Bund will Sängerknaben

20. April 2007, 14:35
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"Schwer geschockt" zeigen sich die Planer des Augartenkinos ob des bevorstehenden Vertrags mit den Wiener Sängerknaben

Anrainer protestieren, die Politik schweigt sich weiter aus.

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"Schwer geschockt" zeigen sich die Planer des Augartenkinos ob des bevorstehenden Vertrags mit den Wiener Sängerknaben, Anrainer protestieren. Die Politik schweigt sich weiter aus. Wien – "Die Sache ist längst gegessen," ist Eugen Jesser, der Direktor der Wiener Sängerknaben, überzeugt. Jesser rechnet damit, den Vertrag über die Nutzung des rund 1000 m2 großen Grundstücks am Augartenspitz bereits heute, Freitag, mit dem Wirtschaftsministerium abzuschließen, Ende nächster Woche sollen die Unterlagen bei den Baubehörden eingereicht werden. Die Zustimmung des Finanzministeriums sei bereits am Mittwoch erfolgt.

Ebenfalls am Mittwoch haben Filmarchiv Austria und Viennale einen Sponsor für ihr gemeinsames Projekt des Filmkulturzentrums "Augartenkino" präsentiert – in der Hoffnung, nun als ernst zu nehmender Bewerber für das bebaubare Areal am Rande des Augartens wahrgenommen zu werden. Die Frage beschäftigte am Donnerstag auch den Kulturausschuss des Nationalrats, wo der Grünen-Abgeordnete Wolfgang Zinggl eine eindeutige Stellungnahme von Ministerin Claudia Schmied (SPÖ) einforderte.

Diese hielt sich – genauso wie Bürgermeister Michael Häupl sowie die Kultur- und Planungsstadträte – weiter bedeckt und verwies auf die Zuständigkeit des Wirtschaftsministeriums als Grundeigentümer. Dort hält man an dem geplanten Konzertsaal für die Wiener Sängerknaben fest – obwohl für 7. Mai eine Bürgerversammlung anberaumt ist, bei der beide Projekte vorgestellt werden sollten. Bürgerinitiativen laufen nun Sturm: "Wozu noch eine Versammlung, wenn ohnedies alles hinter verschlossenen Türen entschieden wurde?", fragt Erwin Pönitz vom Verein "Freunde des Augartens".

"Unser Projekt wurde im Ministerium nie behandelt"

"Schwer geschockt" zeigte sich Viennale-Direktor Hans Hurch angesichts der Tatsache, dass das Wirtschaftsministerium von Martin Bartenstein (ÖVP) keine Möglichkeit zulässt, beide Projekte in der Öffentlichkeit zu diskutieren. "Unser Projekt wurde im Ministerium nie behandelt."

"Alles folgt dem normalen Ablauf", meint der für den Augarten zuständige Burghauptmann Wolfgang Beer. Der Vertrag mit den Sängerknaben werde "ohne Verzögerung" unterschrieben. Der "Querschuss" des Filmarchivs laufe Gefahr "beide Projekte umzubringen", fürchtet Beer um den Sponsor der Sängerknaben, den Fondsmanager Peter Pühringer, der durch die Ansprüche des Filmarchivs "verärgert" werden könnte.

Das Projekt eines Filmzentrums mit Kino und Museum gleich neben dem bestehenden Gebäude des Filmarchivs im Augarten werde schon seit 2002 verfolgt, die Umwidmung des Grundstücks in Bauland sei aufgrund einer Vorstudie des Filmarchivs erfolgt, kontert Ernst Kieninger, Geschäftsführer des Filmarchivs. Alle Stellen seien seit Langem über das Vorhaben informiert.

"Der Grund gehört der Republik und wird vom Wirtschaftsministerium nur verwaltet, das nun eine kulturpolitische Entscheidung trifft", versteht Kieninger das Desinteresse der Stadt- und Kulturpolitiker nicht. Dass die Grundstücksübergabe bereits bei einer interministeriellen Sitzung im Februar 2006 beschlossen wurde, bestätigt auch Jesser. Dass er durch seine Funktion als Abteilungsleiter im Kulturministerium Vorteile genossen hätte, weist er aber vehementest zurück. (Karin Krichmayr, DER STANDARD - Printausgabe, 20. April 2007)

  • Der nunmehr überarbeitete Entwurf für den Konzertsaal der Sängerknaben soll in Kürze eingereicht werden.
    foto: archipel

    Der nunmehr überarbeitete Entwurf für den Konzertsaal der Sängerknaben soll in Kürze eingereicht werden.

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