"Klein Arbeitslos" und sein hartes Arbeits-Los

11. September 2007, 10:18
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Linzer Schüler gestalten einen Comic zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Arbeitsmarkt

Linz -"Ich denke, in der heutigen Zeit ist man nie qualifiziert genug für den Arbeitsmarkt. Man muss sich bewusst darüber werden, dass jeder austauschbar ist, und das macht mir Angst."

Diese düstere Prognose teilt Maria Vockner (20) mit etlichen ihrer Klassenkollegen. Die 25-köpfige 4B der HBLA für künstlerische Gestaltung Linz führte im Frühjahr 2006 ein Projekt zum Problem "Jugendarbeitslosigkeit" durch. Neben Interviews mit jungen Lehrstellensuchenden gestalteten die Schüler einen Comic mit dem Titel "Klein Arbeitslos und die großen Gefahren". Darin muss sich "Klein Arbeitslos" mit der Bestie "Arbeitslosigkeit" auseinandersetzen und sich dann vor dem edlen Ritter AMS und der auferlegten Schulung schützen.

Nach einem Aktionstag in der Linzer Innenstadt veranstalteten die Schüler eine Debatte, bei der Betroffene auf Vertreter aus Politik und Wirtschaft trafen.

Ganz konkrete Forderungen haben die jungen Projektteilnehmer an die Politik: "Dass sie die Wirtschaft endlich in die Schranken weist und Gesetze schafft, die den Menschen helfen anstatt der Wirtschaft", formuliert etwa Melina Girardi (18) selbstbewusst.

Auch die Schaffung von Lehrstellen, die Anhebung des Mindesteinkommens bzw. eine Grundsicherung für alle stehen auf der Wunschliste der Schüler.

Doch nicht nur mit der Arbeitslosigkeit an sich, sondern mit dem gesamten Phänomen "Arbeit" beschäftigte sich das Projekt der 4B. Wird jede Arbeit als solche anerkannt und entlohnt? Welchen Stellenwert kann und soll sie in unserem Leben haben? Und vor allem: Wie wird die Beziehung zwischen Mensch und Arbeit in der Zukunft aussehen?

"Das Geheimnis der Gewinnmaximierung liegt oft im Abbau der Humanität", befürchtet Daniela Michelbair (19). "Es erschüttert mich, dass mittlerweile neben den Arbeitssuchenden auch die Arbeitenden Angst um ihren Lebensunterhalt haben müssen", spricht sie den Aspekt der "working poor" an.

Mariana Fellermayr (19) konstatiert: "Die Anforderungen werden immer höher, und die Klassenunterschiede werden weiter auseinanderdriften - die Entlohnung wird immer ungerechter." Als "Tropfen auf den heißen Stein" will Martin Freinschlag (20) seine Bemühungen dennoch nicht sehen: "Das Projekt betrachte ich als gelungen, wenn es mindestens bei einer Person ein Umdenken bewirkt hat." (Romana Riegler/DER STANDARD Printausgabe, 24. April 2007)

  • "Der kleine Arbeitslos teilt mit vielen anderen das harte Arbeits-Los. Er ist kein kleiner Junge mehr, darum sollte schnell eine Arbeit her. Da diese im Dorf nicht war zu finden, hieß es für ihn, Schuhe binden. Raus in die Welt trieb es ihn fortan, Arbeit zu suchen, wo er nur kann."
    grafik: hbla

    "Der kleine Arbeitslos teilt mit vielen anderen das harte Arbeits-Los. Er ist kein kleiner Junge mehr, darum sollte schnell eine Arbeit her. Da diese im Dorf nicht war zu finden, hieß es für ihn, Schuhe binden. Raus in die Welt trieb es ihn fortan, Arbeit zu suchen, wo er nur kann."

  • "Die Stille wird zerrissen durch einen Schrei. Brüllend und wütend stürmt die Arbeitslosigkeit herbei. 'Zum Mahl du mir wirst, du kleiner Wicht, drum halte ein, und flüchte nicht!' Doch Arbeitslos nimmt die Beine in die Hand. Und los geht's, gerannt wird, gerannt!"
    grafik: hbla

    "Die Stille wird zerrissen durch einen Schrei. Brüllend und wütend stürmt die Arbeitslosigkeit herbei. 'Zum Mahl du mir wirst, du kleiner Wicht, drum halte ein, und flüchte nicht!' Doch Arbeitslos nimmt die Beine in die Hand. Und los geht's, gerannt wird, gerannt!"

  • "Als den kleinen Arbeitslos seine Kräfte verließen, erschien Ritter AMS, er sei gepriesen. Die Bestie erstarrte mit bleichem Gesicht, der Ritter schlug zu, doch tot war sie nicht. Schreiend zieht sich die Arbeitslosigkeit zurück - der kleine Arbeitslos war gerettet, ach, welch Glück!"

    "Als den kleinen Arbeitslos seine Kräfte verließen, erschien Ritter AMS, er sei gepriesen. Die Bestie erstarrte mit bleichem Gesicht, der Ritter schlug zu, doch tot war sie nicht. Schreiend zieht sich die Arbeitslosigkeit zurück - der kleine Arbeitslos war gerettet, ach, welch Glück!"

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