Sabbatical: Auszeit mit Netz?

Redaktion, 21. April 2007 17:00
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    Foto: apa/dpa/frank may

    Das Sabbatical sollte wenn, dann nur für Weiterbildung genutzt werden, raten Experten. Eine Erhöhung der eigenen Motivation über die Auszeit sei ein Ammenmärchen, ein Karriereknick meist die Folge.

Das Sabbatical klingt in der Theorie perfekt. In der Praxis allerdings bröckelt der Glanz gehörig ab

Es klingt wirklich viel versprechend: Man braucht ein halbes oder ganzes Jahr nicht zu arbeiten, erhält zumindest einen Teil des Gehalts weiter und kehrt dann erholt an den Arbeitsplatz zurück. Doch in der Praxis hat sich das Sabbatical in den meisten Berufen zumindest noch nicht durchgesetzt. "Pro Jahr nehmen etwa ein bis zwei Mitarbeiter eine Auszeit", berichtet Barbara Werwendt, Sprecherin von Hewlett Packard. Insgesamt hat das Unternehmen in Österreich 750 Mitarbeiter.

Grundsätzlich sei man dafür offen, konkret müsse ein Sabbatical mit dem jeweiligen Manager beim Mitarbeitergespräch vereinbart werden. "Es kommt darauf an, ob die Auszeit in das Jobkonzept passt", so Werwendt weiter. "Eine Garantie auf den angestammten Arbeitsplatz gibt es nicht, es wird jedoch für eine äquivalente Position gesorgt", erzählt die HP-Sprecherin. Diene die Auszeit der Weiterbildung, sei es selbstverständlich möglich, danach eine neue Position einzunehmen. Auch in der Telekom-Branche ist ein Sabbatical in der Betriebsvereinbarung enthalten, genutzt wird es nach Angaben der Gewerkschaft der Privatangestellten allerdings so gut wie nie.

Karriereknick

"Kein Wunder", sagt Michael Meyer von der Wirtschaftsuniversität Wien dazu. Er hat gemeinsam mit Kollegen die Karrieren von WU-Absolventen untersucht und dabei eindeutig festgestellt: "Eine Unterbrechung, die länger als ein üblicher Urlaub dauert, schadet der Karriere massiv". Dies gilt vor allem für Männer: Wer ein Freijahr nimmt – ausgenommen davon ist Arbeitslosigkeit –, steigt weniger auf und verdient weniger.

"Bei Frauen ist der Unterschied zwischen jenen, die sich ein Freijahr gönnen und denen, die es nicht tun, nicht so extrem", erzählt Meyer. Das Argument, dass Mitarbeiter nach der Auszeit deutlich motivierter an ihren Arbeitsplatz zurückkommen, entkräftet der WU-Professor. "Wenn sich ein Mitarbeiter für ein halbes oder ganzes Jahr ausklinkt, ist das ein knallhartes Signal dafür, dass seine Motivation was hat. Unternehmen verlieren dann häufig das Vertrauen in diesen Mitarbeiter." Vor allem dann, wenn das Sabbatical nicht genommen wird, um eine Weiterbildung zu absolvieren.

In diesem Zusammenhang richtet er einen Appell an die Arbeitgeber: „Eine gesunde Organisation müsste von vornherein verhindern, dass Mitarbeiter ausgebrannt sind und eine Auszeit brauchen.“ Weniger problematisch ist eine Auszeit bei Berufen, die projektbezogen arbeiten, oder bei Lehrern.

Etwa 1000 Bundeslehrer haben sich im Vorjahr für ein Jahr freistellen lassen, ein Gesetzesentwurf schlägt nun vor, dass die Möglichkeit des Sabbaticals für alle Bundesbediensteten gelten solle. Genutzt wird die Auszeit meist von Lehrern in mittleren Jahren, aber auch jüngere gönnen sich gelegentlich ein Jahr schulfrei, berichtet Wolfgang Stelzmüller, Sektionschef im Unterrichtsministerium.

Während bei manchen Berufsgruppen Überstunden gesammelt und während der Auszeit abgebaut werden, gilt für Lehrer ein Fünf-Jahres-Rhythmus. Vier Jahre wird gearbeitet, dann hat man ein Jahr frei, erhält aber fünf Jahre lang nur 80 Prozent des Bezugs.

