Zeitung: Irakische Agentinnen in Europa

30. Juli 2000, 16:31

"Das Regime benutzt Frauen, weil sie weniger Verdacht erregen"

London - Der irakische Staatschef Saddam Hussein schickt nach einem Bericht des Londoner "Sunday Telegraph" Agentinnen in den Westen, um die Exilopposition zu unterwandern und führende DissidentInnen zu ermorden. Zu diesem Zweck seien auch gut aussehende Bauchtänzerinnen und Schauspielerinnen für Giftmorde oder das Arrangieren von Autounfällen ausgebildet worden, berichtete die Sonntagszeitung.

Mit falschen Pässen seien die Agentinnen nach Ankara, Belgrad, Brüssel, Paris und Wien gekommen, um von dort nach Großbritannien, Holland, Deutschland oder Schweden auszuschwärmen. Dort gelte es zunächst, das Vertrauen der Opfer zu gewinnen. Bei passender Gelegenheit sollten diese dann aus dem Weg geräumt werden.

"Sicherheitsproblem erster Ordnung"

"Das ist ein Sicherheitsproblem erster Ordnung", zitierte die Zeitung am Sonntag einen Mitarbeiter des britischen Außenministeriums. Ayad Allawi, der Generalsekretär der Oppositionsbewegung "Iraqi National Accord" in London, sagte: "Das Regime benutzt Frauen, weil sie weniger Verdacht erregen. Unsere Kultur rechnet nicht damit, dass Frauen töten." In London sei unter anderem eine Bauchtänzerin aktiv, die eng mit Saddams ältestem Sohn Uday verbunden sei, berichtete der "Sunday Telegraph".

Das "Koordinationskomitee der irakischen Opposition" in Wien hatte in einem Appell an Innenminister Ernst Strasser auf die Zunahme der Aktivitäten des irakischen Geheimdienstes in Österreich aufmerksam gemacht, die sich auch auf die Sicherheit der irakischen Gemeinde auswirkten. Die irakische Botschaft sei die "europäische Zentrale" des irakischen Geheimdienstes, hieß es in dem Appell. (APA/dpa)

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