Mailänder Möbelmesse platzt wieder aus allen Nähten

4. Juni 2007, 14:51
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Die italienische Einrich­tungsbranche hat die Talsohle durchschritten. Der Bedarf an Möbeln steigt, Exporte ziehen an. Österreich zählt zu den wichtigsten Abnehmern

Mailand - Obwohl Italiens Designmöbelhersteller erst vor einem Jahr in das neue Mailänder Messegelände umgezogen sind, platzt die Möbelmesse "I saloni" schon wieder aus ihren Nähten. 2450 Aussteller zeigten hier vom 18. bis 23. April ihre neuesten Produkte. Über 200.000 Besucher sorgten für einen Besucherrekord.

"Wir benötigen noch weitere 4000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, über 300 Aussteller stehen auf der Warteliste", sagte der Präsident der Internationalen Möbelmesse, Rosario Messina. Chinesische Aussteller werden vorerst nicht zugelassen. "Zuerst kommen wir den Wünschen inländischer und europäischen Bewerber nach."

Der Messepräsident, Gründer der Bettenfirma Flou, bestätigte im STANDARD-Gespräch den konjunkturellen Aufschwung der italienischen Möbelbranche. Italiens Möbelbauer durchschritten bereits im Vorjahr die Talsohle, nachdem der Umsatz um drei Prozent auf knapp 38 Mrd. Euro stieg und die Exporte um 4,5 Prozent auf 12,5 Mrd. Euro kletterten. Aber auch der Inlandsverbrauch nimmt zu. Er lag im Vorjahr mit 32,3 Mrd. Euro um vier Prozent über dem Vergleichswert 2005.

Österreich zählt zu den zehn wichtigsten Exportmärkten. Im Vorjahr beliefen sich die Ausfuhren nach Österreich auf knapp 300 Mio. Euro. Nun hat der Designbetrieb Poltrona Frau (Thonet) einen Auftrag für die Ausstattung der Bregenzer Festspiele erhalten.

"Der Trend zu minimalistischen Möbeln ist vorbei. Minimalismus ist in Krisenzeiten, wie etwa zu Beginn der 90-er Jahre gefragt", sagt Messina, der mit seinen bunten Betten zu den Kultmöbelbauern in Mailand zählt. Im Trend liegt Holz. Experten erwarten, dass Italiens Holz verarbeitende Industrie 2007 boomt und bis zu acht Prozent zulegt. Aber auch wenn Exporte und Inlandskonsum in Schwung gekommen sind, so sind zahlreiche Probleme in der italienischen Möbelbranche ungelöst.

Zu neuralgischen Punkten zählen China und die Raubkopien ihrer Möbelfabrikanten. „Auch in Italien werden seit Jahrzehnten Designmöbel imitiert. Die Chinesen haben nicht nur die geringste Achtung vor geistigen Eigentum, manche Imitationen werden auch mit fragwürdigem Material umgesetzt“, sagt der Präsident des Möbelfachverbandes, Roberto Snaidero. Die italienische Möbelindustrie drängt auf die Einführung der Ursprungsbezeichnung. "Laut unseren Ermittlungen würden 60 Prozent aller Kunden von Möbeln made in China Abstand nehmen, sobald sie wissen, wo die Möbel gefertigt wurden." (Thesy Kness Bastaroli, Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.04.2007)

  • Italiens Möbelbranche kann sich vorerst zurücklehnen, der Markt erholt sich.
    foto: standard/smi/vallauri

    Italiens Möbelbranche kann sich vorerst zurücklehnen, der Markt erholt sich.

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