Kunststoff und Energie

23. April 2007, 01:00
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Punkten können PVC, PET, Polyethylen & Co nicht nur durch ihre Vielseitigkeit, sondern auch aus Sicht der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes

Wien - Kunststoffe haben das Leben der Menschen entscheidend verändert. Punkten konnten PVC, PET, Polyethylen & Co aber nicht nur durch ihre Vielseitigkeit, sondern auch aus Sicht der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes, waren sich Experten beim diesjährigen Österreichischen Kunststofftag unter dem Motto "Kunststoff und Energie" in Wien einig. Vorteile der Kunststoffe seien etwa die Gewichtsreduktion bei Autos und in der Luftfahrt, aber auch "intelligente" Verpackungen, die Handling und Logistik revolutionierten.

In der Automobilindustrie tragen Kunststoffe wesentlich zur Leichtbauweise - und damit zur Verringerung des Treibstoffverbrauchs und zur Senkung der CO"-Emissionen - bei. Der Einsatz von 100 kg Kunststoffen in einem modernen Auto anstelle anderer, schwererer Materialien führe zu einer Kraftstoffersparnis von 0,3 bis 0,5 Liter pro 100 km, führte John Feldmann, einer der Vordenker der europäischen Kunststoffbranche und Vorstandsmitglied der BASF AG, ins Treffen. Bezogen auf alle in Westeuropa zugelassenen Pkw könnten durch den Einsatz von Kunststoffen jährlich rund 2 Mio. t Kraftstoff und CO2-Emissionen über mehr als 9 Mio. t eingespart werden - was dem jährlichen Kraftstoffverbrauch alle motorisierten Straßenfahrzeuge der Slowakei und Sloweniens entspreche.

Verpackung

Die große Bedeutung von Kunststoffen zur Energie-Effizienz zeige auch das Thema Verpackung, so Feldmann: Die Ladung eines Lkw, beladen mit in Kunststoffbecher gefülltem Joghurt, besteht zu mehr als 95 Prozent aus Joghurt. Füllt man das Joghurt in Glasbehälter, transportiert derselbe Lkw nur noch ungefähr 60 Prozent Joghurt. Es müssten also, um dieselbe Menge des Milchproduktes zu transportieren, nahezu doppelt so viele Lkw fahren, veranschaulicht der BASF-Vorstand den Beitrag von Kunststoff zum Klimaschutz.

Würde man Kunststoffe im maximal möglichen Ausmaß durch alternative Stoffe ersetzen, stiege der Energieaufwand in Westeuropa um 26 Prozent, so das Ergebnis einer Untersuchung des Wiener Forschungsinstituts GUA - Gesellschaft für umfassende Analysen. Der jährliche Energie-Mehrverbrauch würde 1.020 Mio. Gigajoule betragen - das entspricht einem Energieäquivalent von 22 Mio. t Rohöl. Geringerer Energieaufwand bedeute entsprechend geringere Treibhausgas-Emission: Der Ersatz der Kunststoffe würde eine Erhöhung um 56 Prozent und damit eine zusätzliche Belastung um 97 Mio. t CO2-Äquivalente nach sich ziehen, so die Studie. Dieser Wert entspricht 30 Prozent jenes Beitrages zu den Kyoto-Zielen, zu dem sich Westeuropa verpflichtet hat.

Die heimische Branche

Österreichs Kunststoffbranche - die Hersteller von Kunststoffen und die Kunststoffverarbeiter - beschäftigt in 600 Unternehmen mehr als 26.000 Menschen. Rund die Hälfte der 600 österreichischen Kunststoffhersteller und -verarbeiter hat weniger als 10 Mitarbeiter, nur rund 30 mehr als 250. Der Sektor erwirtschaftet einen Produktionswert von 5,8 Mrd. Euro jährlich - was rund 5 Prozent der heimischen Sachgütererzeugung entspricht. Dazu kommen weitere 750 Mio. Euro der Kunststoff-Maschinenindustrie, 350 Mio. Euro der Ski-Industrie und mehr als 100 Mio. Euro der Additivproduktion sowie erhebliche, statistisch allerdings nicht erfasste, Volumina an Kunststoffen, die von unterschiedlichen Unternehmen anderer Sparten verarbeitet werden - etwa Verpackungen für Lebensmittel oder Teile von Elektrogeräten, die in diesen Industrien direkt produziert werden.

Österreichs Außenhandelsbilanz weist die Ausfuhr von Kunststoffen im Wert von 1,4 Mrd. Euro und von Kunststoffwaren um 2,6 Mrd. Euro (das entspricht einer Quote von rund 40 Prozent) aus.

Europas Kunststoffbranche macht einen Umsatz von 160 Mrd. Euro und verfügt über 1,5 Millionen Arbeitsplätze. (APA)

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    foto: lanxess
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