Übernahme-Makulatur

30. Juli 2000, 19:55

Fall Bank Austria: Das Übernahmegesetz ist einerseits zu streng und lässt andererseits große Schlupflöcher offen. Von Eric Frey


Eric Frey

Jahrelang hatten Experten über einem Übernahmegesetz gebrütet, das den Finanzplatz Wien an internationale Standards anpassen soll. Herausgekommen ist ein Gesetzeswerk, das sich bei seiner ersten großen Bewährungsprobe als Makulatur erweist. Wie der Fall Bank Austria zeigt, ist das Übernahmegesetz einerseits zu streng und lässt andererseits Schlupflöcher offen, durch die ein Elefant marschieren kann.

Ein eklatanter Fehler ist das Pflichtangebot in bar, das ein neuer kontrollierender Eigentümer den Kleinaktionären unterbreiten muss. Damit soll verhindert werden, dass ein Unternehmen ein anderes allein durch Aktientausch übernehmen kann. Ein solcher Deal galt vielleicht noch vor ein paar Jahren als unfair. Doch heute hat sich in den internationalen Kapitalmärkten die Meinung durchgesetzt, dass eine hoch bewertete Aktie eine völlig legitime "Währung" für eine strategische Akquisition ist. Selbst in Deutschland sind die nach der Vodafone-Mannesmann-Übernahme laut gewordenen Forderungen, solche "All Share"-Transaktionen zu verbieten, wieder verstummt. Zum Glück für die Aktionäre, denn sonst wäre die für sie so profitable Übernahme nie zustande gekommen.

Ein Barangebot, wie es im österreichischen Gesetz gefordert wird, nützt niemandem: Der Aktionär erhält bis zu 15 Prozent weniger, und der Übernehmer muss Gelder flüssig machen, die er meist nicht hat. Und jeder Aktionär, dem ein Umtauschangebot missfällt, kann seine Aktien verkaufen. Die Baroption garantiert der Markt, die muss der Gesetzgeber nicht vorschreiben.

Wenn dieser schon so strikte Auflagen erteilt, dann muss er auch dafür sorgen, dass sie eingehalten werden. Dass das Übernahmegesetz durch eine simple Unternehmensspaltung umgangen werden kann, zeigt dringenden Reparaturbedarf an.

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