Wolfgang Katzian: "Stronach bleibt Austrias Sponsor"

12. Juli 2007, 12:53
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Der Chef der GPA und Präsident der Austria über wirklich wichtige Dinge

Wolfgang Katzian, Chef der Gerwerkschaft der Privatangestellten und Präsident der Austria, plauderte am Rande des Parteitages der Wiener SPÖ mit Johann Skocek über wirklich wichtige Dinge wie die Aussichten der Austria, Frank Stronachs Absichten und juristische Einsichten.

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Standard: Ist die Austria praktisch oder nur theoretisch in Gefahr, den Sponsorvertrag mit Magna und daher die Lizenzvoraussetzungen nicht zustande zu bringen?

Katzian: Freitagmittag hätte ich noch gesagt: auch praktisch. Aber Freitagabend habe ich mit Frank Stronach telefoniert. Er hat mir versichert, übrigens zum dritten Mal, dass Magna Sponsor der Austrias bleibt. Mittlerweile habe ich auch einen Brief mit Beträgen.

Standard: Der Brief war für die Lizenzierung notwendig?

Katzian: Ich habe seit einiger Zeit Stronachs mündliche Zusage, dass die Zusammenarbeit mit der Austria nicht beendet wird. Und ich gehe davon aus, dass ein Handschlag auf diesem Niveau verbindlich ist. Aber die Bundesliga braucht Schriftliches, und wir haben am 20. April fristgerecht die Zusage nachgereicht.

Standard: Für wie lange verpflichtet sich Stronach?

Katzian: Für das kommende Spieljahr. Wir verhandeln derzeit den Kooperationsvertrag, der die Grundlage für den Übergang zur AG bildet. Wir mussten auch gemeinsam klären, wie der Ausstieg aus dem Betriebsführungsvertrag bewältigt wird, der ja bis zum 30. Juni 2007 läuft.

Standard: Müssen die Austria-Fans fürchten, dass Stronach weiterhin vom Trainer bis zum Masseur alle Personalia selber entscheidet?

Katzian: Nein. Wenn jemand Geld gibt, will er mitreden, das ist selbstverständlich. Die AG-Satzungen werden das klar definieren. In Zukunft fallen Entscheidungen gemeinsam.

Standard: Dauert die Installierung der AG, die ja die Profiabteilung führen und finanzieren soll, länger als bei der Generalversammlung versprochen?

Katzian: Nein, der Eindruck täuscht. Wir arbeiten Schritt für Schritt. Im Augenblick wird die Kooperation zwischen Magna und der Austria in der AG, die ja eine 100-Prozent-Tochter der Austria ist, fertig verhandelt. Es wird für die Sponsoren, nicht nur Magna, zur Wahrung ihrer Interessen eine Mitsprachemöglichkeit über eine Aufsichtsratslösung geben. Aber das aufzubauen geht nicht in ein paar Wochen, daher haben wir vorher das Budget für 2007/08 sichern müssen. Das ist jetzt gelungen.

Standard: Hat Frank Stronach in Ihrem Telefonat die Partnerschaft mit der Austria von der Realisierung des Projekts Rothneusiedl abhängig gemacht?

Katzian: Wir haben kein Wort darüber gesprochen. Aber ich wünsche mir auch ein neues Stadion. Der Horr-Platz ist nicht mehr akzeptabel, was die Sicherheit, den Komfort für Familien, die Parkplätze, die Anreise und anderes betrifft. Das ist ein Platz aus einer versunkenen Zeit.

Standard: Es gibt andere Vorschläge für ein neues Austria-Eigenheim: Das Happel-Stadion wird renoviert, an die U-Bahn angebunden, mit einem Einkaufszentrum versehen. Und Landeshauptmann Erwin Pröll würde über seinen Schatten springen und den roten Teppich ausrollen, wenn die Austria in die Südstadt zieht.

Katzian: Ich mache mir jetzt keine neue Baustelle auf. Ich bin da auf Stronachs Seite. Rothneusiedl wäre optimal. Ich wünsche mir ein neues Stadion. Ich unterstütze alle, die das Projekt vorantreiben.

Standard: Von wie viel Geld reden wir? Man hört, das Profibudget werde rund 15 Millionen Euro betragen, zwölf davon sollen über Sponsoren aufgebracht werden.

Katzian: Ich will noch keine Details verraten, aber wir bewegen uns zwischen zwölf und 17 Millionen, je nachdem, was man hineinrechnet - Profis, Amateure, Akademie, Nachwuchsteams.

Standard: Welche Lehren ziehen Sie aus der GAK-ÖFB-FIFA-Affäre? Immerhin hat die Austria auch Schadenersatzforderungen angemeldet.

Katzian: Wir sind zwar noch nicht für den Europacup qualifiziert, aber ich hoffe, wir schaffen das noch. Wenn wir ausgeschlossen worden wären, hätte das einen enormen Schaden bedeutet, dagegen mussten wir uns absichern. Die Lizenzierung wird von der UEFA zu 80 Prozent vorgeschrieben, den Rest müssen wir verbessern. Grundsätzlich müssen wir evaluieren, was an der Grenze zwischen Sportrecht und bürgerlichem Recht passiert. Beim GAK musste der Masseverwalter seine Gläubiger schützen und hat einen Pyrrhussieg errungen. Hier muss Rechtssicherheit geschaffen werden.

Standard: Seit sieben, acht Jahren liegt ein Kollektivvertrag für die Fußballer in der Schublade. Das ist doch für Sie als Gewerkschafter ein Elfer?

Katzian: Das ist ein Thema, das wir uns vornehmen müssen. Wir werden einen Workshop abhalten. Ein Kollektivvertrag ist sicher eine geeignete Maßnahme, um die Ordnung in der Bundesliga zu erhöhen.

Standard: Wie gefällt Ihnen Ihre Mannschaft?

Katzian: Der Lauf im Frühjahr war gut, bei den beiden Niederlagen hintereinander hat mir die Art und Weise nicht gefallen. Ich hoffe sehr, dass wir spätestens im Cupfinale zeigen, wer die Austria ist.

Standard: Was halten Sie von Peter Svetits' Akademie-Arbeit?

Katzian: Er hat keine Austria-Funktion. Ich weiß ehrlich nicht, was er für Magna macht.

Standard: Die Austria unterhält seit rund fünf Jahren die angeblich beste, sicher teuerste Akademie der Liga. Aber andere Klubs wie Rapid und Mattersburg werden für ihre tollen Nachwuchskicker gelobt. Hier stimmt doch etwas nicht.

Katzian: Die Akademie ist Stronachs Lieblingsprojekt. Wir haben gute Leute von dort in den Kader der Ersten geholt. Aber man muss sich sicher anschauen, ob die Kosten-Nutzen-Relation stimmt.

Zur Person: Wolfgang Katzian (50) aus Stockerau war Lehrling in der Länderbank. 1977 wurde er Jugendsekretär der GPA, seit einem Jahr ist er deren Vorsitzender. Der verheiratete Vater eines Sohnes sitzt seit November 2006 auch der Gewerkschaft Druck, Journalismus und Papier vor. Im Jänner 2007 wurde er Austria-Boss.
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    Wolfgang Katzian: "Das Budget ist gesichert."

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