Istrien weckt jederzeit nostalgische Gefühle – erst recht, wenn die Saison mit einer Anreise aus Wien im Luxuszug eröffnet wird
Mit einem glanzvollen Fest feiert Opatija (Abbazia), Grande Dame der eleganten Seebäder an der oberen Adria, die Eröffnung der Sommersaison. Zuerst eine Bahnfahrt mit Salonwaggons des Majestic Imperator im Stil des k. u. k. Hofzuges am 27. April von Wien, auf dem klassischen Schienenweg der Südbahn aus dem Jahre 1873 in Richtung Hafenstadt Rijeka.
Mit all seinen Grand Hotels und prächtigen Villen aus der Zeit der mondänen altösterreichischen Riviera entwickelt man nun das Projekt der mitteleuropäischen „Museumsstadt Opatija“. Bürgermeister Amir Muzur und Hotelier Wilfried Holleis mit seinem Haus „Miramar“ sind Gastgeber an diesem Wochenende. Im Rahmen der Feierlichkeiten wird im Kristallsaal des ersten Luxushotels vor Ort – dem „Kvarner“ – Otto Habsburg die Ehrenbürgerschaft von Opatija verliehen.
Ein wahrhaft nachhaltiges Geschenk hinterließ der Verschönerungsverein des Küstenlandes mit dem Bau der wohl einzigartigen Seepromenade. Vom Fischerdorf Volosko, zwölf wunderbare Kilometer entlang den Klippen, bis zum Hafen von Lovran. Meist weht eine erfrischende Brise. Ein besonderer Glücksfall ist der durchgehend freie Zugang zum Meer.
Schon von Weitem gut zu sehen ist der leuchtend gelbe romanische Glockenturm der St.-Georgs-Kirche von Lovran, der aus der hübschen Altstadt herausragt. Unmittelbar nach der Bucht von Ika steht mit der „Villa Magnolia“, von einem exotischen Park umgeben und mit grandiosem Meerblick ausgestattet, ein Schmuckstück der Villen von Lovran. Insgesamt 82 architektonische Unikate der vorletzten Jahrhundertwende, die meisten renovierungsbedürftig, beschreibt die Kunsthistorikerin Mirjana Peršic in ihrem Buch.
Ambitioniert begab sich Vjeko Martinko mit „Lovranske Vile“ auf Schatzsuche. Er belebte bisher vier Villen und das Landhaus Oraj mit Komfort und positiven Energien. Der Stern ist seine „Villa Astra“ mit Pool im Palmengarten und einer Haube für das Restaurant.
Sprödes Rijeka
Rijeka, Endstation der Südbahn, ist touristisch kaum erschlossen. Es bedarf schon einer gewissen hartnäckigen Neugierde, aber der zweite Blick lohnt sehr: Über die Fußgängerzone Korzo zum spätbarocken Stadtturm mit dem kuriosen Habsburger-Doppeladler – beide Köpfe schauen parallel in eine Richtung; an der Riva Hafenatmosphäre erleben, angenehm in der Café-Bar Karolina verweilend, mit Musik und Meeresbrise; am Vormittag einkaufen auf dem lebhaften Markt und am Abend eine Opernaufführung im Nationaltheater Ivan Zajc besuchen. Ein vertraut wirkender Raum? Erbaut vom Wiener Architekturbüro Fellner und Helmer.
Historisches Pula
Konzerte unter Sternenhimmel in der altrömischen Arena von Pula, die historischen Bauwerke der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine, hohe Konzentration von Spitzenrestaurants und die traumhaften Strände an der Südspitze Istriens: Dorthin führt eine vergnügliche Zugfahrt vom karstigen Norden der Halbinsel durch das grüne, hügelige Landesinnere. Von Rijeka kommend, nimmt man den Zubringerbus durch den Uèka-Tunnel zur Bahnstation Lupoglav.
Die Istrianische Staatsbahn wurde vor 130 Jahren im slowenischen Divaca an die Südbahn Wien–Triest angeschlossen. Sie verkehrt noch heute auf der Originaltrasse und bietet eine besonders reizvolle und zudem umweltfreundliche Art, die Halbinsel zu durchqueren. Mit ihren alten Bahnhöfen ist sie zudem ein Kulturdenkmal ersten Ranges. (Brigitte Breth/Der Standard/Printausgabe/24.4.2007)