Präsident geht auf die Indígenas zu

12. Juli 2007, 15:02
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Lula will Indianern Land zurückgeben

Luiz Inácio Lula da Silva will künftig mehr für die 700.000 brasilianischen Indígenas (Ureinwohner) tun. Am "Tag des Indianers" empfing der Präsident jüngst die 20 indigenen Vertreter der neu gegründeten "Nationalen Kommission für Indianerpolitik". Sechs Reservate mit einer Gesamtfläche von 9780 Quadratkilometern bestätigte Lula mit seiner Unterschrift. Zuvor hatte Justizminister Tarso Genro für sieben Territorien die Landvermessung eingeleitet. "Das ist der größte Fortschritt", freute sich Roberto Liebgott vom katholischen Indigenenmissionsrat Cimi, der wichtigsten Stütze der Ureinwohner.

Die neuen Töne aus Brasília sind eine Reaktion auf die Frustration der Indígenas und ihrer Helfer. "Bisher war die Indianerpolitik Lulas ein Rückschritt", sagte Cimi-Generalsekretär Erwin Kräutler dem Standard. Der aus Österreich stammende Bischof, der die Amazonas-Diözese Xingu leitet, nimmt kein Blatt vor den Mund: "Lula hat keine Sensibilität für die Indianer gezeigt."

Auch deshalb besinnen sich die 227 unterschiedlichen Indígena-Völker Brasiliens mehr denn je auf ihre eigene Stärke. In der Hauptstadt Brasília, in Amazonien, im Nordosten und im Süden kamen in den vergangenen Tagen Tausende zusammen, um ihrem wichtigsten Anliegen Gehör zu verschaffen: Sie wollen das Land zurückbekommen, das ihnen seit dem Beginn der Kolonisierung im Jahr 1500 geraubt wurde.

800 Guaranis hatten sich in der südbrasilianischen Metropole Porto Alegre zu ihrem zweiten kontinentalen Treffen versammelt. Anastasio Peralta aus dem Agrar-Bundesstaat Mato Grosso do Sul beklagte: "Als Präsident legte Lula dieselbe Mentalität an den Tag wie die europäischen Eroberer: abholzen, Exportprodukte anpflanzen, Staudämme bauen." Vor Monaten hatte Lula Indígenas wie Afrobrasilianer und Umweltaktivisten als "Hindernis für den Fortschritt" attackiert - ausgerechnet vor den Großbauern in Mato Grosso, wo die Lage der Indígenas besonders dramatisch ist: Seit 2005 sind dort mindestens 41 Guarani-Kaiowá-Kinder unter vier Jahren verhungert. (Gerhard Dilger aus Porto Alegre/DER STANDARD, Printausgabe, 23.4.2007)

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