Auszeit zum Lernen

Wer sich dennoch unbedingt eine Auszeit gönnen möchte, dem rät Michael Meyer Folgendes: "Ein geeigneter Zeitpunkt ist etwa, wenn sich die Dynamik der Karriere verlangsamt. Oder wenn man den Karriereplafond erreicht hat und sich möglicherweise ohnehin beruflich neu orientieren will."

Und noch eines rät er: Sich in dieser Zeit auch weiterzubilden macht immer ein besseres Bild, als nur auf Weltreise zu gehen. (Ursula Rischanek, DER STANDARD, Printausgabe 21./22.4.2007)

Auszeit für Forschung Der Begriff „Sabbatical“ wird von einem biblischen Brauch, der im Zweiten Buch Mose beschrieben wird, abgeleitet. Dort heißt es: „Sechs Jahre sollst du dein Land besäen und seine Früchte einsammeln. Aber im siebenten Jahr sollst du es ruhen lassen.“ Was heute im deutschsprachigen Raum als „Forschungsfreisemester“ bezeichnet wird, wurde zunächst an amerikanischen Hochschulen eingeführt: US-Professoren haben oben genannte Bibelstelle für ihren eigenen Berufsalltag umgemünzt. Sie nahmen sich Auszeiten von einem halben oder ganzen Jahr, um sich in dieser Zeitspanne voll und ganz der Forschung widmen zu können.
Kommentar posten
18 Postings
dora flora
26.06.2007 15:07
"Ruhejahr" das Buch zum Thema

Es ist die Story eines erfolgreichen Geschäftsmannes, der mit Anfang 40 nach Beendigung der
Alleinerzieherschaft seines Sohnes (der Junge ist 19!) den Posten als Geschäftsleitung der eigenen Company auf die Gesellschafter aufteilt und
1 Jahr alleine auf Weltreise geht. Mehr infos unter http://www.ruhejahr.com

Der April
23.06.2007 08:22
"nur auf Weltreise gehen?"

"Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen." J.W.v.G.

ExInfineaner
16.05.2007 08:25
Ich hab jetzt ...

Über drei Jahre Auszeit - wie toll ! - Koennt gerne darauf verzichten ....

Einschwein
28.04.2007 01:17

Wir brauchen interessantere Jobs im Land!

Management Quatscher
22.04.2007 15:02
Tarnen und Täuschen

Sabbatical ist eine Tarnung im Lebenslauf, um eine mehrmonatige Arbeitslosigkeit zu verstecken. Die hochqualifizierten HR-Manager fallen aber trotzdem drauf rein.

Ich war gar nicht arbeitslos, sondern habe mir eine "Auszeit", "ein Sabbatical Year", "eine Bildungskarenz", ..... genommen, habe eine Weltreise unternommen (ohne Geld), habe die Wüste Gobi alleine und zu Fuß durchquert (ohne Wasser), bin mit einer Nußschale über den Atlantik gesegelt (obwohl ich gar nicht segeln kann), .....

"Lücken" im Lebenslauf sind ein No-No (ganz pfui gaxi), deshalb hat auch niemand Lücken im Lebenslauf, sondern lauter Sabbaticals.

xray -
22.04.2007 18:25

Das mit dem durchgängigen Lebenslauf hat sich in wenigen Jahren ohnehin erledigt. Man kann nicht immer flexibler werden, und trotzdem völlige Konstanz aufweisen.

Management Quatscher
22.04.2007 19:38

Die (hochqualifizierten) HR-Manager haben sich aber selbst ein Ei gelegt:

Einerseits schwärmen sie von den flexiblen, außergewöhnlichen Persönlichkeiten, die "anders" sind, sich trauen eingetretene Pfade zu verlassen, "Neues zu probieren", .......

andererseits werfen sie Bewerbungen von solchen Personen ganz schnell in den Mistkübel, weil Lücken im Lebenslauf und eine nicht durchgängige Erwerbsbiographie auf eine unstete, labile Persönlichkeit, die nicht weiss, was sie will und daher "schlecht" ist, hinweisen.

