Die frühen Jahre in Wien

23. April 2007, 19:45
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Im Oberen Belvedere widmet sich eine Ausstellung zum 100. Geburtstag des österreichischen Bildhauers Fitz Wotruba dessen bisher eher unterschätztem Frühwerk

Steinskulpturen, Bronzen, Aquarelle und Zeichnungen kennzeichnen das Werk des Künstlers vor seiner Emigration in die Schweiz im Jahr 1938.


Wien – Genau zum 100. Geburtstag Fritz Wotrubas (23. 4.) eröffnete das Belvedere eine Schau zum Frühwerk des ös-terreichischen Bildhauers. In wenigen Wochen nur hat Kurator Alfred Weidinger mit Unterstützung des Wotruba-Vereins eine Retrospektive auf das Frühwerk zusammengestellt und mit einem Katalog begleitet, der versucht, Wotrubas Skulpturen vermittels subjektiver Fotografie nicht nur neue Dimensionen abzugewinnen, sondern bislang offene beziehungsweise nur oberflächlich behandelte Fragen der Datierung zu klären.

Weidingers Blick als Fotograf sieht Wotrubas Werk nicht, wie üblich, getrennt in die Blöcke Bildhauerei und Zeichnung/Aquarell, sondern spürt bisher vernachlässigten Zusammenhängen nach. Das Belvedere besitzt einen von drei Bronzeabgüssen des 1928/29 entstandenen Torso. Diese Arbeit ist Ausgangspunkt der Retrospektive. Vorbild dafür ist ein Torso aus Mannersdorfer Kalkstein. Den Endpunkt der Schau bildet die Große Sitzende (Menschliche Kathedrale) aus dem Jahr 1949. Dazwischen belegen etwa 15 Steinskulpturen, zehn Bronzen, Gips- und Tonmodelle, sowie 40 Aquarelle und Zeichnungen Wotrubas künstlerische Selbstfindung.

In den ersten Torsi Fritz Wotrubas ist der Einfluss (das Pathos) seines Lehrers Anton Hanak noch deutlich spürbar. Erst mit dem Stehenden (von 1929/30) löst er sich von Hanaks Vorstellungen. Der mutige Schritt Wotrubas hin zu Einfachem geht sicher auf die bildhauerischen Ideen Wilhelm Lehmbrucks und dessen Auffassung von Naturalismus zurück. In den Zeichnungen Fritz Wotrubas ist der Einfluss von Oskar Kokoschka und Egon Schiele zu erkennen. Gerade die Skulpturen und Zeichnungen um 1931 zeigen deutliche "manieristische" Überlängungen. Die charakteristische Archaik zeigt zudem eine Verwandtschaft zum deutschen Expressionismus, zu Ernst Ludwig Kirchner oder Otto Müller.

Fritz Wotruba wurde 1907 als Sohn eines ungarischen Dienstmädchens und eines Schneidergehilfen als jüngstes von acht Kindern in Wien geboren. Er besuchte die Kunstgewerbeschule und studierte Bildhauerei bei Anton Hanak. Seine eigentliche künstlerische Selbstfindung verlief autodidaktisch. Wotruba ist einer der wesentlichen österreichischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Er selbst sah sich als Handwerker, war nie Avantgardist, weder stilistisch noch thematisch bahnbrechend. Eher schon suchte er nach einem eigenständigen Weg vor dem Hintergrund der stolz hochgehaltenen proletarischen Herkunft.

Schaulager 20er Haus

Fritz Wotruba verbrachte die Jahre 1938 bis 1945 in der Schweiz, kehrte 1946 nach Wien zurück und übernahm eine Professur für Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste. Wotrubas trotzig wuchtige, figurative Blöcke stellten sich der Zeittendenz zum Informellen entgegen. 1953 bewog er seinen Freund Fritz Kamm aus Zug, die Wiener Galerie Würthle zu kaufen. Er hatte als ihr Leiter nun neben der Professur ein zweites Standbein, um kulturpolitisch zu wirken. Daneben entwarf er Bühnenbilder für die Burg und die Deutsche Oper Berlin. Seine Dreifaltigkeitskirche in Mauer wurde 1976 eingeweiht.

Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco kündigte an, im 20er Haus ein etwa 700 Quadratmeter großes Schaulager mit Arbeiten Fritz Wotrubas einrichten zu wollen. Zudem soll mit finanzieller Unterstützung des Wotruba-Vereins ein Archiv errichtet werden, das – so Husslein-Arco – "Wotruba auch international die kunstwissenschaftliche Anerkennung bringen wird, die sein Werk verdient." (Markus Mittringer/ DER STANDARD, Printausgabe, 24.4.2007)

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Belvedere
Bis 23. Juli
  • Messingguss von Fritz Wotrubas Figur "Stehender" vor dem Atelier des Künstlers in den Stadtbahnbögen (1930).
    foto: fritz wotruba

    Messingguss von Fritz Wotrubas Figur "Stehender" vor dem Atelier des Künstlers in den Stadtbahnbögen (1930).

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