Nein zu "Fixerstuben" am Karlsplatz

19. April 2007, 17:37
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In der Schweiz und in Deutschland existieren Konsumräume für Drogenkranke bereits - in Graz werden Konsumräume überlegt - Mediatorenteams verdoppelt

Wien/Graz - Um das "subjektive Sicherheitsgefühl" am Wiener Karlsplatz zu erhöhen, wird die Stadt ab Mai die Einsätze der "Help U"-Mediatorenteams verdoppeln. Die speziell ausgebildeten Mitarbeiter von Wiener Linien und der Sucht- und Drogenkoordination sollen künftig bis 22 Uhr am Karlsplatz unterwegs sein, um für ein "friedliches Miteinander" von Passanten, Geschäftsleuten und der Drogenszene zu sorgen, wie Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SP) betonte.

Konsumräume für Drogenkranke

Konsumräume für Drogenkranke, wie sie schon von den Grünen und auch der Wiener ÖVP gefordert wurden, wird es aber weiterhin nicht geben. Wien habe im Vergleich zu anderen Großstädten eine sehr kleine Straßen-Drogenszene, die sich nicht an einem Ort sammle, argumentierten Wehsely und der Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel. Man würde mindestens fünf Fixerstuben für etwa 200 Nutzer brauchen - und das wäre ein zu großer Aufwand. "Das ist aber kein Dogma", räumte Dressel ein. "Sollte sich die Situation verschlechtern, kann man darüber nachdenken."

Graz überlegt Drogenräume

Bereits nachgedacht hat man in Graz, wo die Diskussion um Drogenkonsumräume vor einer Woche als Vorschlag der KPÖ auftauchte - allerdings noch bevor KP-Stadträtin Wilfriede Monogioudis dies wollte. Denn die Stadtpartei ist noch "in der Phase der Meinungsbildung", wie eine Sprecherin von Monogioudis dem Standard gegenüber betont.

Derzeit prüfe man gemeinsam mit Experten gesundheitliche, rechtliche und ordnungspolitische Hintergründe der Drogenräume, die etwa in der Schweiz, Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden bereits existieren. Den ÖVP-Landtagsabgeordneten Eduard Hamedl und die Spitzenkandidatin der FPÖ für die Grazer Wahlen 2008, Susanne Winter, hinderte das aber nicht daran, die Überlegungen schon im Vorhinein als "undenkbar" zu verurteilen, wobei die FPÖ wie auch die Grünen im Gemeinderat, nicht aber auf der Stadtregierungsbank sitzen.

Monogioudis will eine Realisierung des Pilotprojektes Drogenraum nur dann, wenn es darüber einen politischen Konsens gibt: Das heißt, neben der SPÖ will man die ÖVP, die in der Frage noch gespalten sein dürfte, an Bord haben. Von den Grünen darf sich die KPÖ jedenfalls Unterstützung erwarten. (cms, kri/ DER STANDARD Printausagbe 19.4.2007)

  • Die "Help-U"-Mitarbeiter sollen künftig bis 22.00 Uhr im Einsatz sein.
    foto: christian fischer

    Die "Help-U"-Mitarbeiter sollen künftig bis 22.00 Uhr im Einsatz sein.

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