OeNB: Aufholprozess in Osteuropa geht weiter

29. Juli 2007, 19:00
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Nur Ungarn mit Wachstumsdelle - Hoher Anteil von Fremdwährungskrediten als Risiko

Wien - Der wirtschaftliche Aufholprozess in den Ländern Mittel- und Osteuropas geht weiter. Wenngleich das Pro-Kopf-Einkommen in den neuen EU-Mitgliedsländern noch deutlich niedriger als in den alten EU-Ländern ist, so zeigt eine Studie der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), dass das Wirtschaftswachstum im CEE-Raum mit durchschnittlich über 5 Prozent im Vergleich zur EU deutlich stärker ausfällt. Als Risiko sieht der OeNB-Direktor für Volkswirtschaft und Finanzmärkte, Josef Christl, den hohen Anteil von Fremdwährungskrediten in Osteuropa.

Die Nationalbank geht davon aus, dass die Wachstumsdynamik - abgesehen von der Delle in Ungarn - in der Region weiterhin robust ist. So gehen die Experten beispielsweise für Polen von einem BIP-Wachstum von 6 Prozent 2007 und 5,5 Prozent 2008 aus. Für Tschechien werden heuer 5,1 Prozent und im nächsten Jahr 4,6 Prozent erwartet.

Länderspezifische Risken

Risiken in der Entwicklung seien länderspezifisch, so Christl. So habe Ungarn vor allem mit einem überbordenden Budgetdefizit von 10 Prozent des BIP Probleme, was sich auch auf die Wachstumsraten niederschlage: 2007 werde die ungarische Wirtschaft 2,7 Prozent, 2008 dann 3 Prozent wachsen. Mit Hilfe eines starken Konsolidierungsprogrammes soll es gelingen, das Defizit bis 2010 auf 2,7 Prozent zu reduzieren, hieß es. In allen anderen CEE-Ländern gebe es keine dramatischen Defizite im öffentlichen Haushalt, Bulgarien habe sogar einen Überschuss.

Die Inflation sei in den meisten osteuropäischen Ländern rückläufig, auch hier sei einzig Ungarn ein Ausreißer.

Die Leistungsbilanzen seien in der gesamten Region negativ, "Sorge" mache aber nur auf Grund der 1:1-Parität der Währung zum Euro die Lage in Bulgarien, weil hier (im Gegensatz zur Slowakei und Rumänien) das Instrument der Währungsabwertung als Ausgleich wegfalle, erläuterte Christl. Daher seien auch weiterhin große Kapitalzuflüsse nach Bulgarien nötig, was vor allem dann, wenn die Privatisierungswelle zu Ende gehe, zu Problemen führen könnte.

Auf Grund der besonderen Rolle der österreichischen Banken in der CEE-Region - 25 Prozent Marktanteil, 35 Prozent der Vorsteuergewinne und 16 Prozent der Bilanzsumme aus CEE - beobachtet die OeNB eingehend die Entwicklung des Finanzsektors. Teilweise mit Sorge werde dabei die steigende Anzahl an Privatkrediten und der dabei zumeist hohe Fremdwährungsanteil gesehen. Das Kreditvolumen hat den Angaben zufolge pro Jahr etwa zwischen 30 und 50 Prozent zugenommen.

Starkes Kreditwachstum

Noch sei das starke Kreditwachstum aber keine "Blase", so Christl, in Kroatien und Bulgarien befinde man sich aber schon am Rande dessen. Die Nationalbank rät den heimischen Banken daher zu einem guten Risikomanagement in den CEE-Ländern und den Aufsichtsbehörden zu einer Intensivierung der Zusammenarbeit.

Die Währungsaufwertung setzt sich laut Studie in den meisten Ländern fort. In der Slowakei wurde auf Grund verbesserter Fundamentaldaten die Zentralparität im Wechselkursmechanismus II (WKM) Mitte März aufgewertet. Auch aktuell sei die Währung stabil. Unter Druck geraten sei der lettische Lat nach einer Herabstufung des Rating-Ausblicks durch S&P.

In Bezug auf eine bevorstehende Euro-Einführung in den CEE-Ländern betont Christl, dass der WKM II "keine Einbahnstraße" sei: So unterstütze eine Teilnahme am Wechselkursmechanismus zwar positive wirtschaftliche Entwicklungen, verstärke im Gegensatz dazu aber auch negative Tendenzen. (APA)

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