US-Arroganz und EU-Dilemma

Redaktion, 17. August 2007 18:15

Die USA wollen ihre Gesetze verstärkt auch in der EU durchsetzen - Von Michael Moravec

Die Kündigung von einigen völlig unbedeutenden Konten in Österreich mit Bezug zu Kuba. Die Androhung von Sanktionen gegen die österreichische OMV, weil diese mit dem Iran Geschäfte macht. Das drohende Verbot für EU-Banken, Geschäfte in den USA oder auch nur in Dollar zu tätigen, falls sie ihre Iran-Geschäfte nicht aufgeben: Die USA versuchen mit Härte, ihre Auffassung von Recht und Gesetz auch in anderen Teilen der Welt durchzusetzen.

Ohne Umschweife und mit kaum mehr zu übertreffender Arroganz wird dabei auf den "Helms-Burton Act" verwiesen, der die völlig unverständlich gewordenen Handelssanktionen gegen die "Bedrohung Kuba" und den greisen Fidel Castro noch einmal verstärkte. Oder den noch viel frecheren "Iran Sanctions Act" von 1996, der vorsieht, dass der US-Präsident Sanktionen gegen Unternehmen aus Drittstaaten verhängen kann, wenn sie mit dem Iran Geschäfte machen.

Ganz so, als ob US-Kongress und Senat mit ihren "Acts" die ganze Welt beglücken dürften. Auf der anderen Seite ist das Recht dieser Drittstaaten den USA kaum etwas wert: Microsoft hält in einem Kartellverfahren die EU-Kommission mit fester Unterstützung der US-Regierung schon so lange hin, dass die eher zurückhaltende Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes verblüfft meinte, in 50 Jahren EU hätte es noch nie ein Unternehmen gegeben, das sich so wie Microsoft schlicht geweigert hätte, EU-Recht und Urteile anzuerkennen. Der Internationale Strafgerichtshof gilt, wie der Name sagt, international – aber nicht für die USA, die ihre Soldaten keinem fremden Rechtssystem aussetzen wollen. Und das rechtsstaatliche Desaster in Guantánamo zeigt, welchen Stellenwert internationales Recht für Washington derzeit hat.

Strategische Waffe

Für die USA ist Recht eine strategische Waffe, die gezielt eingesetzt wird, um die US-Interessen zu verteidigen. Die Dominanz der US-Wirtschaft erleichtert das, denn kaum ein größeres Unternehmen kann es sich leisten, auf irgendeine schwarze US-Liste zu kommen. Da wird lieber auf Geschäfte dort verzichtet, wo es die USA nicht gerne sehen – sei es, weil die Administration in Washington echte sicherheitspolitische Bedenken hat oder sie den Platz für eigene Unternehmen "reserviert".

Sehr leicht macht es die EU den Vereinigten Staaten, denn es gibt kein einheitliches EU-Recht, sondern nur 27 nationale Regelungen, und in dieses Vakuum stoßen die US-Strategen freudig vor.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Patentrecht: Weltweite Rechtssicherheit für neue Ideen und Erfindungen bietet das US-Patentrecht. Ein EU-Pendant gibt es nicht, und deshalb "flüchten" viele Forschungstöchter großer Konzerne in die USA und arbeiten nach US-Recht.

Ein weiterer Grund für den aktuellen rechtlichen Chauvinismus der USA ist das absehbare Scheitern der Doha-Welthandelsrunde. Statt eines internationalen Regelwerks wird es unzählige bilaterale Vereinbarungen geben.

Dilemma

Und nicht unwesentlich ist es dann dabei, nach welchen juristischen Regeln diese Vereinbarungen abgeschlossen sein werden. In Schwellenländern, die ihre Industrie auf US-Gesetze abgestimmt haben, wird die EU immer zweiter Sieger sein, denn abseits von Kuba und dem Iran geht es auch um Bilanzrecht, Sicherheitsvorschriften und Normen, die über die Höhe wirtschaftlicher (Export-)Chancen entscheiden.

Im aktuellen Fall OMV-Iran steht die EU vor einem klassischen Dilemma. Einerseits ist ein 22-Milliarden-Geschäft mit einem Regime, das den Holocaust leugnet und vermutlich kurz vor dem Bau einer Atombombe steht, nicht akzeptabel. Ob aber andererseits die Welt besser wird, wenn die chinesischen und indischen Unternehmen, die im Iran bereits Schlange stehen, statt der OMV zum Zug kommen, ist fraglich.

