Großbritannien erlaubt das Klonen menschlicher Embryonen

30. Juli 2000, 15:45

"Der wichtige Nutzen, der sich aus dieser Forschung ergeben kann, überwiegt alle anderen Erwägungen."

London - Die britische Regierung hat sich nach Informationen des "Observer" entschlossen, das Klonen menschlicher Embryonen im Frühstadium zu erlauben. Die Entscheidung werde im September bekannt gegeben, berichtete die Zeitung am Sonntag. Britische Wissenschafter könnten so eine führende Position in der Gentechnik erobern. In anderen Ländern ist das Verfahren verboten. Wissenschaftsstaatssekretär Lord Sainsbury wurde von der Zeitung mit den Worten zitiert: "Der wichtige Nutzen, der sich aus dieser Forschung ergeben kann, überwiegt alle anderen Erwägungen."

Die geklonten Embryo-Zellen sollen dem Bericht zufolge zunächst nur für wissenschaftliche Experimente etwa zur Behandlung von Alzheimer verwendet werden. Möglicherweise werde es später aber auch erlaubt sein, aus den Zellen menschliche Organe für Transplantationen zu entwickeln. Viele Menschen, die zur Zeit noch vergeblich auf Spenderorgane warteten, könnten dann gerettet werden.

"Technologischer Kannibalismus"

Das Verfahren ist jedoch ethisch sehr umstritten. Der Abtreibungsgegner Lord Alton beschrieb es als "technologischen Kannibalismus", weil Embryonen dafür verwendet würden, das Leben anderer Menschen zu verbessern oder zu verlängern. Tom Horwood, ein Sprecher der katholischen Kirche, sagte: "Wir sind ganz entschieden gegen eine solche Entwicklung. Ein menschlicher Embryo ist menschliches Leben."

Als haltlos bezeichnete diese Einwände dagegen der Hochschullehrer Richard Dawkins, ein atheistischer Darwinist und Autor erfolgreicher Bücher über die Evolution. "Die moralischen Implikationen bei der Verwendung menschlicher Embryos sind eher geringer als die bei wissenschaftlichen Experimenten mit Säugetieren und anderen Arten", sagte er. (APA/dpa)

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