Fantasien im märchenhaften Lichtkegel

11. September 2007, 10:18
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Schüler der Modeschule Herbststraße zeigten freakige Kreationen und überließen es dem Zuseher, eine Geschichte zu erzählen

Die Umsetzung der eigenen Utopien in einer anderen Welt; die Darstellung eines anderen Ichs auf der Bühne und dem Laufsteg: Das zeigten Schüler der Modeschule Herbststraße mit ihren freakigen Kreationen und überließen es dem Zuseher, eine Geschichte zu erzählen.

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Wien - Erzähl mir ein Märchen. Es soll nicht gruselig sein. Ich möchte ein Märchen mit Happy End.

Tanzende Blumenmädchen verstreuen ihre Zartheit über ein Meer aus Rosen. Fliegend bewegen sie sich über die Wiese, und ihre Schritte geleiten sie in einen dunklen Wald. Den rechten Weg verlassend dringen sie immer tiefer in die Dunkelheit. Angst verspüren sie nicht bei dem plötzlichen Anblick eines bösen Wolfes.

Hände klatschen aufeinander, und die nächste Szene beginnt. "Von Jahr zu Jahr wird die Modenschau besser. Je älter man wird, desto tollere Sachen kann man präsentieren", kommentiert Mona Stroißmüller (16), Schülerin der Modeschule Herbststraße.

Die jährliche Darstellung der eigenen Kreationen im Theater Akzent begeistert das Publikum immer wieder aufs Neue. Elegante Kleider, rockige Outfits und altmodische Bühnenkostüme zierten die Körper ihrer Designer. Auch ausgefallene Accessoires wie bunte Handtaschen und freakig gestylte Regenschirme machten Individualität geltend. Die Umsetzung und Zurschaustellung der eigenen Fantasien "freut die Schüler. Es ist die Philosophie unserer Schule, dass jeder Schüler sein eigenes Werk vorzeigen kann", erkennt Direktorin Alexandra Wallni.

Aus der Dunkelheit

Langsam nähert sich das furchteinflößende Geschöpf. Ein Schrei verhallt zwischen den Bäumen und eine neue Gestalt tritt in Erscheinung. Aus ihrer Silhouette lassen sich ein schwarzes Kleid und Dämonenflügel erkennen. Ihren eigenen Sarg tragend nähert sich das Mädchen. Ein böser Blick lässt den Wolf winselnd zurückschrecken. Mit eingezogenem Schwanz zieht er sich ins Unterholz zurück.

Das Mädchen schreitet voran und präsentiert sich im Lichtkegel. "So können wir an die Öffentlichkeit treten. Dann erfährt die Welt, dass es so eine Schule gibt", erklärt das Model Andrea Zmill (16).

Letztes Mal sei die Musik bei den Schülern nicht so gut angekommen, daher "haben wir sie diesmal nach unseren Wünschen abgeändert", erzählt Stroißmüller. "Wenn alle mitreden können, Schüler, Lehrer und Choreografen, dann wird das was."

Lack und Leder

Die Blumenmädchen erkennen in der düsteren Gestalt ihre Retterin und schenken ihr als Dank eine Margarite. Ihr Stolz verbietet es ihr, das Geschenk anzunehmen, und so landet es ungesehen am kalten Boden. Plötzlich strahlt helles Licht auf einen Mann in Lack und Leder. Wie vom Blitz getroffen ist sie von seiner Ausstrahlung verzaubert. Doch er würdigt sie keines Blickes und ihr Herz zerspringt an der Erkenntnis, nichts wert zu sein.

"Zwei Monate lang arbeiteten wir an dem Projekt", deckt Stroißmüller, die den Kunstzweig besucht, ihre Vorarbeit auf. Denn nicht nur die Modeschüler waren beteiligt. "Ich habe Accessoires für diese Modenschau verziert."

Noch einmal bieten die Blumenmädchen ihre Margarite an, mit der Erklärung, dass ein Liebeszauber auf ihr liege. Mit Hintergedanken nimmt sie die verzauberte Blume an. In der Gewissheit ihrer Chancenlosigkeit bei ihrem schrillen Prinzen, beginnt sie, "er liebt mich, er liebt mich nicht" zu murmeln. Szenenunterstreichende Musik setzt ein, und das Herz des Mädchens beginnt zu rasen. Beim letzten Blütenblatt angekommen, endet das Spiel mit den Worten: "Er liebt mich." Knallige Farben bilden den gewollten Stilbruch zum "Kleinen Schwarzen". Inspirationen aus der Natur ergaben sich beim Überwurf, der an ein künstliches Spinnennetz erinnert. (Petra Polak, Theresa Lambert/DER STANDARD Printausgabe, 24. April 2007)

  • So zart wie der Frühling und dennoch stark im Ausdruck präsentieren sich die Kollektionen der jungen Designerinnen der Modeschule Herbststraße bei ihrer Performance 2007 im Theater Akzent.
    foto: standard/fischer

    So zart wie der Frühling und dennoch stark im Ausdruck präsentieren sich die Kollektionen der jungen Designerinnen der Modeschule Herbststraße bei ihrer Performance 2007 im Theater Akzent.

  • Elegantes und Verspieltes greifen ineinander und lösen sich ab von starren Strukturen.
    foto: standard/fischer

    Elegantes und Verspieltes greifen ineinander und lösen sich ab von starren Strukturen.

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