Dabei ist die Art und Weise der selbstherrlichen Einmischung der USA genauso störend wie die Selbstverständlichkeit, mit der in Österreich und der EU das Geschäft durchgewunken wird. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.4.2007)

Kommentar posten
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Frodo Der Hobbit
26.04.2007 14:58
recht und gewinn

ich denke die strategie ist immer eine frage des handelnden subjektes und der bewusstheit.

hier "passiert" zu vieles unhinterfragt.

die zahl der verantwortlichen sollte sich erhöhen!
es ist eine herausforderung an den hausverstand, sich nicht in rechtlichen und tagespolitischen verwirrungen zu verfangen.

denkansatz: nicht die OMV alleine! sondern die ganze EU umfassende joint ventures mit folgender strategie:
** verbesserung der autarkie der wirtschaftskreisläufe - einbeziehung von anderen industrien, die in zusammenhang stehen, auch durch gegengeschäfte: automobil, strom, chemie, stahl..
** verstärkter austausch vieler arbeitskräfte, die mit diesem gesamtkonzept beschäftigt werden, damit auch menschlicher und kultureller weg.

si net
25.04.2007 19:44

Lieber standard, drueckt mal einj bisschen die postings ..durch..

manche werden von der 'Maschine' eliminiert, aber andere mal ein bisschen leichtfertig fallengelassen?.
:-0

Georgii Sakaschwilli
25.04.2007 14:44
Ob die USA in Irak erfolgreich sind oder nicht ist nebensächlich –

der Kuchen wurde schon längst verteilt. Nach der Invasion in Irak haben Amerikaner die bestehende Verträge mit Europäischen und Russischen Firmen für nichtig erklärt. In weiterer Folge haben US Firmen sich die Irakischen ÖL-Felder mit Knebelverträgen unter die Nagel gerissen.

Gewinne privatisieren Leid sozialisieren.

Die waren Gewinner ist die US-Hochfinanz unabhängig davon was dieser Krieg die US-Steuerzahler kosten wird – oder wie viele arme Amerikaner sterben. Selber schuld – weil sie arm sind.
Was kümmern US-Hochfinanz tote US-Soldaten – Kolateralschaden.

Wer Geld hat zieht nicht in den Krieg – ein bester Beispiel ist der US ‚Kriegspräsident’

Und daher muss Politik über Wirtschaft entscheiden und nicht umgekehrt.

si net
25.04.2007 15:16
US Firmen haben sich ÖL-Felder unter den Nagel gerissen.

Du solltest belegen koennen was da an Behauptungen anfaellt, aber das wirst Du Dir nicht antun.

Frodo Der Hobbit
26.04.2007 15:15
wenns nur um recht gehen soll

(weil die frage dann unterm tisch landet)

dann landen wir in der antike, bei den römern und pharisäern.

vielleicht sollte es auch um den willen (zb aller bevölkerungen) gehen, die situation positiv weiterzuentwickeln, und die geplflanzten bäume nach ihren früchten zu beurteilen, nicht nach den worten der pflanzer.

wo ist dieser irak denn nicht ein potemkinsches dorf, sondern eine glaubwürdige demokratie, wo die abgeschlossenen ölverträge samt gewinnverteilung dem überwiegenden willen der bevölkerungsmehrheit entsprechen?

(und der maßstab ist vergleichshalber auch in venezuela anzuwenden, was einiges erklärt..)

solandre
 
26.04.2007 06:40
links zur kursentwicklung der erdölkonzerne:

links zur kursentwicklung der erdölkonzerne:

exxonmobile, 10jahres-chart:
http://ir.exxonmobil.com/phoenix.z... stockchart
einstellungen: 10 years, monthly, compare to dj industrial average

shell vergleichschart:
http://www.shell.com/home/Plai... price.html
New York/RDS.A >> view detail >> reiter "share chart" >> start date mit 01/01/2004 angeben

exxon und texaco / usa
bp ads /gb
total /frankreich

John Browne
25.04.2007 10:09
$ als Massenvernichtungswaffe und seine €-asische Bedrohung

Die Bedeutung dieser unausgesprochenen Schlacht um die Währungshegemonie basiert auf dem mittlerweile überdehnten System der US-Hegemonie seit 45. Die 1. ist die globale militärische Überlegenheit .Die 2. Säule der Vorherrschaft ist die dominierende $-Rolle als Weltwährung. Erst mit Einführung des € 99 ist die Dollarvorherrschaft bedroht. Bislang sind 70% im Welthandel noch darauf aus, Dollarüberschüsse aus dem Export zu maximieren, um Öl einzukaufen. Mit dem Papiergeld werden staatl. Obligationen der USA gekauft. Der int. Handel richtet sich also an die USA. Erst 11/2000 überzeugte die EU den Irak, auf Petro-€ umzustellen.
Die WMDs im Irak bestanden in der Bedrohung, dass andere folgen weg vom $ hin zum €. Allianz P-B-M = US-Alptraum.

erichs
25.04.2007 09:14
Freihandel EU-USA

Ich frage mich, was uns Bürgern in diesem Umfeld der schon ziemlich konkret geplante Freihandelsraum EU-NAFTA bringen wird, wenn die USA bei allem was nicht ihren Vorstellungen entspricht sofort mit Gewalt drohen.
Es ist offensichtlich schon schwierig genug innerhalb der EU gemeinsam gangbare Wege zu finden.

