Keine Mehrheit für Russen, auch Raiffeisen bleibt Aktionär

4. Juni 2007, 15:30
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Die Raiffeisen Holding Niederösterreich Wien denkt nicht "an einen totalen Ausstieg"

Wien - Die Raiffeisen Holding Niederösterreich Wien - zu gut 70 Prozent im Besitz der niederösterreichischen Raiffeisenbanken - wird auch nach dem bevorstehenden zweimaligen Abbau ihres bisher 25-prozentigen Aktienpakets an dem Bauriesen Strabag beteiligt bleiben. "An einen totalen Ausstieg ist nicht gedacht". Das erklärte am Mittwoch Peter Püspök, Chef der RLB NÖ-Wien und Sprecher der niederösterreichischen Raiffeisenbanken, vor Journalisten.

Unmittelbar davor hatte die Strabag den paktierten 30-prozentigen Einstieg des russischen Oligarchen Oleg Deripaska offiziell bekannt gegeben.

Die Raiffeisen Holding NÖ Wien als Altaktionär der Strabag fällt jetzt durch den (via Kapitalerhöhung) fixierten Einstieg von Deripaska zurück, verkauft jetzt aber auch Altaktien an den russischen Investor. Wenn die Strabag wie geplant im Herbst an die Börse geht, wird die Holding sich weiter verwässern lassen, also ihren Anteil weiter abbauen. Strabag war bisher die größte Industriebeteiligung der Raiffeisen Holding.

Die Nacht auf heute war hektisch bei Strabag und Holding. Lange wurde mit dem Russen verhandelt, erst gestern um 17 Uhr langte die für den Einstieg erforderliche Bankgarantie ein. Damit war klar, dass Teile an den russischen Investor verkauft werden, sonst wäre es aktuell jetzt beim Börsegang im Mai geblieben.

Deal noch nicht im Detail bekannt

Püspök erklärte heute bei seiner Jahrespressekonferenz, dass er persönlich den Deal mit Deripaska noch nicht im Detail kenne. Dass der russische Großindustrielle nach der Mehrheit am Baukonzern greifen wolle oder sich irgendwann eine Totalübernahme abzeichnen könnte, bezweifelt Püspök: "Das glaube ich persönlich nicht. Wäre ich Deripaska, wäre ich froh, wenn die Unternehmensführung in westlicher Hand bleibt". Der russische Investor kaufe sich mit seinem Strabag-Anteil "westliches Know how".

Im übrigen sei es bei der strategischen Entscheidung der Strabag "nicht ums Geld" gegangen, "sondern dass durch Deripaska der russische Markt geöffnet wird", sagt Püspök.

Dass so kurzfristig - am Tag vor Bekanntgabe der Preiskonditionen für den lang vorbereiteten Strabag-Börsegang - eine so große Emission wie die der Strabag überraschend verschoben wird, ist nicht alltäglich, wie auch Püspök zugibt. Aber "verständlich", wenn es um derartige neue Dimensionen gehe. Ginge es um "Kinkerlitzchen", dann wäre dies sicher unprofessionell.

Laut Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner übernimmt Deripaska im Zug einer Kapitalerhöhung 25 Mio. junge Aktien zum Kurs von 42 Euro. Dazu kommen 3,5 Mio. alte Aktien von den bisherigen Eigentümern zu etwa dem gleichen Kurs, wie Haselsteiner erläuterte. Das wären 28,5 Mio. Aktien oder 30 Prozent.

Russischer Einstieg bringt Uniqa viel Geld

Eine heimische Aktienhändlerin führt die Kursgewinne von zwischenzeitlich bis zu 2,9 Prozent bei Uniqa-Aktien am Mittwoch in Verlauf auf die Übernahme von 30 Prozent an´der Strabag durch Deripaska zurück. "Das bringt der Uniqa viel Geld", sagte die Händlerin. Vom Konzern selbst wird das zusätzliche buchmäßige Ergebnispotenzial mit 140 Mio. Euro beziffert.

"Es ist sicher, dass Uniqa heute von den Strabag-Neuigkeiten profitieren", so die Händlerin. Die Aktien des Versicherers hätten im Anschluss einen Schub nach oben bekommen. Erste Bank-Analyst Christoph Schultes sprach von einer "eindeutigen Reaktion des Marktes". Auch die Liquidität der Titel habe den Experten zufolge kräftig angezogen. Schultes sprach von "gewaltigen Umsätzen". Es seien ganz große Käufer bei der UNIQA im Markt. Bis gegen 12:45 Uhr wurden an der Wiener Börse in mehr als elf Millionen Euro (Doppelzählung) in Uniqa-Papieren gehandelt. Die Aktie stieg um 1,89 Prozent auf 28,0 Euro.

Langfristig ändere sich durch den Deripaska-Einstieg jedoch nichts an der Bewertung der Uniqa-Aktien. Die einmalige Kapitalzufuhr von 140 Mio. Euro bzw. 1,15 Euro je Aktie wirke sich nur kurzfristig auf den Aktienkurs aus, so Schultes. (APA)

  • Peter Püspök
    foto: standard/cremer

    Peter Püspök

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