Die immer verlockende Lust auf "süß"

26. Juli 2007, 12:58
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Gummizeug oder Bitterschokolade? Ganz egal, sagt Christian Matthai, denn gekauft wird, was man hören will

Für uns alle eine vertraute Alltagssituation. Wir schlendern entspannt durch den schier endlosen Süßwarengang unseres Lieblings-Supermarktes und sind wieder einmal auf der Suche nach "Soul Food". Das Zielobjekt ist eine Mischung aus etwas, das den Hunger nach etwas Süßem stillt und gleichzeitig das schlechte Gewissen in sicherer Verborgenheit hält.

Plötzlich bleiben wir mit dem Blick beim "Gummizeug" hängen, denn wir lesen folgende Verpackungsaufschrift: Enthält viele Vitamine, ist fettfrei und zuckerreduziert. Wahnsinn. Die Lösung. Kein Fett, viele Vitamine und wohl praktisch kein Zucker vorhanden - also gesund?

Leider alles anders

Die Spuren an Vitaminen, die sich in einer Packung "Gummizeug" verstecken, beziehen sich in den meisten Fällen auf 100 Gramm. Man müsste also beinahe die ganze Packung auf einmal in den Mund stecken, damit die Menge wahrscheinlich derjenigen entspricht, die wir beim Anschauen einer Zitrone bekommen würden.

Zucker reduziert ist ganz toll

Jetzt bleiben nur mehr 50 Stück Würfelzucker pro Packung anstatt der 63. Mit viel Fantasie kann nun also kaum mehr von Süßigkeit die Rede sein ... und kein Fett. Wurde Gummizeug jemals mit Fett versehen? Egal. Sie kennen sicher die weit verbreitete Meinung, dass Gummizeug von den Süßwaren für die Figur noch am besten ist. Dies ist gar nicht unrichtig.

Fett und Kohlehydrate

Wenn man Süßigkeiten verzehrt, die sowohl Kohlenhydrate als auch Fett beinhalten, sorgt das von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttete Hormon Insulin dafür, dass einerseits der Zucker aus dem Blut in die Zellen transportiert wird, es dadurch zu einer Regulation des Blutzuckerspiegels kommt und andererseits zeitgleich die durch das Fett aufgenommenen freien Fettsäuren in die Depots - nämlich unsere Fettzellen - geschleust werden. Was für die Figur nicht gerade förderlich ist. Das heißt, ein hoher Insulinspiegel unterstützt die Aufnahme von mit der Nahrung zugeführtem Fett, welches sofort gespeichert wird und uns nicht als Energiequelle zur Verfügung stehen soll.

Anderes Beispiel

Vor vielen Jahren sprang mir in einem kleinen Süßwarengeschäft in Wien eine ganz besondere Tafel Schokolade ins Auge. Auf der Verpackung war zu lesen: 100 Prozent Kakao, zuckerfrei. Toll, dachte ich mir, denn mit einem Kakaoanteil von über 70 Prozent kann ich mich auf die positive Wirkung der Flavonoide verlassen. Doch beim Vergleich des Kaloriengehalts mit einer herkömmlichen Milchschokolade musste ich mit Entsetzen feststellen, dass die Schokolade ohne Zucker mehr Kalorien beinhaltet als die zuckerhaltige Vollmilchschokolade. Wie das?

Viel Kakao – viel Fett

Aufgrund des hohen Kakaoanteils beinhaltet "dunkle" Schokolade einen wesentlich höheren Fettanteil, nämlich das Fett, das in den Kakaobohnen enthalten ist. Das gesündere Produkt ist also nicht unbedingt immer das kalorienärmere. Ein Vergleich lohnt sich. Denn manchmal ist das, was drauf steht nicht immer das, was einen im Inneren erwartet. Guten Appetit!

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