"Orange Cafe" – wieder mal neu

15. Oktober 2007, 07:48
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Das Lokal, das über Jahre hinweg nicht vom Boden weg kam ist wieder offen – und heißt jetzt "Elevation"

Es war vor ein paar Tagen. Da stand ich wieder vor der Tür mit dem Sichelmondkipferltürgriff. Und ließ es dann doch bleiben, die Hand auszustrecken, die Mondsichel zu mir zu ziehen und ins Lokal hinein zu gehen. Weil ich das ja in den vergangenen Jahren ja auch nie getan hatte. Zumindest dann nicht, wenn das Lokal offen war: Ja, ich war beim "Orange Cafe". Auch wenn das mittlerweile schon wieder ganz anders heißt. "Elevation" nämlich – obwohl es immer noch (und obwohl es doch ausgebrannt war) aussieht, wie damals, als es noch das "Orange Cafe" war.

Aber der Reihe nach. Schließlich ist es schon fast gar nicht mehr wahr, dass das Lokal auf dem – wie es scheint – verfluchten Grund das erste Mal hier vorkam. Damals wohnte ich ums Eck, hatte das Leuchtschild immer vor Augen und wanderte mindestens einmal am Tag am "Orange Cafe" vorbei. Und immer immer immer war es leer.

Namensrochaden

Weil leere Lokale sich nicht ewig halten, hatte das "Orange Cafe" nicht lange offen. Aber es sperrte alle paar Monate neu auf: Es gab immer wieder neue Namen - La Luna, S´Kamin, Ali Baba oder Böhm & Sum sind nur einige davon, die anderen habe ich längst wieder vergessen – aber ansonsten änderte sich hier nie etwas: Der Mondsicheltürgriff etwa dürfte wohl Namensimpetus für das "La Luna" gewesen sein. Die Sessel sahen immer aus, als wären sie aus dem Speisesaal des benachbarten Schul-Wienwochenheimes geklaut. Die Bar versprühte diesen ganz speziellen Matula-Charme.

Und dann gab es da noch den Kachelofen. Dessentwegen dürfte das "Orange Cafe" wohl dann auch jenen Namen, den auf dem Leuchtschild zu mir hinaufstrahlen zu sehen, mir fast körperlich wehtat, bekommen haben: "S´Kamin". Aber auch das leuchtete nicht lange.

Neueröffnung

Denn abgesehen von einer die Tür drohend fixierenden Kellnerin und – wenn das "Neueröffnung"-Zetterl im Fenster pickte - einem an der Bar abhängenden (vermutlich) Chef war die Hütte immer leer. Und weil ich nie den Mut aufbrachte, reinzugehen und das Lokal einmal von innen zu erleben, weiß ich auch nicht, ob das nicht vielleicht doch wechselnde Servicekräfte waren – und es einfach Setting und Blick waren, die mir suggerierten, dass da immer die gleiche Frau potenzielle Gäste bannte.

Als ich wegzog, übernahmen Leser und Leserinnen den Orange-Newsletterdienst. Und einmal, ich glaube es war Anfang 2006, schrieb einer, ich solle doch wieder mal vorbeischauen. Ich kam – und sah: das Lokal hieß nun "Kaminstub´n". Und sah genauso aus wie immer. Natürlich war es leer. Aber im Fenster hing ein Plakat: Man habe Grund zu feiern, weil man schon ein ganzes Jahr durchgehalten habe. Außerdem war da eine Homepage angegeben (www.clik.to/kaminstubn): Das auf den Fotos waren eindeutig Menschen. Im Lokal.

Feuer!

Dann, diesen April, meinte A., ich solle wieder mal beim "Orange Café" vorbeischauen. Und als ich dort war, betrat ich das Lokal zum ersten Mal. Genauer: Ich wurde herein gewunken. Von einem der Arbeiter, die ich zunächst gar nicht gesehen hatte, als ich versuchte, durch die rußgeschwärzten Scheiben ins Innere des Lokals zu spähen: Das "Orange" war eine Barndruine. (Siehe Stadtgeschichte vom 15. April 2007). Die Bauarbeiter hatten keine Ahnung, ob und wenn ja wann oder unter welchem Namen das Lokal wieder aufsperren würde.

Dann stand ich vor ein paar Tagen wieder in der kleinen Gasse. Und schaute durch die Glastür: Der Mondsicheltürgriff ist immer noch da. Kachelofen und Bar sehen aus, wie eh und je. Und auch die übrige Möblierung dürfte wieder vom selben Designer stammen. Aber etwas war anders. Ganz anders. Ich brauchte einen ganzen Atemzug, um es zu verstehen: da waren Leute im Lokal. Mindestens acht: Vier Pärchen tanzten das, was wir früher "L´amourhatscher" genannt hatten. Auf den Tischen standen halb ausgetrunkene Biergläser. Aus einem Aschenbecher stieg Rauch auf. Ich sah zwei Herrenhandtaschen, Zigarettenpackerln und Handys auf den Tischen liegen.

Die Menschen im Lokal wirkten zufrieden. Hätte ich wirklich hineingehen sollen, um diese kleine, glückliche Runde mit der Frage, ob das Lokal in drei Monaten wohl immer noch "Elevation" heißen würde, aus dem Takt zu bringen?

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