösterreich für Versuch "5. Klasse Volksschule"

16. Juli 2007, 10:41
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Überspringen von 1. Klasse AHS oder Hauptschule möglich - Landesschulratspräsident: "Offenes modernes Konzept"

Linz - In die Diskussion um die Einführung der Gesamtschule hat der oberösterreichische Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer am Mittwoch einen zusätzlichen Beitrag eingebracht: Es werde ein Schulversuch "5. Klasse Volksschule" vorbereitet. Er sollte die Kinder besser auf die Anforderungen der weiterführenden Schulen vorbereiten.

Alter Vorschlag

Enzenhofer verwies darauf, dass der zuständige Landeshauptmann Josef Pühringer bereits im Vorjahr den Vorschlag für die Verlängerung der Volksschulzeit gemacht hatte. Angesichts der aktuellen Diskussion veröffentliche man das noch in Arbeit befindliche Konzept vorzeitig. In die 5. Klasse sollten entsprechende Teile des für die ersten Klassen geltenden Lehrplanes der AHS/HS eingearbeitet werden. Allerdings mit einer starken Begabungs- und Leistungsförderung nicht nur - wie in der HS - bei den Hauptfächern, sondern auch in anderen. Unterrichten sollten Pflichtschullehrer der Volksschule und der Hauptschule.

Überspringen erleichtern

Durchschnittlich begabten Kindern sollte das Überspringen von Klassen, das schon jetzt möglich ist, erleichtert werden. Das Überspringen der ersten Klasse werde nicht allen gelingen, aber auch derzeit würden nicht alle die erste Klasse Gymnasium schaffen oder in den besten Leistungsgruppen der Hauptschule sein. Aber Kindern, die länger brauchen, um die entsprechenden Lernziele und Reife zu erreichen, werde in der 5. Klasse Volksschule diese zusätzliche Zeit gewährt. Auch jene, deren Lernerfolg rascher voranschreite, würden von der besonderen Förderung profitieren. Das zusätzliche Jahr und die im Regierungsprogramm festgeschriebene Frühförderung würden zusammen sechs Jahre Basisbildung ergeben.

Schnelle Evaluierung

Das Projekt sollte wissenschaftlich begleitet werden. Der Versuch sei interessant, weil er nur ein Jahr dauere und damit rasch eine Evaluierung ermögliche. Die Vorgangsweise sei allerdings, dass sich eine Schule finde, deren Schulgemeinschaftsausschuss sich mit Zwei-Drittel-Mehrheit für den Versuch ausspreche. Dann müsse ihn das Kollegium des Landesschulrates befürworten und das Ministerium genehmigen.

Keine Gesamtschule

Wenn jemand sage, das sei auch eine Gesamtschule, dann kratze ihn das "wie wenn in China ein Fahrrad umfällt", sagte Enzenhofer. Es handle sich um ein "offenes modernes Konzept" im Gegensatz zur Gesamtschule. Das sei ein "Hightechgerät", das neben ein "altes Grammophon" gestellt werde. Dennoch gelte, was bereits Landeshauptmann Pühringer gesagt habe: Wenn ein Schulversuch zur Gesamtschule von den Betroffenen gewünscht werde, gebe es dagegen sicher keinen Einwand.

Der SPÖ-Klubobmann im Landtag Karl Frais stellte in einer Presseaussendung fest, gerade in Bildungsfragen seien handgestrickte Lösungen wie die Verlängerung der Volksschule um ein Jahr oder Quotenregelungen für Migrantenkinder nicht der richtige Weg. In Gesamtschulen würden durch den Entfall der vorzeitigen Selektion die Chancen der Kinder steigen. Sogar ÖVP-Bundesparteiobmann Wilhelm Molterer habe sich mit den Schulversuchen für die Gesamtschule abgefunden. Daher sollten auch Bildungsreferent Pühringer und Landesschulratspräsident Enzenhofer nicht durch hinhaltendes Blockieren auffallen, sondern sich aktiv für die notwendige Modernisierung des Bildungssystems einsetzen.

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