Stadthase
25.04.2007 09:12
Stimmt nicht so ganz ...

... die EU ist - gerade im Vergleich zu den USA - sehr erfolgreich im setzen von Normen, z.B. im Bereich von technischen Standards und Umwelt-Richtlinien. Normen der EU sind meist sehr detailliert, sehr genau ausgearbeitet (im Gegensatz zu den weniger regulierungsfreudigen USA). Viele Staaten der Welt übernehmen sie einfach um Arbeit zu sparen und um ihre Industrie fit für den Exportmarkt EU zu machen. Dadurch breiten sich EU-Vorschriften teilweise global aus ... Normen gehören zu den erfolgreichsten Exporten Europas.

Übrigens gibt es natürlich ein europäisches Patentrecht; das Europäische Patentamt (ein Sitz ist in München, ein in Den Haag) ist keine EU-Institution, aber dennoch erfolgreich ...

der tueftler
25.04.2007 09:06
stimme voll zu!

zuerst hatte ich den eindruck hier würde nur die us-einmischung verurteilt, aber am ende des artikles wird klar, dass geschäfte mit staaten wie dem iran eben doch nicht mit privatkonten von kuba-stämmigen österreichern verglichen werden können.
man darf allerdings auch nicht vergessen, dass es den österreichern - und natürlich den anderen eu-ländern - auch hauptsächlich ums geschäft geht. mit wem und was der macht etc., das interessiert nicht.
um es auf den punkt zu bringen, iran ist ein land, das den usa feindschaftlich (noch nicht militärisch, aber...) gegenüber steht. ich verstehe, dass man mit einem solchen land nicht zusammen arbeiten will und auch, dass man nicht will, dass es andere tun. die sache mit kuba ist absolut lächerlich!

der postbote
25.04.2007 15:10
was genau hat der iran verbrochen?

welche länder wurden vom iran in jüngerer vergangenheit überfallen? warum ist es legitim mit der diktatur china milliardengeschäfte zu machen? seit wann ist es rechtens ein land zu überfallen und bestehende verträge von europäischen unternehmen für nichtig zu erklären und das öl den freunden des vizepräseidenten zukommen zu lassen?

seit wann ist es legitim europäische firmen, politiker und bürger vom gehimdienst ausspionieren zu lassen?

es fragt sich, wo die verbrecher sitzen.

erich loewy
 
25.04.2007 22:15
Was hat Iran verbrochen? # 2

Die Sache ist wie mit Eltern, dem Staat und Kindern. Wie die Eltern die Kinder anziehen wollen ist ihre Sache. Die Kinder so zu verprügeln daß sie verletzt werden bekommt Sache des Staats. Ob in einem Land Bürger Steuern zahlen müßen ist dem Land überlassen. Falls es seine Bürger in KZ's steckt sollte nicht mehr ihre Sache sondern die Sache der Welt sein.

Iran weiß man nicht--haben sie oder haben sie Atombomben nicht? Eine internationale Inspektion wäre angebracht. Foltert die USA Gefangene ist nicht mehr eine rein interne Angelegenheit sondern geht die Welt an. Und sollte international inspiziert werden.

Dr. Erich H. Loewy
Prof & F'dg Chair, Bioethics (emeritus)
U of CA, Davis
ehloewy@ucdavis.edu

erich loewy
 
25.04.2007 22:07
Was hat Iran verbrochen? # 1

Daß ich die Politik, das Behandeln der Frauen, etc., etc. greulich finde ist daß noch lang kein Anlaß. Es ist traurig daß Kriege fast immer durch Geld direkt oder indirekt gestartet werden. Fast nie weil der Staat seine eigenen Landsleute fürchterlich behandelt. Daß Sadam die Kurden vergasst hat wäre, m.E., ein Grund für die UNO ein zu greifen. Daß Hitler unzählige KZ's geschaffen hat wo Menschen total unmenschlich behandelt haben, die Behandlung der Juden, usw wäre, m.E., ein Grund mit Krieg zu drohen & falls nötig ihn auch zu führen.
Der sogenannte Krieg in Iraq wiederspricht der Verfassung--die Verfassung sagt (& zwar explizit) daß das Recht Krieg su erklären dem Kongress überlassen ist (Article # 1, section 8).

