der schönste Tag der Woche: "by the Grace of God"

7. April 2007, 00:00
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Geburtstagskind Elizabeth II. ist auch Staatsoberhaupt von Papua-Neuguinea, den Grenadinen und Tuvalu

God Shave the Queen", sangen die "Sex Pistols" 1977 aus Anlass des 25-jährigen Thronjubiläums der englischen Königin, die über diesen Song naturgemäß "not very amused" war. Wobei die Frage durchaus berechtigt ist, wer sich eigentlich im Alltag um den Damenbart der Queen kümmert. Gibt es eine "Königliche Damenbartauszupferin" – "A Royal Ladies Beard Out Pullerin" so to say –, deren einzige Aufgabe es ist, für die Entfernung der Gesichtsbehaarung der Queen zu sorgen? Denkbar wäre es.

Wie auch immer, 30 Jahre sind seit dem Hammer der "Sex Pistols" vergangen, und während Sid Vicious längst tot ist und der Punk nur noch als Fußnote der Musikgeschichte existiert, scheint sich die Queen trotz ihrer 81 Jahre bester Gesundheit zu erfreuen. Und falls sie die entsprechenden Gene ihrer Mutter geerbt hat, muss ihr Sohn Charles noch weitere zwanzig Jahre warten, ehe er dann als 79-Jähriger endlich den Thron besteigen kann. Sofern er dazu ohne fremde Hilfe überhaupt noch in der Lage sein wird.

Aber König hin oder her, seitdem sich der Prince of Wales für ein Verbot der McDonald’s-Imbissbuden ausgesprochen hat, gehört ihm meine ganze Sympathie, und wenn er auch noch für die Sprengung von Handymasten eintritt, gründe ich in Österreich eine Zweigstelle seiner Bewegung und nenne sie "Charly’s Angels".

Natürlich haben sich nach den Anti-McDonald’s-Statements des britischen Thronfolgers alle Fastfood-Ketten-Betreiber fürchterlich aufgeregt und gemeint, dass ihre Fleischlaberln (in Deutschland auch Laibchen genannt) in Wirklichkeit viel gesünder seien, als sie aussähen, wobei das ungefähr so klingt, als würde man einen zum Tode Verurteilten damit trösten, dass der elektrische Stuhl, auf dem er sitzt, ausschließlich mit Ökostrom betrieben wird.

Da aber anzunehmen ist, dass die Queen ihren Geburtstag am 21. April nicht in einem dieser Abspeiselokale verbringt, wenden wir uns wichtigeren Dingen zu und fragen zum Beispiel, wie der vollständige Titel der englischen Königin lautet. Und hier kommt schon die Antwort:

"Elizabeth the Second, by the Grace of God, of the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland and of her other realms and territories Queen, Head of the Commonwealth, Defender of the Faith." Abgesehen davon, dass ein bisschen viel Gnade, Gott und Glaube im Spiel sind, ist das Ganze sehr beeindruckend, zumal sich daraus ergibt, dass Elizabeth II auch Staatsoberhaupt von Papua-Neuguinea, den Grenadinen und Tuvalu ist. Ob die Leute, die dort leben, das überhaupt wissen? Aber zumindest Sie wissen es jetzt.

Wissen sollte man weiters, dass die Queen zurzeit das längstdienende Staatsoberhaupt der Erde ist, während Fidel Castro diesen Titel als Regierungschef für sich beanspruchen kann. Alle, die auf den 81. Geburtstag der Queen ihr Glas erheben (was ist da eigentlich drinnen? Himbeersaft?), können also auch auf Fidel Castro einen Schluck kubanischen Rum trinken.

Ausgenommen davon sind selbstverständlich sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bawag, die ja auch nicht mehr nach Kuba in den Urlaub fahren dürfen, weil sie in diesem Fall damit rechnen müssten, nach Guantánamo verfrachtet zu werden, womit sie aber erst recht wieder in Kuba gelandet wären. "Very complicated that all", würde die Queen wohl sagen. Oder auch nicht. (Kurt Palm/ ALBUM/ DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.04.2007)

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    Kurt Palm

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