Milliarden-Poker um die Zukunft

31. Juli 2000, 13:22

Europa im UMTS-Fieber: Während die einen einen den Mobilfunkstandard der Zukunft feiern, zweifeln die anderen an der Massentauglichkeit der Breitband-Mobiltelefonie.

Der künftige Mobilfunkstandard Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) soll ab Ende 2002 das Handy zum wandelnden Alleskönner machen. Schneller Internet-Zugang, Videkonferenzen, Kontostandabfrage, Online-Reisebuchung oder einfach nur weltweit in bester Sprachqualität telefonieren - der künftigen Übertragungstechnik gelten alle Hoffnungen der boomenden Telekom-Branche. Experten bezweiflen indes, dass sich die Milliardeninvestitionen in den neuen Standard bald rechnen werden.

Bevor UMTS an den Start gehen kann, müssen die Firmen eine Reihe von Vorleistungen erbringen: Sie müssen sich für viel Geld Lizenzen sichern und dann - nicht minder teuere - Netzstrukturen aufbauen. In Deutschland startete der Milliarden-Poker um die begehrten Lizenzen am Montag. Über die Höhe der Einnahmen schwanken die Prognosen der Branchenanalysten stark - Zwischen 141 und 985 Milliarden Schilling soll das Roulette um die deutschen Lizenzen bringen. (In Großbritiannien wurden rund 500 Mill. S, in den Niederlanden rund 35 Mill. S. lukriert.)

In Österreich, wo das Steigern um die Lizenzen im November starten soll, werden Mindesteinnahmen von 10,15 Milliarden Schilling erwartet.

Große Chance

Für die Telekommunikationsunternehmen bedeutet UMTS eine große Chance - sie können größere Teile der Wertschöpfungskette an sich ziehen und so die Bedrohung durch den starken Wettbewerb und die Regulierung ausgleichen.

Zweifel

Die neue Technologie birgt jedoch auch eine Reihe von Risiken: Die Technik ist noch kaum erprobt. Auch bezweifeln Experten die Massentauglichkeit des neuen Standards. Nach einer Studie von Forrester Research werden die Anwendungen der Breitband-Mobiltelefonie zunächst nur von einem kleinen Bevölkerungsanteil genutzt werden. "M-Commerce", so die Experten, sei nur in sehr begrenztem Rahmen möglich. So sei es kaum vorstellbar, dass Nutzer in ihren mobilen Mini-Displays hunderte CD- oder Buch-Titel durchforsten. Der Computerbildschirm sei dazu weit besser geeignet.

Frühesten 2009 könnten die großen Anbieter mit schwarzen Zahlen rechnen. Kleinere Mitbewerber, so die Einschätzung der Experten, müssten sich bis nach 2010 gedulden. (red)

Links

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