Kein Feuer, keine Leidenschaft

25. April 2007, 16:42
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ÖVP-Wien-Chef Johannes Hahn schlägt härtere Töne an und rechnet mit dem Wiener Bürgermeister Häupl und der Landes-SPÖ ab

Wien – Die Zeiten, als Johannes Hahn die Kritik am mächtigen Gegenüber, der SPÖ, nachgerade sanft formuliert hat, sind vorbei. Da war er "nur" ÖVP-Landesparteichef. Jetzt, als Wissenschaftsminister, schlägt der Bürgerliche wesentlich härtere Töne an – und rechnet mit Bürgermeister Michael Häupl und seiner Landesgruppe ab.

"Innovationsresistent"

"Sie sind innovationsresistent. Da ist kein Feuer, keine Leidenschaft", wundert sich Hahn über die Landes-SP. Häupl selbst beschreibt der Wiener VP-Chef im Gespräch mit dem STANDARD in diesem Zusammenhang als einen "gebrochenen Mann".

Was Hahn besonders stört, ist, wie er sagt, die "Visionslosigkeit". Und falls die SPÖ doch einmal eine Idee habe, sei das "Tempo der Umsetzung eine Katastrophe". Hahn: "Ich habe manchmal den Eindruck, die SPÖ braucht eine Generation, die eine Idee entwickelt, und eine zweite, die diese dann umsetzt."

Als ein Beispiel nennt der Landesparteichef die Neugestaltung des Donaukanals, die erst in den letzten Jahren vorankommt. "Seit ich denken kann, reden wir darüber", sagt Hahn. Das "Trialto-Brücken"-Projekt, ein Netzwerk aus sieben miteinander verbundenen Brücken mit Restaurations- und Geschäftsbetrieben auf der Höhe Schwedenplatz, empfindet er jedenfalls "von der Grundidee toll".

Dazu rechnet Hahn aber auch das Flugfeld Aspern. Bereits 1994 sei erörtert worden, "welche Perspektiven es da gebe". Getan habe sich lange aber wenig.

Apropos Aspern: Hahn hofft offenbar noch immer, dass die Technische Universität (TU) sich – im wahrsten Sinne der Worte - bewegt. "Meine große Vision ist, dass die TU und die Wirtschaftsuniversität an einem Standort sind", erklärt der Wissenschaftsminister. Er "klebe auch nicht am Standort". Mit einer Zusammenführung, glaubt Hahn, gebe es daraus folgende neue Perspektiven, seien es gemeinsame Studiengänge oder Spin-offs.

"Nicht gerade bemüht"

Dass die Elite-Uni nach Gugging kommt, hält Hahn der Stadtregierung vor: "Bemüht haben sie sich nicht gerade. Man kann nicht am letzten Drücker ein Angebot übermitteln." Ob es für Wien "gereicht hätte", wisse er nicht, sagt Hahn, aber das war "eine schlechte Interpretation der Gemütlichkeit".

In eigener Sache zeigt sich der Minister naturgemäß wieder von seiner sanften Seite. Den Vorwurf, er sei als VP-Wien-Chef kaum wahrnehmbar, entgegnet er so: "Mir ging es darum klarzustellen, dass ich ein Minister für ganz Österreich, nicht nur für Wien bin. Deshalb habe ich mich da ein bisschen zurückgenommen." Außerdem habe er ein gutes Team. Dazu zählt Hahn auch die Chefin des ersten Bezirkes, Ursula Stenzel: "Seien wir froh, dass wir sie haben." Sie habe "den Drive, da könnte sich Häupl was abschauen". (Peter Mayr, DER STANDARD - Printausgabe, 21./22. April 2007)

  • Johannes Hahn, Wissenschaftsminister und VP-Wien-Chef.
    foto: standard/matthias cremer

    Johannes Hahn, Wissenschaftsminister und VP-Wien-Chef.

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