FORTSETZUNG

Galileo
25.04.2007 08:53
fallende Imperien

alle Imperien fallen - von diesem sehen wir gerade die letzten Zuckungen - es sind wellen die von einem ertrinkenden verursacht werden .... ich werde nicht ins wasser springen um dieses Imperium zu retten!

der Student1
25.04.2007 12:43

imperien wurden immer abgelöst, sind nie von alleine gefallen.
in der jetzigen situation ist es für europa wurscht, ob use, china, indien oder sonst wer den ton angibt.
ohne eu-verfassung und noch viel weitreichendere verträge ist europa zahnlos. genauso wird es behandelt, solange das noch geht.

Bruno Flex
25.04.2007 08:53
Entbehrlich ist der letzte Satz

Die US-Anmaßung gegenüber allen Staaten dieser Erde ist mit deren souveränen Rechten und legitimen Interessen gerade NICHT gleichzusetzen.

Igor Gassner
25.04.2007 07:38
Ja eben doch Imperium

und kein Normalstaat. Der Sonderweg USA. Ich liebe das dieses Wort denen an Kopf zu schmeißen denn es ist planker Unsinn.

Birger Jarl II
25.04.2007 07:23

"Weltweite Rechtssicherheit für neue Ideen und Erfindungen bietet das US-Patentrecht" - einen größeren Unsinn habe ich nicht einmal in den EU-Dokumenten zum Patentrecht gelesen.

Thomas Gummibaer
25.04.2007 10:03
gr.ado
 
25.04.2007 09:32
... und der Chinese lacht sich schief ...

Rudolf Hauser
25.04.2007 02:49

hätte der Autor sich eine Sekunde mit dem Helms Burton Act befasst, würde er wissen, dass die Bawag Aktion völlig ohne Not stattgefunden hat und keinesfalls von Helms Burton gedeckt war...

dass der Autor es gut findet wenn europäische Unternehmen die iranische Atombombe finanzieren ist eine andere Geschichte...

erich loewy
 
25.04.2007 02:42
Arrogantes Benehmen # 2

Allerdings müßte eine UN anders gestaltet sein. Daß Luxemburg die selbe Anzahl Stimmen wie Russland oder die US hat ist prima facie unfair & unhaltbar. Nur weil wir (inkl. ich selbst) gegen die momentane Politik Herrn Bush's und seinem Klüngel sind so glaube ich klaum daß ich was ich hier schreibe in Iran schreiben könnte. Die Ansicht "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" ist gefährlich. Die USA muß in die Schranken gezwungen werden -- was nicht heißt daß man die Iranische Politik gut heißt.

Dr. Erich H. Loewy
Prof & F'dg Chair Bioethics (emeritus)
U of CA, Davis
ehloewy@ucdavis.edu

Frodo Der Hobbit
26.04.2007 15:22

die abstimmmungsmacht luxembourg vs russland

das müsste nach dem prinzip senat-repräsentantenhaus gelöst werden!

sowohl die versammlung nach zahl der staaten als auch die nach bevölkerungszahl muss zustimmen.
das ist eine enorme herausforderung, aber liegt auf dem weg zum erfolg. (obwohl es auch hier modernisierungsbedarf gibt, zb in richtung direktere demokratie)

erich loewy
 
26.04.2007 16:38
An Frodo

Hobbit ich stimme voll überein und ist eine der Lösungen (inkl. vetorechte für manche, nicht Gebühren zahlen sollte dann keine Stimme haben, Oflicht für alle Nationen, etc.). Es hieße aber noch immer daß Luxembourg 2 Senatoren und Russland das selbe hat. In der zweiten Kammer würde es dann nach Anzahl der Einwohner gehen. Nicht Ideal aber besser als jetzt.

Dr. Erich H. Loewy
Prof & F'dg Chair, Bioethics
UCD
ehloewy@ucdavis.edu

erich loewy
 
25.04.2007 02:35
Arrogantes Benehmen

Für mich als US/EU Bürger ist es fraglos daß die Vereinigten Staaten sich arrogant benehmen. Herr Bush & seine Kumpel haben da schreckliches angestellt. Allerdings ist die Opposition in der Presse ziemlich klar & stark was ich glaube kaum in Saudi Arabien oder Iran erlaubt wäre. Die Fehler der USA gehen weit zurück & sind fraglos an dem heutigen Zustand verantwortlich. Trotzdem sind konstante Demonstrationen gegen diese Politik die kaum in Iran erlaubt sein würde. Ich bin kaum ein Verteidger der US (schaun Sie auf frühere Postings); aber so geht es nicht weiter. Wir brauchen eine internationale Macht wie die UNO die erstens anders aufgebaut sind & zweitens bewaffnet sind so daß sie sich durchsetzen können. FORTSETZUNG

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