Bund stoppt Vertragsunterzeichnung mit den Sängerknaben

24. Juli 2007, 19:35
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Auch Filmarchiv soll Projekt präsentieren - Sängerknaben-Direktor Jesser: "Freue mich natürlich nicht darüber"

Überraschende Wende in Sachen Wiener Augarten-Projekte: Das Wirtschaftsministerium hat die für den frühen Nachmittag geplante Vertragsunterzeichnung mit der Direktion der Wiener Sängerknaben kurzfristig abgesagt. Der Grund ist, dass nun auch das Filmarchiv-Projekt im Wiener Augarten näher begutachtet wird, wie das Wirtschaftsministerium bestätigte. Das Projekt werde geprüft, bevor eine Unterschrift unter einen Nutzungsvertrag gesetzt werde, erklärte ein Sprecher von Minister Martin Bartenstein (ÖVP) gegenüber der APA.

Bei den Sängerknaben, die am selben Standort einen Konzertsaal errichten wollen, war man davon ausgegangen, dass die Zusage für dieses Projekt noch am Freitag erteilt wird. Dem ist nun nicht so. Wie lange es nun bis zu einer Entscheidung dauern werde, könne man nicht sagen, wurde von Seiten des Wirtschaftsministeriums betont.

"Es wäre schön, wenn beide Projekte umgesetzt werden könnten", hieß es im Bartenstein-Büro weiters. Die beiden Projektwerber hatten sich darüber zuletzt skeptisch gezeigt. Als ein Hindernis gilt die aktuelle Flächenwidmung am Augartenspitz, die dem Vernehmen nach nur ein Gebäude am betreffenden Standort zulässt.

Freud und Leid

Der Leiter des Filmarchivs Austria zeigte sich über die jüngste Entwicklung in Sachen Augarten erfreut: "Super, Wahnsinn." Er erfuhr von der APA, dass der Bund mit den Sängerknaben vorerst doch keinen Vertrag unterzeichnen wird. Entsprechend wenig begeistert war Sängerknaben-Direktor Eugen Jesser: "Natürlich freue ich mich nicht darüber."

Er sei vom Wirtschaftsministerium informiert worden, dass die Vertragsunterzeichnung gestoppt worden sei, weil man auch dem Filmarchiv eine Chance geben wolle, sein Projekt zu präsentieren. Eigentlich gebe es schon seit Februar 2006 die prinzipielle Zustimmung, dass die Sängerknaben dort bauen dürfen, gab Jesser zu bedenken. "Ich bin aber Demokrat genug, dass ich akzeptiere, dass auch das andere Projekt vorgestellt wird", so der Sängerknaben-Direktor gegenüber der APA. Ein Aus für den Konzertsaal befürchte er aber nicht: "Ich glaube, dass unser Projekt umgesetzt werden kann."

"Höchst erfreut" über das "Einlenken" des Wirtschaftsministeriums zeigte sich die Planungssprecherin der Wiener Grünen, Sabine Gretner. Das Engagement der Anrainer für den Augarten habe sich bezahlt gemacht: "Nun soll in dem vereinbarten Leitbildprozess eine Vision für den Augarten entwickelt werden." Bis dahin sollten keine Baugenehmigungen für das Areal des denkmalgeschützten Parks erteilt werden, hieß es in einer Aussendung der Grünen.

Auch bei der Viennale, dem Partner des Filmarchivs, zeigte man sich gegenüber der APA erleichtert über die Entscheidung des Ministeriums.

Chancen für gemeinsames Projekt gering

Filmarchiv-Leiter Ernst Kieninger sieht den Vertragsstopp als Erfolg der Arbeit der letzten Stunden und Tage: "Wir haben versucht, zu vermitteln, dass beide Bauvorhaben einer politischen und öffentlichen Bewertung unterzogen werden sollen." Die Entscheidung des Bundes sei "mehr als erfreulich".

Die Chancen für ein gemeinsames Projekt in diesem Teil des Augartens sind laut Kieninger weiterhin gering. Die Bauwidmung lasse nur ein Projekt zu: "Ich sehe rein praktisch keinen Spielraum, dort etwas gemeinsam zu verwirklichen." Vernünftig wäre es nun, zu prüfen, ob die Sängerknaben nicht direkt beim Augarten-Palais (dem Sitz der Sängerknaben, Anm.) einen Konzertsaal bauen könnten. (APA)

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