Die Blaupause für Franz Ferdinand

2. April 2008, 18:43
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Mit Gang Of Four präsentiert das donaufestival jene Band, ohne die Franz Ferdinand und Co nicht so klingen würden, wie sie es tun. Gitarrist Andy Gill im Gespräch

An der Band Gang Of Four kommt man als an Popmusik interessierter Mensch kaum vorbei. Älteren Semestern ist sie aus der Zeit des britischen Postpunk in Erinnerung, als sie mit ihren Alben wie Entertainment (1979), Solid Gold (1981) oder Songs Of The Free (1982) eine Ästhetik formulierten, die gerne als weißer oder kalter Funk beschrieben wird: Klirrende Gitarren, dazu staubtrockene oder federnde, aus dem Disco kommende Rhythmen sowie die oftmals politisch motivierten Texte von Sänger Jon King festigten früh die Ausnahmestellung des aus Leeds kommenden Quartetts.

Spätgeborenen ist Gang Of Four spätestens seit dem Auftauchen der mittlerweile zu Weltstars gewordenen schottischen Band Franz Ferdinand ein Begriff, die sich – höflich formuliert – stark von Gang Of Four inspirieren ließen und mit ihrem Erfolg eine Welle von ähnlich klingenden Bands auslösten, in deren Zusammenhang den Name Gang Of Four immer wieder fällt.

Wie hat sich Andy Gill, der Gitarrist und musikalische Kopf von Gang Of Four gefühlt, als er Franz Ferdinand erstmals im Radio hörte? Gill: Gemischte Gefühle. Einerseits erfüllte es mich mit Genugtuung, dass wir offenbar heute noch Relevanz besitzen. Es zeigte, dass wir etwas Gutes und offenbar auch für andere Richtiges gemacht haben. Man erlebt ja nicht oft sein eigenes Revival. Andererseits haben wir nichts davon, keine Tantiemen. Wir gingen damals kompromisslos unseren Weg und sind im Unterschied dieser Bands heute nie von den Mainstream-Radiostationen gespielt worden.

Doch das soll nicht bitter klingen. Bitte nicht falsch verstehen, setzt Gill nach, aber wenn man Entertainment hört, erkennt man darin die Blaupause für Franz Ferdinand. Stimmt.

Schon lange vor dem Revival dieser Ästhetik, in der Bands wie The Rakes, Bloc Party, die von Gill produzierten Futureheads, The Rapture, Maximo Park, Radio 4 und andere auftauchten, galt Gang Of Four vielen Künstlern als Inspiration. Einige wurden bei Gill vorstellig, um ihn als Produzenten zu gewinnen. Produktion ist deshalb längst sein zweites Standbein, und zu den Acts, die sich in seine Hände begaben, gehören Namen wie die Red Hot Chili Peppers, The Jesus Lizard, die ihr Album Blue aus Ehrerbietung Andy nennen wollten, The Stranglers, Killing Joke, aktuelle Bands wie The Young Knifes oder Amusement Parks On Fire und viele mehr. Mit welchen Wünschen kommen Bands zu ihm? Gill: Ich denke, weil ich für einen ziemlich satten Schlagzeugsound stehe. Das ist die Basis von allem. Und natürlich wollen viele, dass ihre Gitarren nach Gang Of Four klingen.

2005 erschien das von der Kritik bekniete Album Return The Gift, auf dem Gang Of Four einige ihrer besten Songs von früher neu einspielten, mit den technischen Möglichkeiten von heute. War das, um dem Revival zu zeigen, wie das Original klingt? Gill: Nein, wir haben damals beschlossen, wieder öfter live zu spielen. Im Proberaum entstand die Idee, alte Stücke neu einzuspielen und auf einer zweiten CD junge Musiker Remixes anfertigen zu lassen.

Sagen wir so: Die CD mit den Remixes ist als Bierdeckel super, die neu eingespielten alten Songs jedoch, die ersparen die Anschaffung von etlichen Alben junger Möchtegern-Gang-Of-Fours. Darauf sind wuchtige, abenteuerlich dynamische Songs wie To Hell With Poverty, das unter Druck stehende Funk-Punk-Monster Paralysed oder das zynische ILove A Man In A Uniform zu hören, die zeitlos überzeugen. Gang Of Four eilt zudem eine Live-Reputation voraus, die sich mit der von Wire messen können soll.

Was darf man also beim donaufestival erwarten? Gill: Wir sind zwar gerade im Studio und arbeiten an einem neuen Album, aber wir werden daraus wohl noch nichts spielen, es wird also nur ein Best-of-Programm werden.

Nur! Der Mann hat Humor.

(Karl Fluch / DER STANDARD, Printausgabe, 24.04.2007)

>> Gang Of Four live: 28. 4., Halle 1. 21.00
  • Andy Gill (Dritter von links) und seine extrem einflussreiche Gang Of Four gastieren amSamstag beim donaufestival. Nur mit einem Best-of-Programm, wie er sagt. Der war gut!
    foto: v2

    Andy Gill (Dritter von links) und seine extrem einflussreiche Gang Of Four gastieren amSamstag beim donaufestival. Nur mit einem Best-of-Programm, wie er sagt. Der war gut!

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