Rätsel um FPÖ-Logo fürs "Nazi-Treffen"

27. Juli 2007, 12:01
168 Postings

Rechtsradikale Veranstaltung in Lissabon wirbt mit freiheitlichem Schriftzug - FPÖ kann sich das nicht erklären

Wien/Lissabon – Mit Liedern wie „Für Hitler und für Europa“ hat es die spanische Hammer-Skin-Band Brigada Totenkopf auf Auftrittsverbotslisten in vielen europäischen Ländern geschafft. Kommenden Samstag sollen die rechtsradikalen Rocker beim „Tag der nationalen Jugend“ in Lissabon auftreten – einer Veranstaltung, auf deren plakativer Ankündigung auch das Logo der heimischen FPÖ prangt; und zwar in einer Reihe mit rechtsextremen Parteien aus zehn weiteren Ländern, darunter der französische Front National und die deutsche NPD.

Angesichts der eingeladenen Gruppierungen fällt Brigitte Bailer-Galanda, der Leiterin des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes (DÖW), die Einschätzung leicht: „Das ist eindeutig ein Nazi-Treffen anlässlich des ,Führergeburtstags‘ am 20. April“, meint sie. Auch die portugiesische Polizei dürfe dieser Meinung sein, in den vergangenen Tagen gab es mehrere Razzien, darunter auch in der Parteizentrale der Partido Nacional Renovador (PNR). Mehr als 30 Personen wurden festgenommen. Donnerstag zeichnete sich die Absage der Veranstaltung der Juventude Nacionalista ab. Auch der FPÖ-Vertreter, der laut Ankündigung bei der angeschlossenen Anti-Immigrations-Konferenz erwartet worden sein soll, kann sich also den Weg sparen.

Laut FPÖ stand aber eine Reise nach Lissabon gar nicht auf dem (offiziellen) Programm. Auch wie das heimische Logo der Freiheitlichen auf das Plakat gekommen ist, kann man sich nicht erklären. „Davon höre ich zum ersten Mal“, erklärte FPÖ-Bundespressereferent Karl Heinz Grünsteidl auf Standard-Anfrage. Auch im Büro des FP-Europaabgeordneten Andreas Mölzer konnte das Rätsel vorerst nicht geklärt werden.

RFJ an der Front

Im Februar fand ein Treffen der Europäischen Nationalen Front (ENF) in Risa in Deutschland statt. Laut ENF, einem Zusammenschluss rechter Recken unter der Ägide der NPD, nahm daran auch ein FPÖ-Vertreter teil. Was Christoph Töfferl, Kärnten-Chef des Ringes Freiheitlicher Jugend (RFJ), auch zugibt. Die Teilnahme sei aber rein privat gewesen, wird Töfferl in der Austria Presse Agentur zitiert. Karl Öllinger von den Grünen sieht ein Problem bei der blauen Parteijugend, er fordert deswegen, die fixen Zahlungen aus der Bundesjugendförderung zu stoppen. (Peter Mayr, Michael Simoner, DER STANDARD, Printausgabe 20.4.2007)

  • Wie kommt das FPÖ-Logo auf das rechtsextreme Plakat aus Portugal?
    faksimile: beigelbeck

    Wie kommt das FPÖ-Logo auf das rechtsextreme Plakat aus Portugal?

Share if you care.