Was jetzt derzeit im Trend liegt, kann ich nicht sagen. Irgendwie beides, aber auch doch nicht.

MondoGrosso
22.04.2007 13:57
Bitte das ist doch ganz einfach ...

ich selbst hatte schon zwei Sabbaticals und zwar bei verschiedenen Dienstgebern.

Funktionierte jeweils so, dass mir 4 Jahre hindurch "nur" 4/5 des tatsächlichen Gehalts ausbezahlt wurden und ich dafür im 5. Jahr - dem Sabbatical - auch ein "volles" Vierfünftelgehalt hatte.

Beide Jobs waren in projektorientierten Bereichen, d.h. der Wiedereinstieg war auch ein Klacks - einfach beim nächsten Projekt wieder dabei.

Das muss man aber VORHER schon entsprechend organisieren. Im 4. Jahr draufzukommen, dass ein Jahr bezahlter Urlaub schön wäre ist leider zu spät. Auch "Ansparmodelle" wo man selbst Geld weglegt halte ich für nicht so gut, weil da is die Versuchung viel zu groß, die 50K schon mal für ein nettes Cabrio auszugeben.

MG

living reef
22.04.2007 08:23
"Diene die Auszeit der Weiterbildung,..."

hier verwechselt die HR-managerin von HP. für solche fälle gibt es die BILDUNGSKARENZ. sabattical dient der persönlichen weiterentwicklung, dass kann auch ein jahr schafemelken in australien sein!
sabatticals werden primär im öffentlichwen dienst genommen und sind dort auch gar nicht so unüblich. allerdings gibt es da die hürde einer mindestzugehörigkeitszeit, bevotr das projekt sabattical beantragt werden kann. 5 jahre mit 80% gehalt arbeiten und dann ein jahr mit 80% gehalt frei.

tramezzino
22.04.2007 11:32

im öffentlichen bereich funktioniert das deshalb gut/besser, weil das quasi eine geschützte werksätte ist.

wenn ich einen techniker im unternehmen habe und der geht dann ein jahr schafe melken (oder er lässt sich eine berufsfremde ausbildung angedeihen, was für ihn persönlich grundsätzlich ja gut sein mag), dann frage ich mich, ob dieser mitarbeiter mit vollem einsatz in seinem aufgabengebiet tätig ist. that´s the point.

ignazius rummsfeld
22.04.2007 12:48
That´s not the point!

Derart monochrome Betrachtungsweisen sollten gerade im gehobenen management überholt sein.
Wenn jemend für gut gehalten wird, weil er sich ausser für sein fachgebiet für nix interessiert......................vü Glück!

tramezzino
22.04.2007 13:43

es bringt einem unternehmen relativ wenig, wenn es einen hochqualifizierten techniker hat, der seine gesamte energie in ikebana steckt...

ulli zeller
21.04.2007 22:08
die auszeit

muss man sich auch finanziell leisten können, manchmal sind 80% des einkommens einfach zuwenig, auch wenn man im sabbatical etwas vernünftiges machen will. meist aber scheitert der wunsch an der arbeitsplatzsituation.

Large Hadron Collider
21.04.2007 20:34

die meduniwien!!!

asinus asinus
21.04.2007 20:13

"Ein modernes Unternehmen müsste verhindern, dass die Mitarbeiter ausgebrannt sind..."
Kennt jemand so ein Unternehmen?

wolfindersteppe
 
22.04.2007 08:33
google

jean paul chenet
22.04.2007 13:38
google - mit 24 Std. Arbeitszeit *lol*

Google ist was für Freaks und Spinner. Google duldet nix neben google. Deswegen habens einen Campus gebaut, der völlig abgeschottet von der übrigen Welt funktioniert. Selbst in den google Autobussen ist WLAN - damit auch bei der Anfahrt zum Job gearbeitet werden kann.
1 jahr google und du brauchst 4 jahre Sabbatical.

systemfehler1
22.04.2007 08:25
Berufsfeuerwehr?

Parlament? Poltische Parteien? Das AMS kann´s nicht sein, die schikanieren ihre Mitarbeiter gehörig - alle 75.000.

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