Kontrollierte Ekstase

27. April 2007, 14:05
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Ein gewissermaßen kaum zu lösenden Opernproblem an der Wiener Staatsoper: "Elektra"

Selbst der Komponist, Richard Strauss also, bat einst Orchester mahnend, bei seiner Elektra leise zu bleiben - es sei ja ohnedies alles so laut notiert, in der Partitur. An der Wiener Staatsoper ist aber immerhin Dirigent Peter Schneider für das Gleichgewicht zwischen Stimmen und Bühne, das so schwer herzustellen ist, ohne Wesentliches zu verlieren (die Stimmen oder eben die orchestrale Dramatik), verantwortlich.

Und das garantiert doch einen akzeptablen Zugang zum expressiven, das blutrünstige Geschehen anstachelnden instrumentalen Herumtoben. In den räumlichen Gegebenheiten der Bühne, die auf eine zeitlich ferne Inszenierung von Harry Kupfer hinweisen, gilt es für die Beteiligten natürlich dennoch, sich mit Kraft zu behaupten. Agnes Balsa (als Klytämnestra) tut es bei diesem Rollendebüt an der Wiener Staatsoper sehr passabel und eindringlich - die Routine einer erfahrenen Sängerdarstellerin erweist sich als hilfreich.

Deborah Polaski (als Elektra) ist darstellerisch allerdings zweifellos flexibler unterwegs; im Vokalen geht sie zudem mutig aufs Ganze, was zunächst auch sanfte Töne zum Vorschein bringt, später dramatische Wucherungen und zwischendurch auch intonatorische Schwankungen. Eine glaubhaft zerrissene und verzweifelte Figur wird jedoch vermittelt. Eine in diesem Werkkontext durchaus starke Leistung.

Beeindruckend auch Melanie Diener (als Chrysothemis), die Dramatik mit kultiviertem Klang vereint und mit differenzierter Gestaltung würzt. Tadellos auch Egils Silins (als Orest) und Michael Roider (als Aegisth). Applaus für alle. (tos / DER STANDARD, Printausgabe, 25.04.2007)

>> 27. 4., 5. 5.; Wiener Staatsoper. 20.00
  • Melanie Diener (als Chrysothemis) und Deborah Polaski (als Elektra) an der Wiener Staatsoper.
    foto: staatsoper

    Melanie Diener (als Chrysothemis) und Deborah Polaski (als Elektra) an der Wiener Staatsoper.

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