Im Kern der Sache

26. April 2007, 17:00
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Leichtbau oder neue Verarbeitungstechniken - Teil 5 der Serie zur Zukunft des Autos über die Chancen neuer Fertigungsverfahren

Was die Verwendung von neuen Werkstoffen im Automobil angeht, hat sich in den letzten dreißig Jahren weniger verändert, als man gefühlsmäßig vielleicht annehmen würde. Bestanden damals 75 Prozent des Automobils aus Eisen und Stahl, sind es heute immer noch knapp 60 Prozent.

Immerhin: Der Anteil von Aluminium hat sich von drei auf acht Prozent mehr als verdoppelt. Hingegen ist der Anteil von Kunststoff nur von 12 auf 14 Prozent gestiegen. Ein kritischer Punkt ist sogar, dass auch der Anteil des schwer verwertbaren so genannten Rests noch mehr angestiegen ist, nämlich von sechs auf 14 Prozent.

In der Zange

Punkto fortschrittlicher Materialien steckt die Autoindustrie hier von zwei Seiten in der Zange: Sehr wichtig für eine gute Energiebilanz ist sowohl eine gute Wiederverwertbarkeit der Materialien als auch ein günstiger Preis. Hochwertige Leichtbaumaterialien sind einerseits tendenziell teuer, andererseits schwierig wiederzuverwerten.

So werden zwar für die Innenraumgestaltung immer häufiger Naturmaterialien (Hanf, Flachs und tropische Gewächse) verwendet, oftmals aber eher als ökologisches Feigenblatt, denn als wirklich effiziente Problemlösung.

Fortschritte

Eher ist es so, dass Verbesserungen an bekannten Werkstoffen und Verarbeitungsverfahren Fortschritte gebracht haben (hochfeste Stähle, neue Leichtmateriallegierungen im Motorenbau, Hydroformen und Laserschweißen für Fahrwerks- und Karosserieteile). Man bedenke, schon der VW Käfer hatte ein Getriebegehäuse aus Magnesium, heute sind gerade mal Sitz- und Armaturenträger aus Magnesium dazu gekommen.

Alu nicht so gut

Die Aluminiumkarosserie ist zwar ein prinzipiell interessanter Ansatz im Leichtbau, doch die Herstellung von Aluminium ist extrem energieaufwendig, so dass der geringere Spritverbrauch durch die Gewichtsersparnis die Bilanz über das ganze Autoleben nur marginal ins Positive kippen kann. Das heißt: Materialien für Leichtbau sind vorhanden, aber ohne prinzipiell schlankeren Zugang zum Auto in unseren Köpfen ist ein Fortschritt sehr schwierig. (Rudolf Skarics, derStandard.at, 26.4.2007)

Ende der Serie

  • Audi geht das Thema Leichtbau mit dem Alu-Spaceframe im A8 ambitioniert an.
    foto: werk

    Audi geht das Thema Leichtbau mit dem Alu-Spaceframe im A8 ambitioniert an.

  • Jaguar setzt beim XK auf Aluminium-Body.
    foto: werk

    Jaguar setzt beim XK auf Aluminium-Body.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Neu ist das Alu-Thema nicht: bereits der Panhard Dyna X hatte 1945 eine Alu-Karosserie.

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