Internationale Altmeisterauktionen

27. April 2007, 14:26
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In Wien eröffnen Alte Meister am 24. April den Jubiläumsreigen des Dorotheums, ein "Vogelkonzert" ziert den Katalog

Nächste Auftritte auf der internationalen Kunstmarkt-Bühne.


Wien – In der Kategorie "Landwirbeltiere" zählt die Klasse der Vögel mit 9000 Vogelarten und 35.000 Untergattungen zur artenreichsten. 14 davon vereinte Melchior de Hondecoeter zum Vogelkonzert, jenem Gemälde, dass den Altmeister Katalog zur Jubiläumsauktion des Dorotheums am 24. April ziert.

Die Darstellungen des auch Raffael der Tiere genannten Niederländers zeichnen sich durch großen Detailrealismus aus. Und es gilt als gesichert, das Hondecoeter die gefiederten Modelle nach der Natur malte. Die exotischen Artgenossen "konnte er in den Tiergärten, den so genannten Menagerien seiner Auftraggeber und Förderer, studieren. In seinem Testament erwähnt er ein für die genaue Darstellung der Vögel verwendetes Gerät". So weit der Katalogtext. Die Quelle für diese Ausführung wird nicht genannt, eine entsprechende Fachliteratur darf man vermuten. Internetversierte finden jedenfalls exakt die gleiche Information im Online-Lexikon Wikipedia.

Hondecoeter gilt als Meister der holländischen Vogelmalerei und signierte fast alle seine Werke, aber nur ein geringer Teil wurde auch von ihm datiert. Insofern liefert das 84 x 99 cm große Ölbild einen wichtigen Beitrag zur chronologischen Ordnung seines Oeuvres: Denn im abgebildeten Notenbuch findet sich neben der Signatur auch die Jahreszahl 1670.

Das aktuell auf 70.000 bis 120.000 Euro taxierte Bild war nachweislich bereits Gast in einem Auktionssaal, einmal 1929 bei Otto Held (Berlin) sowie 1929 und 1930 zweimal bei Cassirer (Berlin). Als jüngste Provenienz sind im Katalog die Erben nach Gräfin Nostitz vermerkt. Der bislang höchste Zuschlag für ein Vogelbildnis des Niederländers stammt aus dem Jahr 1990, als bei Sotheby's in London ein 153 mal 188 cm großes Werk von 1682 für 341.000 Pfund den Besitzer wechselte.

Insgesamt kommen am 24. April 452 Positionen der Kategorie Alte Meister zu einem unteren Schätzwert von 7,5 Millionen Euro zur Auktion, 357 Gemälde und Zeichnungen in der Vormittagssitzung (4,25 Millionen Euro) sowie 95 bei der abendlichen Jubiläumssitzung (3,25 Millionen Euro). Die erste Tranche buhlt wie üblich im gut 200 m2 großen Ludwigstorff-Saal um die Gunst der internationalen Klientel. Für die Abendauktion haben sich die Regisseure in Sachen 300-Jahr-Jubiläum etwas Besonderes einfallen lassen und wählten den bislang als Schaumeile genutzten Franz-Joseph-Saal als adäquate Bühne. Auf internationaler Ebene machte die wertbeständigste Sparte des Kunstmarktes auch Anfang dieses Jahres gute Figur. Sotheby's ist hier der Marktführer, setzte 2006 knapp 210 Millionen Dollar um. Christie's bilanzierte im gleichen Zeitraum mit 256 Millionen Dollar, hat hier aber auch Bestseller des 19. Jahrhunderts, etwa William Turner, inkludiert.

Im Jänner untermauerte Sotheby's mit einer Serie von drei Sales seine Position deutlich: Innerhalb von zwei Tagen brachten die Oldies die New Yorker Kassen mit 110,99 Millionen Dollar, dem höchsten Total dieser Sparte weltweit und jemals, gehörig zum Klingeln.

Die nächsten internationalen Auftritte: In der Nacht von 19. auf 20. April gelangt bei Christie's in New York der erste Teil der Sammlung Jacques Goudstikker zur Auktion. Im Februar vergangenen Jahres hatte die niederländische Regierung den Nachkommen des Sammlers 200 Gemälde Alter Meister restituiert – bei Christie's kommt die Hälfte davon in drei Auktionen unter den Hammer. Eines der aktuellen Highlights ist ein Salomon van Ruysdeal, das bis zu fünf Millionen Dollar verspricht. Zu den Besonderheiten der von Sotheby's in Amsterdam am 8. Mai verteilten Auswahl zählt eine Gruppe von Gemälden aus dem Getty Museum in Los Angeles, darunter Meisterwerke von Jan Lievens, Bakhuizen oder De Momper. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.4.2007)

  •  "Das Vogelkonzert", Melchior de Hondecoeter, Dorotheum.
    foto: dorotheum

    "Das Vogelkonzert", Melchior de Hondecoeter, Dorotheum.

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