Nachwuchsarbeit für die Demokratie

20. April 2007, 20:02
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Politische Bildung in der Schule ist ein wichtiges, aber auch heikles Geschäft - Sie muss demokratie-fähige BürgerInnen "liefern" - Viel zu tun, wenn Wählen mit 16 kommt

Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus." So steht es im Artikel 1 der Bundesverfassung. Schon demnächst, plangemäß 2010, soll das mitbestimmungsberechtigte demos, das Volk, das alle Macht, die kratia, innehat, auch die 16- und 17-Jährigen umfassen, denn die große Koalition will in Österreich als einzigem EU-Land das Wahlalter für Nationalratswahlen von 18 auf 16 Jahre senken.

Eine demokratische Republik braucht Demokratinnen und Demokraten. Woher nehmen? Demokratie fällt nicht vom Himmel. Sie muss gelernt und gelehrt werden. Aber wie werden aus Schülerinnen und Schülern demokratiefähige Bürgerinnen und Bürger?

Diese Frage steht im Zentrum der siebenteiligen Serie "Demokratie lernen", die der Standard auch aus Anlass der am Montag anlaufenden "Aktionstage Politische Bildung" (23. April bis 9. Mai) startet. Diese 2003 nach einer Initiative des Europarates entwickelte Aktion findet heuer zum fünften Mal statt und steht diesmal unter dem Generalthema "Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit".

Initialzündung mit 16

Wozu überhaupt politische Bildung? "Weil Demokratie von der Interaktivität der Regierenden und der Regierten lebt", sagt Politikwissenschafter Peter Filzmaier von der Donau-Universität Krems im Standard-Gespräch. "Damit diese demokratische Interaktion funktioniert, müssen beide Seiten gut sein. Es braucht qualifizierte Regierende und - noch viel mehr - gut informierte Bürger. Die Basis dafür ist eine gute politische Bildung", erklärt der Politik-Professor, der einen Uni-Lehrgang für Politische Bildung leitet.

Die Absicht, 16-Jährige wählen zu lassen, müsste zur "Initialzündung" für mehr, neue und vor allem systematischere Initiativen in der Demokratiebildung werden. "Neben vielen Engagierten hat es nie eine systematische Struktur für politische Bildung gegeben", sagt der Politologe.

Was aber ist "gute" politische Bildung, und wo wird sie "schlecht", weil indoktrinär oder manipulativ? Gut sei sie dann, wenn sie drei Aspekte abdecke: Politisches Faktenwissen über das System und die Institutionen, soziales Lernen und soziale Kompetenzen und natürlich länderspezifische Geschichte und Gesellschaftskunde im weitesten Sinn, so Filzmaier, der dabei eines betont: "Das Problem in der politischen Bildung in Österreich ist nicht Parteilichkeit, sondern Apathie und Angst vor dem Bereich."

Oft wird dann nur ein vermeintlich "sicherer" Fokus gewählt, etwa die relativ "ungefährliche" Institutionenlehre. Als bildungspolitische Antwort nennt Filzmaier das "Zauberwort Interdisziplinarität", die wiederum oft wegen Ressourcenfragen an den Grenzen der einzelnen Fachdisziplinen zur Phrase wird.

Als Ausweg aus diesem Dilemma will Politikwissenschafter Filzmaier "über eine Stärkung des Fachs nachdenken und einen eigenen Bereich für politische Bildung schaffen", mit allen Konsequenzen für Lehrpläne und Lehrerausbildung - allerdings unter unbedingtem Erhalt des generellen Unterrichtsprinzips "Politische Bildung". (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD-Printausgabe, 21./22. April 2007)

  • "Die Aufgabe der Politik ist es, alles zu verwalten und wichtige Entscheidungen zu treffen. Wenn Wählen mit 16 Gesetz wird, dann sollte man die jungen Leute darauf vorbereiten. Ich schaue Nachrichten im Fernsehen,wenn ich mich nicht
auskenne, frage ich bei meinen Eltern nach."
Astrid, Gymnasiastin, 14
    foto: der standard/christian fischer

    "Die Aufgabe der Politik ist es, alles zu verwalten und wichtige Entscheidungen zu treffen. Wenn Wählen mit 16 Gesetz wird, dann sollte man die jungen Leute darauf vorbereiten. Ich schaue Nachrichten im Fernsehen,wenn ich mich nicht auskenne, frage ich bei meinen Eltern nach."

    Astrid, Gymnasiastin, 14

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