Raucherentwöhnungsmittel: Umsätze gleich bleibend

25. April 2007, 17:22
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Apotheken: Trotz verstärkter öffentlicher Diskussion nur nach Silvester erhöhte Nachfrage - Kaugummis am meisten verkauft

In Österreich rauchen 43 Prozent aller Männer und 31 Prozent aller Frauen, 55 Prozent davon wollen das aber eigentlich nicht. Eine enorm große potenzielle Kundengruppe, über die sich die Anbieter von Nikotinersatzpräparaten eigentlich freuen sollten.

Dr. Josefine Kalenda, Marketing and Detailing-Managerin von Johnson & Johnson, die in Österreich die führende Marke Nicorette vertritt, wirkt im derStandard.at-Gespräch aber alles andere als glücklich. "Wissen Sie, ich bin schon so bös", meint sie im Handy-Telefonat aus dem Auto von einer Raucherberatung kommend. "Am liebsten würde ich sagen, rauchts doch einfach weiter und ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt." Die Frage, wie sich die Umsätze von Nicorette-Produkten in letzter Zeit entwickelt haben, ist für sie von keiner primären Bedeutung. "Positiv", meint sie nur kurz und fügt gleich hinzu, dass für sie andere Kriterien als finanzieller Erfolg zählen. Ein erfolgreiche Entwöhnung etwa. Eine solche spare dem Gesundheitswesen als "positiver gesundheitsökonomischer Faktor" pro Entwöhntem laut einer deutschen Studie 11.150 Euro.

Cholesterinsenkung und Potenzstärkung gefragter als Nikotinentwöhnung

Das große Geld macht man bei Pfizer, dem größten Pharmazieunternehmen der Welt, nicht mit der "Consumer Healthcare"-Sparte, die im Vorjahr inklusive der Nicorette-Produktserie an Johnson & Johnson verkauft wurde, sondern mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln. Solche, die die Potenz steigern und die Cholesterinwerte senken. Letzteres sorgt momentan für den meisten Umsatz des Pharmariesen: Für den Arzneistoff Atorvastatin nahm Pfizer im ersten Quartal 2007 weltweit bereits 3,4 Milliarden Dollar ein, Vareniclin - das neueste rezeptpflichtige Produkt zur Raucherentwöhnung - schaffte es im Gegensatz dazu nur auf schlappe 162 Millionen Dollar. Bei Johnson & Johnson machen Konsumgüter, dazu zählen auch die rezeptfreien Nicorette-Produkte, ein Viertel des Gesamt-Umsatzes (3,75 Milliarden Dollar von 15 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2007) aus.

Apotheken-Rundschau

Was für die große weite Welt gilt, gilt im Kleinen auch für die Apotheke der Barmherzigen Brüder in der Wiener Taborstraße. "Am Gesamtumsatz machen sich Nikotinersatzpräparate bei uns nur marginal bemerkbar", meint Apotheker Peter Kleindeßner. Der Umsatz bei Raucherentwöhnungsmitteln sei gleich bleibend, ein Anstieg nur kurzfristig nach Silvester zu verzeichnen, bestätigt Kleindeßners Kollegin Sabine Zeilbauer aus der St. Severinus Apotheke im 19. Bezirk. In der St. Lukas Apotheke in Wien, 14. verkauft sich das neue rezeptpflichtige Pfizer-Arzneimittel Vareniclin genau so schleppend wie in den beiden anderen Filialen. Am besten gehen in allen Apotheken noch die Nicorette-Kaugummis, gefolgt von Inhalatoren und Pflastern.

Ein Trostpflaster für Frau Kalenda? Nein. Sie meint: "Solange es Zigaretten gibt, wird es Raucher geben, die kompetente Hilfe brauchen. Eine suchtfreie Welt ist erstrebenswert, aber noch lange nicht in Sicht." (rasch, derStandard.at, 25.4.2007)

  • Trotz verstärkter öffentlicher Diskussion zum Thema Nichtrauchen, gibt es in Wiener Apotheken keinen nennenswerten Umsatzanstieg bei Nikotin- Ersatzpräparaten
    foto: nicorette

    Trotz verstärkter öffentlicher Diskussion zum Thema Nichtrauchen, gibt es in Wiener Apotheken keinen nennenswerten Umsatzanstieg bei Nikotin- Ersatzpräparaten

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