Risikofaktoren beeinflussen Schulleistungen stärker als angenommen

3. Juli 2007, 10:19
posten

Geringes Geburtsgewicht und sozioökonomische Faktoren spielen bedeutende Rolle - Frühe Förderung wirkt ausgleichend

Wien - Risikofaktoren - wie etwa geringes Geburtsgewicht - aber auch sozioökonomische Faktoren wie sozialer Status wirken sich laut jüngsten Forschungsergebnissen der Bildungspsychologin Christiane Spiel von der Fakultät für Psychologie der Universität Wien deutlicher auf Schulleistungen aus, als bisher angenommen. Die Ursache: bisherige Untersuchungen waren meist relativ kurz und explizit als Risikostudien angelegt. Die betroffenen Kinder bekamen deshalb entsprechende Förderungen, sagte Spiel bei einem vom Pädagogischen Institut der Stadt Wien veranstalteten Symposium zum Thema "Hirnforschung und Lernen".

Biologische Risikofaktoren

In Zusammenarbeit mit Medizinern verglich Spiel daher eine klassische Studie mit einer alternativen Untersuchungsmethode, die gegenüber den Teilnehmern "Entwicklungsstudie" genannt wurde. So erfuhren etwa auch die Eltern nicht, dass es sich um eine Risiko-Studie handelte. Analysiert wurden im Hinblick auf den Schulerfolg etwa biologische Risikofaktoren, wie Frühgeburten oder geringes Geburtsgewicht oder sozioökonomische Faktoren. Tatsächlich wirkten sich die Effekte von Risikofaktoren wesentlich deutlicher auf die Schulleistungen der Kinder aus, als in klassischen Studien.

Die Forscher registrierten weiterhin einen deutlich akkumulierenden Effekt, das heißt, mehrere Risikofaktoren bedeuteten auch durchschnittlich geringere Schulleistungen. Außerdem verstärkte sich der Effekt mit zunehmendem Alter, die Schere ging im Vergleich mit Nicht-Risikokindern immer weiter auf. Die Leistungen wurden im Verlauf der Volksschule relativ immer schlechter.

Möglichst früh fördern

Als weitere Risikofaktoren registrierten die Forscher beispielsweise Spitalsaufenthalte, besonders während des ersten Lebensjahres. "Es zeigte sich, dass frühe Risiken besonders starke Effekte haben", so Spiel.

Die Psychologin ist überzeugt, dass die Teilnahme an klassischen Intervention einen gewissen Schutzfaktor gegen negative Auswirkungen von Risikofaktoren darstellen. Generell sollte im Falle von Risikofaktoren möglichst früh gefördert werden, am besten schon vor dem Schuleintritt, ist die Expertin überzeugt. Die betroffenen Kinder müssten auch in der Schule speziell behandelt werden. "Nicht nur Erfolgreiche sollten Freude am Lernen haben", betonte Spiel.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Risikofaktoren beeinflussen Schulleistungen stärker als ursprünglich angenommen.

Share if you care.