Bewohnbarer Planet entdeckt

25. April 2007, 01:01
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Forscher der Europäischen Südsternwarte melden den ersten erdähnlichen Planeten in einem fremden Sonnensystem

Der Planet ist eineinhalbmal so groß wie die Erde, kreist um einen Roten Zwerg und ist rund 20 Lichtjahre entfernt.


Genf – Wenn sich die Menschheit dereinst einmal nach einer neuen Heimat in einem fremden Sonnensystem umschauen muss, dann hat sie ab sofort eine erste mögliche Destination. Die neu entdeckte Ersatz-Erde kreist um einen Roten Zwerg mit dem schönen Namen "Gliese 581" und hat zudem den Vorteil, mit nur 20 Lichtjahren Entfernung ziemlich nah zu sein. Zwar vermuten Astronomen Millionen und Abermillionen von erdähnlichen Himmelskörpern in unserem Universum. Es ist aber gerade erst einmal zwölf Jahre her, dass Forscher die ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufspüren konnten. Zwölf Jahre später hat man rund 220 von ihnen entdeckt – "die meisten bislang aber Riesenplaneten, die um ein Vielfaches größer sind als Jupiter", erklärt Stéphane Udry von der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Genf im Gespräch mit dem Standard.

HARPS macht's

Vor zweieinhalb Jahren konnten ESO-Astronomen mithilfe des 3,6-m-Teleskops im chilenischen La Silla dann den ersten extrasolaren Himmelskörper identifizieren, der der nur die 15fache Erdmasse hat, also so groß wie der Neptun ist. Genau genommen ist es die "Planetensuchmaschine" HARPS, der man diese Entdeckungen verdankt, der wahrscheinlich präziseste Spektrograf der Welt.
HARPS steht für High Accuracy Radial Velocity for Planetary Searcher, und wie das Akronoym schon sagt, können damit feinste Geschwindigkeitsabweichungen in der Drehung von extrasolaren Sonnen gemessen werden. Wie Udry erklärt, geht es dabei um Änderungen um rund zwei bis drei Meter pro Sekunde, also um Geschwindigkeiten eines durchschnittlich flotten Joggers. Daraus wiederum können die Forscher auf die Planeten schließen, die diese Sterne umkreisen.

Nachdem mithilfe von HARPS elf der dreizehn bislang kleinsten extrasolaren Planeten gesichtet wurden, gelang den Forschern rund um Udry nun ein Volltreffer: Sie konnten im Dreiplanetensystem von "Gliese 581", einem der hundert uns nächsten Sonnensysteme, einen Planeten errechnen, dessen Radius nur 50 Prozent größer ist als der unserer Erde und der die etwa fünffache Masse hat, wie sie in der Fachzeitschrift Astronomy and Astrophysics berichten.

Näher der Sonne

Der Superplanet sei zwar 14-mal näher seiner Sonne, als die Erde ihrem Zentralgestirn ist, sagt Udry, der Hauptautor des Artikels mit dem Titel "The HARPS search for southern extra-solar planets: XI. An habitable super-Earth (5 MEarth) in a 3- planet system". "Da Gliese 581 aber ein Roter Zwerg ist – und damit kleiner und kühler als unsere Sonne –, liegt der Planet nach unseren Berechnungen in einer bewohnbaren Zone." Das Forscherteam geht aufgrund von bisherigen Modellen zur Planetenentstehung entsprechend davon aus, dass auf der Oberfläche des neu entdeckten Planeten Wasser in flüssiger oder gefrorener Form existieren dürfte und die Temperatur zwischen null und vierzig Grad Celsius liegen könnte. Klingen diese Angaben durchaus erdähnlich, so ist vieles andere auf diesem ersten bewohnbaren Planeten in unserer relativen Nachbarschaft aber gewöhnungsbedürftig: Ein Jahr zum Beispiel dauert dort gerade einmal dreizehn Tage. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.4. 2007)

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    Rund um den Stern "Gliese 581", der eines der hundert erdnächsten Sonnensysteme bildet, entdeckten Astronomen den ersten bewohnbaren Planeten außerhalb unseres Sonnensystems.

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